Kategorie-Archiv: Freiräume

„Keine Solidarität mit ‚Lebensschützer*innen‘ und Sexist*innen“

Im April haben ehemalige Bewohner*innen des Haus- und Wohnprojekts „Insel“ in Jena einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie fordern, sich nicht mit der „Insel“ zu solidarisieren, solange einer ihrer Sprecher*innen antifeministische Positionen vertritt. Die Lirabelle sprach mit den Verfasser*innen.

Eure Forderung an Gruppen und Einzelpersonen lautet, sich mit der Problematik kritisch auseinanderzusetzen und Position zu beziehen. Unterstützt werdet ihr dabei von einer Handvoll Thüringer Gruppen, nur eine davon kommt aus Jena. Man muss wohl feststellen, dass es in dieser Szene immer noch viel Mut erfordert, auf solche Themen hinzuweisen – vor allem weil nun ein Spannungsfeld entsteht in der Jenaer linken Szene. Danke, dass ihr nicht schweigt und uns wissen lasst, was hinter den Türen der „Insel“ los war bzw. ist. Wie kommt es dazu, dass ihr die Problematik zu diesem Zeitpunkt thematisiert?

Eigentlich thematisieren wir diese Problematik seit zehn Jahren, natürlich nicht die ganze Zeit mit der gleichen Intensität. Aber nicht nur wir, sondern auch andere Menschen und Gruppen haben immer wieder versucht über die Vorfälle mit Menschen in Jena, aber eben auch mit der „Insel“ selbst ins Gespräch zu kommen. Wiederholt wurde die „Insel“ dazu aufgefordert Stellung zu beziehen; mit dem Ergebnis, dass nichts passiert ist. Die letzten neun Jahre ist die „Insel“ gut damit gefahren, solche Versuche einfach zu ignorieren und nichts zu machen. Aus unserer Sicht ist es nicht auszuhalten und hinzunehmen, dass ein solches Verhalten keine Konsequenzen hat.
Dabei ist uns bewusst, dass sich die Bewohner*innenschaft auf der „Insel“ in den letzten zehn Jahren immer wieder geändert hat und es durchaus sein kann, dass dort Menschen leben bzw. gelebt haben, denen die Vorfälle nicht bekannt waren. Und dennoch fordern wir eine Auseinandersetzung der „Insel“ als Projekt ein.
Das wir nun mit unserem Aufruf verstärkt in die Öffentlichkeit gegangen sind, mag für einige Menschen überraschend sein. Für uns ist es nur ein logischer nächster Schritt, nachdem wir mit unserem Anliegen lange ignoriert wurden. Und oft ist in der an uns gerichteten Kritik am Veröffentlichungszeitpunkt auch der Wunsch versteckt, sich nicht inhaltlich mit der Thematik beschäftigen zu müssen.
Zudem wollen wir die Menschen unterstützen, die sich in der ganzen Zeit für unser Anliegen engagiert haben. Denn wir wissen aus eigener Erfahrung wie nervenaufreibend, frustrierend und demotivierend diese Arbeit sein kann. Wer offen über die Vorfälle in Jena geredet hat, hat sich lange Zeit keine Freund*innen gemacht. Dass unsere Unterstützer*innen aber nicht allein sind und keine Einzelmeinung vertreten, wird nun nach unserem Aufruf deutlich. Und diese Unterstützung war längst überfällig.

Bis zur Veröffentlichung eures Aufrufes haben wohl die meisten politisch Aktiven aus Erfurt von den Zuständen in der „Insel“ wenig bis gar nichts gewusst. Viel mehr wurde über die beschlossene Räumung des Projekts gesprochen. Fehlt es an Erfahrungsweitergabe auch in feministischen Zusammenhängen in Thüringen?

Zuerst einmal, uns geht es nicht darum, dass die „Insel“ als möglicher „Freiraum“ oder bezahlbarer Wohnraum grundsätzlich keine Solidarität erfahren sollte. Wir fordern keine generelle Entsolidarisierung und das steht auch nicht in unserem Aufruf. Vielmehr sehen wir es als hoch problematisch an, wenn die „Insel“ unter den gegebenen Umständen Solidarität erfährt. Und diese gegebenen Umstände sind, dass sich die „Insel“ seit zehn Jahren weigert, sich mit den Vorwürfen auseinander zu setzen und statt dessen den Täter zum Pressesprecher und zur zentralen Figur des „Wohnprojektes“ gemacht hat und an ihm festhält.
Was die Erfahrungsweitergabe angeht, ist zu sagen, dass wir natürlich schon damals einen ähnlichen Aufruf wie den jetzigen hätten schreiben können. Wir haben aber in den ersten Jahren nach dem Vorfall versucht das Thema vor Ort in Jena zu bearbeiten. Die Reaktionen auf uns waren damals bis auf wenige Ausnahmen ähnlich: Die Vorfälle wurden zwar als schlimm und erschreckend angesehen, meist wurden ihnen aber die politische Dimension abgesprochen und es wurde kein Anlass gesehen, daraus eine Konsequenz für die eigene Praxis abzuleiten. Hinter dieser Stimmung konnte sich der Täter lange verstecken.
Zum Anderen denken wir, dass es ratsam ist gerade feministische Themen mehr und vertiefter zu diskutieren und die dazugehörigen Strukturen in Thüringen zu reflektieren. Sexistische Kackscheiße passiert überall und regelmäßiger als es vielleicht einigen bewusst ist. Das selbst ein solch krasser Fall so lange unthematisiert bleiben konnte, ist erschreckend. Das ist eine Situation und eine Struktur, nicht nur in Thüringen, die aus unserer Sicht nicht hinnehmbar ist.
Die jetzige Diskussion zeigt aber, dass es eine Erfahrungsweitergabe gibt, die funktioniert. Um jedoch dahin zu kommen, braucht es viel Kraft und Anstrengungen – gerade auch, wenn Betroffene nicht gleich von Anfang an wissen, wo sie sich hinwenden können und wo sie Unterstützung finden. Darüber hinaus wird in der aktuellen Diskussion klar, dass es mit dem damaligen Täter auch noch heute ein grundlegendes Problem gibt, dass lange unthematisiert blieb.

Gerade sexistische und frauenfeindliche Positionen sind oftmals Anlass für Auseinandersetzungen in linken Projekten, hat sich seit eurem Auszug etwas in der Wahrnehmung und an der Bereitschaft zur Auseinandersetzung verändert?

Ehrlich gesagt, ist das schwer bis gar nicht zu beantworten. Die Bereitschaft zur Auseinandersetzung hängt leider oftmals auch stark davon ab, wie sehr mensch davon selbst betroffen ist und welche Konsequenzen für das eigene Leben erwartet werden. Zudem ist das Thema „sexistische Übergriffe“ nach wie vor ein eher unbeliebtes Thema, vom Thema „Schwangerschaftsabbruch“ gar nicht erst zu reden. Und das gerade dann, wenn es zu konkreten Vorfällen kommt. Da ist immer noch der Druck sich als Betroffene*r zu rechtfertigen, zu beweisen und zu thematisieren.
Die jetzigen Unterstützer* innen hätten wohl schon damals die Bereitschaft gehabt, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Ihnen und den Einzelpersonen, die uns auch schon früher unterstützt haben, können wir an dieser Stelle nur danken. Andererseits ist es auch heute noch in kleineren Auseinandersetzungen mit Einzelpersonen immer wieder überraschend, wer welche Meinung vertritt, auch in der „linken Szene“. Das ist erschreckend, aber ob die Bereitschaft zur Auseinandersetzung nun mehr oder weniger geworden ist, dafür fehlt uns der Überblick.

Was wünscht ihr euch von solidarischen Menschen speziell in Jena und darüber hinaus?

Letztendlich liegt es jetzt an den Jenaer Gruppen und Einzelpersonen klar Stellung gegen Sexismus und Antifeminismus zu beziehen. Ein erster Schritt wäre durch eine Auseinandersetzung mit dem Täter und den Vorfällen, aber auch mit der Thematik im allgemeinen gemacht. Darüber hinaus fordern wir eine konsequente Umsetzung dieser Überlegungen in die Praxis und ein Diskussion darüber, wie mit solchen und ähnlichen Fällen zukünftig umgegangen werden kann.
Wir sind bereit, diesen Prozess im Rahmen unserer psychischen und zeitlichen Möglichkeiten zu unterstützen und machen dies bereits auch.

Vielen Dank für das Gespräch! Passt auf euch auf und behaltet euren Mut.

Glückwünsche

… zu 40 Jahren Offene Arbeit Erfurt

Am 14. September 2019 feiert die Offene Arbeit Erfurt ihren 40. Geburtstag. Wir gratulieren! Gegründet als Basisgemeinde war die OA in den 1980er-Jahren ein Zufluchtsort der Opposition gegen den autoritären Staatssozialismus in der DDR, später eine wichtige Akteurin der sogenannten friedlichen Revolution, bevor diese in Restauration und das völkische Erwachen Anfang der 1990er umschlug. Auch wenn die OA mit 40 etwas gesetzter geworden ist, steht sie als »Teil eines Netzwerks, das für Alternativen streitet« weiterhin für ihre Ziele: »Frieden, Gerechtigkeit, und Bewahrung der Schöpfung«. Auch wenn wir von Antimilitarismus, Kapitalismuskritik und Umweltschutz sprechen, sehen wir uns im Eintreten gegen den rechten Mainstream und den tödlichen kapitalistischen Normalzustand auf der selben Seite der Barrikade.
Wir wünschen allen Freund*innen und Genoss*innen der OA alles Gute zum Jubiläum und weiterhin viel Kraft für den aufrechten Gang in Richtung einer »Welt ohne Ausbeutung von Menschen, Tieren und der Natur«.
Alle Zitate stammen aus Texten der Offenen Arbeit Erfurt. Das Jubiläum wird am 14.09.2019 in der Michaeliskirche mit einem Empfang und einem Gottestdienst gefeiert. Im November diskutiert die Offene Arbeit mit dem Bildungskollektiv Biko über die Bedeutung des Herbst 1989.

& 30 Jahren AJZ

Vorwärts immer – Rückwärts nimmer!

Vor zehn Jahren wurde das besetzte Topf & Söhne Gelände geräumt. Marvin lebte mehrere Jahre im Topf-Squat und schrieb uns seine Erinnerungen.

Sommer 2001, ich hatte gerade mal wieder mit Ach und Krach meine Versetzung an einer Staatlichen Regelschule in der Thüringer Provinz geschafft und es sollten meine letzten, großen Ferien vor den kommenden Abschlussprüfungen werden. Den halbjährigen Gang der Schande zur Zeugnisunterschrift hatte ich gemeistert – meine Eltern hatten das Mahnen schon vor einer Weile aufgegeben – und ich freute mich auf 6 Wochen freie Zeiteinteilung. Freiheit bedeutete für mich damals, mit dem Rad über die Dörfer zu fahren und dabei auf meinem Walkman Falco hoch und runter zu hören. Ich war eher ein Einzelgänger. Das örtliche Schwimmbad mied ich, dort waren nur wieder die Trottel aus der Schule und die lokalen Nazigrößen des sogenannten „Thüringer Heimatschutzes“. Beide waren mir so verhasst, wie die Lehrer*innen, die Polizei, die Eltern, eben all jene Autoritäten, die einem 15-jährigen Dorfpunk das Leben richtig madig machen konnten und dies auch taten. Zum Glück aber gab es selbst in der ländlichen Tristesse Anfang 2000 ein wenig Farbe. Ich war in einer AntiFa-Gruppe, wir stritten gerade um einen Jugendraum und hatten über die lokalen Nazistrukturen unser erstes Interview im AIB (Antifaschistisches Infoblatt). Bei Veranstaltungen und einem Konzert konnten wir auf die Unterstützung anderer Linker aus größeren Städten bauen. Diese war auch mehr als notwendig, denn regelmäßig griffen Faschisten unsere Treffen an. Wir, das waren neben mir noch drei Abiturent*innen, unter ihnen die Tochter des Bürgermeisters.
Politisch waren die Zeiten für mich auch außerhalb des Dorfes aufregend. In Göteborg hatte es am Rande eines EU-Gipfels schwere Ausschreitungen gegeben und die Bullen schossen scharf auf Demonstrant*innen. Ich graste in dieser Zeit jeden Zeitungsladen ab, um an Berichte und Photos zu kommen und wenn wir nachts mal eine Mülltonne am Marktplatz in Brand setzten, war Göteborg sogar ein wenig bei uns. Aber auch zwischen Dorf und Göteborg bewegte sich was. Durch die monatliche Post des Infoladens „Sabotnik“ und ihrer Zeitung „Spunk“ erfuhren wir, dass in Erfurt seit April 2001 ein Haus besetzt sei, es war also nur eine Frage der Zeit bis wir es uns ansehen würden. Am 01. Juli war es so weit. Ich fuhr mit F. in die große Stadt. Sie mit „Ich scheiss drauf Deutsch zu sein“ -Shirt, ich mit Sandalen, Socken, kurzer grüner Hose, schwarzen Shirt und einem umgedrehten Kreuz an einer Halskette. So brachte uns die Regionalbahn in die Landeshauptstadt. Vom Bahnhof in die Rudolstädter Straße 1 war es nicht weit. Einmal über eine große Kreuzung, vorbei an der IHK und einem Autohaus und rechts neben einer Tankstelle, da war es: das Topf Squat. Außen war an die Wand geschrieben: „Seit dem 12.04.2001 besetzt“ daneben ein großes Eisentor mit Stacheldraht drauf und Plakaten dran, ein paar Transparente hingen zerfleddert an der Fassade. Ein paar Autos parkten in der ruhigen Sackgasse. Dazwischen eine Eisentür, die offen stand. Wir gingen rein und betraten einen Betonplatz. Entgegen unserer Erwartungen trafen wir niemanden an und hatten schon ein wenig Sorge zu spät zu sein – meine Mutter war Anfang der 90er viel in Berlin und erzählte auch über die Vergänglichkeit von besetzten Häusern. Alles war bunt angemalt, über dem Hof war ein Tennisnetz gespannt, es standen Feuertonnen rum und nur ein paar Hunde verrieten uns dass die Besetzung wohl immer noch aktuell war. Durch eine große, leere Halle voller Schrott und tonnenweise Taubendreck kamen wir über eine klapprige Leiter auf das Dach. Dort wollten wir uns einen Überblick verschaffen und vor allem in Ruhe einen Joint rauchen. F. drehte gerade die Tüte als R. das Dach betrat. R. arbeitete für die „Thüringer Allgemeine“ und wollte einen Bericht über das Topf und Söhne – Gelände schreiben. (Zu der Zeit war gerade eine Klausurtagung des „Förderkreis Topf und Söhne“ beendet und man stellte die weitere Planung für das Areal vor.) Auch die Besetzer*innen sollten kurze Erwähnung finden. Nur fand R. ,wie wir auch, keine Besetzter*innen. Er fragte stattdessen uns, ob wir für ein Photo kurz stillhalten würden. F. und ich willigten ein. Ich glaube wir waren in dem Moment so fokussiert auf den kommenden Joint, dass wir uns ohne Gegenwehr selbst vom Papst persönlich hätten taufen lassen. Zumindest deute ich heute so das Photo von uns, welches am kommenden Tag in der Lokalzeitung abgedruckt war. Jetzt war ich Besetzer. Zumindest auf dem Papier.
Bis ich in eben jenes Haus einzog, vergingen noch zwei Jahre. Ich war in der Zwischenzeit so gut wie jedes Wochenende da, war es doch diese eine Welt, die ich so sehr suchte. Sie war bunt, laut, sie war all das, was mein Dorf nicht war. Dauernd veränderte sich etwas, es kamen permanent neue Leute dazu, die so klangvolle Namen wie Perle, oder Eidechsen-Lars hatten. Es gab einen Bauwagenplatz und irgendwo schraubte immer jemand an irgendwas rum. Ich war das erste Mal richtig betrunken und verliebt. 2003 zog ich ein. Mittlerweile hatte ich meinen Realschulabschluss mehr ergaunert als verdient und eine Lehre als Verfahrensmechaniker angefangen. Wenn ich morgens gegen 5 Uhr Das Haus verließ, saßen unten noch die letzten Gäste und Bewohner*innen des Wagenplatzes und prosteten mir aufmunternd zu. Die weiteren 9 Stunden verbrachte ich damit vor der Maschine darauf zu warten, dass der fertige Plasteklumpen vorne rausfiel. Oft musste ich mich vom Meister erniedrigen lassen und an den besseren Tagen träumte ich in der Berufsschule in Gotha Ost einfach vor mich hin und kiffte in jeder Pause. Ich glaube, geil war mein Leben zu dem Zeitpunkt nicht, aber ich freute mich jeden Tag darauf, wieder nach Hause zu kommen. Mein Zimmer konnte ich gefühlt schon vom Bahnhof aus sehen und meistens war auch A. oder T. zu Hause, denen ich vom Tag erzählen konnte. S., zu dem ich heute noch Kontakt habe und sehr schätze, kam meistens erst später, weil er auch arbeiten war. Da er im Besitz eines Autos war, galt er als der Wohlhabendste unter uns Gering- bis Garnichtsverdiener*innen. Er war es auch, der die Einkäufe für die WG erledigte und eine ruhige, sachliche Instanz in den vielen Debatten in dieser Zeit darstellte.
Mit S. fuhr ich auch Jahre später noch auf Demonstrationen und viele Konzerte und ihm habe ich es wohl zu verdanken, dass ich heute nicht nur schlechten Deutschrap höre. T. brachte mir bei, wie man Wanderrucksäcke voll Lebensmittel und Zigaretten aus einem nahe gelegenen Supermarkt klaute. A. schätzte ich als Zuhörerin sehr, wir gingen aber schon bald unterschiedliche politische Wege. Wenn ich mit T. nicht gerade klauen war, war er meistens damit beschäftigt, im Fernsehbauwagen rumzuhängen oder er schmiedete große Umbaupläne für die WG, von denen er keinen einzigen verwirklichte. Im Winter 2003, ich war im 2. Lehrjahr, hatte ich dann die Schnauze voll von der Arbeit. Gerade meine Volljährigkeit erreicht, befand ich dass zwei Jahre Lohnarbeit vollkommen ausreichend seien und schmiss, sehr zur Begeisterung meiner Familie, alles hin. Fortan war auch ich damit beschäftigt noch mehr zu kiffen, im Fernsehbauwagen mit dem Sofa eins zu werden, große Pläne zu schmieden und nichts zu verwirklichen. Worin ich aber sehr gut war, war verbissenen Streits anzufangen und mich als belesener darzustellen als ich war. Oft war ich in Argumentationen unterlegen, aber mit viel Polemik + Arroganz fühlte ich mich dennoch meist als Gewinner. Wenn ich heute Texte aus der Zeit lese, die ich damals geschrieben habe, dann schäme ich mich immer ein wenig. Wenn ich an einzelne Personen denke, die ich mit meinem Verhalten verletzt habe, dann habe ich das Bedürfnis mich zu entschuldigen. Für solche Erkenntnisse brauchte es allerdings Zeit. Nach einem harten, kalten Winter zog ich aus dem Besetzten Haus aus, blieb aber auch in den kommenden Jahren dem Projekt verbunden. Meine schönsten Abstürze hatte ich dort und auch in ein paar Schlägereien war ich verwickelt. Meistens mit pöbelnden Nazis vor dem Tor und meistens schwang ich mehr Worte als Fäuste. Manchmal auf mit Besucher*innen. Z.B. wenn diese ein Palituch trugen. Letzteres war mit viel Spannungen im Hausplenum verbunden und um ehrlich zu sein, ja, darauf legten wir es an. Heute erinnere ich mich lieber an die Nachtwachen in den letzten Tagen, die ich auf dem Dacheingekuschelt in alte Transparente mit meiner damaligen Freundin und viel Sternburg Bier verbrachte. Der schwierigste Tag für mich war der Tag der Räumung. Es waren jetzt 8 Jahre vergangen, ich war 24, lebte von Arbeitslosen- und Kindergeld und noch immer war vieles für mich ein Spiel. Was es bedeuten würde, einen Ort wie das Besetzte Haus zu verlieren, war mir nicht bewusst. Es gab große Demonstrationen in Erfurt, bundesweit solidarische Aktionen und selbst Bernd das Brot wurde für kurze Zeit vom Fischmarkt in Erfurt entführt. Aber jenseits der radikalen Linken waren wir alleine. Ich glaube, in den Verhandlungen mit der Stadt gingen wir nicht immer taktisch sinnvoll vor oder wir hatten schlicht keine Linie, was wir eigentlich wollten. Die Linkspartei war ein wankelmütiger Gesprächspartner. Vor allem war es in der Partei nicht klar, wie man zu alternativen Lebensformen stehen sollte. Ich erinnere mich noch gut an Debatten mit alten Parteimitgliedern, die vorwurfsvoll fragten, wie man denn „so“ nur leben kann. Die SPD tat das, was die SPD schon immer tat: Linken in den Rücken fallen. Dass man bei einem Arschloch wie Bausewein aber keinen Blumentopf wird gewinnen können, wussten wir. Es war also ziemlich hoffnungslos. Ich verbrachte die letzten Tage damit, mich auf einen anderen Gegner zu besinnen. Bei den Nachtwachen auf den Dächern des Squats hatte ich viel Freude daran, vorbeifahrende Polizeistreifen zu bewerfen, oder die Aufklärungsflüge der Cops mit dem Einsatz von Pyrotechnik zu sabotieren. Genützt hat das freilich nichts. Am Tag der Räumung war Schluss. Ein Traum war aus, ein Spiel zu Ende. Auf wenige Minuten erbitterte Gegenwehr folgten, noch ehe die Sonne richtig aufgegangen war, Verhaftung durch das SEK, viele Stunden Knast und eine nächtliche Verhandlung mit Nervenzusammenbruch vor einem Haftrichter. Am nächsten Morgen schon war „meine“ Munkebude weg. Was blieb, war ein Schutthaufen aus bunten Steinen und meine Sturmhaube, die ich heulend in den Trümmern fand. Den Schlüssel zum Eingangstor habe ich immer noch.
Heute wohne ich nicht mehr in Thüringen, nicht mehr in Deutschland. Immer wenn ich zu Besuch in der Provinz bin, fährt der Zug an dem Ort meiner Jugend vorbei Ich sehe die neuen Häuser, die Einkaufsmöglichkeiten, versuche mich zu erinnern wie es bis 2009 ausgesehen hat und noch immer kommt kurz Trauer und ein wenig Wut auf. All das schreibe ich 10 Jahre nach der Räumung. Ich sitze an meinem Mac Book, im Hintergrund läuft eine Playlist „Klassik zur Konzentration“, ich bin jetzt 33 Jahre alt. Ich habe irgendwann wieder mit der Lohnarbeit angefangen, rauche und trinke seit Jahren nicht mehr, gehe gerne wandern und pflege meine Zimmerpflanzen. Bin ich ein Spießer? Vielleicht. Vielleicht war ich das auch schon immer. 2003 fegte ich gerne im Treppenhaus des Squats, weil mich die Massen an Hundehaaren störten und heute fege ich gerne meine Mietwohnung, weil ich die Flusen nicht mag. Ich bin immer noch Links, bin immer noch Sozialist und noch immer freut es mich, wenn sich Menschen Freiräume nehmen, erstreiten, oder halt kaufen. Ich würde nicht mehr in einem solchen Projekt wohnen wollen. Neulich fragte ich S., ob er glaubt, dass es das Besetzte Haus ohne Räumung heute noch geben würde. Er meinte „ja“. Ich meinte, dass wir dann vermutlich unsere eigenen Jobs dort geschaffen hätten. Früher soziale Revolution, heute soziale Arbeit. Vielleicht doch gut so, dass es anders gekommen ist. Ich bekomme ja schon bei dem Wort „Plenum“ Stresspickel. Und trotz alledem:
Wenn man mit über 30 noch immer nicht seinen Frieden mit dem Schweinesystem gemacht haben will, dann gab es sicher einen Ort, wo man alles ausprobieren und lernen konnte. Wo man Fehler machen konnte, Pläne, Verwerfungen, Neuanfänge. Wo man stritt, wo man Bündnisse schmiedete, oder verließ und wo man am Ende trotzdem solidarisch zusammen stand. Ich möchte nicht zurück. Ich bin froh, den Wirren der Jugend entkommen zu sein. Ich würde aber auch nichts tauschen wollen. Keinen Winter mit einem Ofen, der fast das ganze Dachgeschoss in Brand gesetzt hätte, keinen Streit um USA-Fahnen in meinem Fenster, kein mieses Konzert, keine Barschicht, nichts von all dem bereue ich.
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich von Leuten höre, die damals aktiv waren und auch heute noch der radikalen Linken verbunden sind. Ich freue mich jedes Mal, wenn Menschen zeigen, dass es jenseits der grauen Stadt ein Leben gibt.
Und was seit 10 Jahren für Erfurt nichts an Gültigkeit verloren hat, sind die Forderungen nach eben diesem Ort. Den verlorenen Dorfpunks, Linken, Künstler*innen, und allen anderen, die in dieser scheiß Welt nicht das Ende der Geschichte sehen -all denen wäre es zu wünschen. Und mir wünsche ich es auch. Dann kann ich als Opa „Geschichten aus dem Krieg“ erzählen und IHR müsst zuhören, danach gibt es warmen Tee an der Bar und wir wärmen uns die Hände an der Feuertonne. Schön wäre das.

PS: Danke an S., der mich in all den Jahren als Freund begleitet hat. Danke an alle Anwält*innen, die uns immer wieder rausgehauen haben, danke an die handvoll parlamentarischer Linker, die sich auch heute noch solidarisch zeigen. Danke an euch, die ihr immer noch aktiv seid. Und zu guter Letzt, danke an den Thüringer Ermittlungsausschuss, auf dass niemand vergessen wird.

Mal nicht davon absehen: Sexismus liegt in der Luft

Tiezah erzählt von ihrem Abend bei der Veto-Eröffnungparty, weil sie über Sexismus nicht hinweg sehen will und es ihr scheiße damit geht, dass sie am nächsten Morgen schon wieder allein in den Trümmern der Gefühle von Angst und Wut aufgewacht ist. Das zu benennen ist ein offensiver Akt, der Mut (und Zeit und Nerven…) erfordert.

„Mal abgesehen davon war doch die Party schön, oder?“ fragte mich ein Freund auf dem Nachhause-Weg von der Party von Veto, Stattsschloss und Radical Print im April. Ja, vor allem der Nachmittag war auch für mich sehr schön und ich bin dankbar für die vielen Menschen, die den Tag möglich gemacht haben. Trotzdem war es auch mal wieder scheiße.

Was ist denn eigentlich los gewesen?

Die Party ist in vollem Gange, die Stimmung gut. Der erste DJ nach den Bands legt auf. Der kleine Raum füllt sich, die Leute tanzen. Berührungen sind fast unvermeidlich. „Ui, ist das dunkel hier!“, denke ich, weil ich die Menschen um mich herum nicht sehen kann. Auf der einzigen Lichtquelle neben dem DJ liegt eine dicke Jacke. Was tun? Mit einer Freundin nehmen wir die Jacke runter und ernten böse Blicke. Wir entscheiden uns einen dünneren Stoff aus dem Umsonstladen zu holen. Dann würde es hell genug sein, um den hier nötigen Ausruf „Ich will Eure Hände sehen“ (und wissen zu wem sie gehören und was sie in meiner unmittelbaren Nähe machen) nicht von Seiten der Bühne zu rufen, sondern um uns zu schützen. Gleichzeitig würde es dunkel genug sein, um es den Feiernden trotzdem zu ermöglichen ausgelassen zu tanzen – ohne das grelle Stehlampenlicht und die damit verbundenen potentiell bewertenden Blicke anderer. Kaum mit dem Umbau angefangen, werden wir angemotzt und/ oder in Rechtfertigungsdruck gebracht. Ok. Das eigene Tanzen breche ich ab, die Mission zur Gestaltung der Party ist aber zunächst erledigt. Ich gehe erstmal was trinken.

Später schaue ich erneut zur Tanzfläche. Der Weg in den Keller ist stockduster und verstellt mit Glasflaschen, die Gäste trotz Selbstorganisations-Anspruch – mal wieder – nicht selbst zurück gebracht haben. Ein bisschen gefährlich und mehr Arbeit für die Leute, die morgen die Flaschen und Glassplitter aufräumen. Da diese Arbeit oft von Frauen* gemacht wird, ist es „normal“, dass sie übersehen wird und keine Aufmerksamkeit bzw. vorsorgliche Beteiligung erhält.

Und der bereits vorhin von uns verstärkte Lampenschirm ist wieder von einer lichtundurchlässigen Jacke überlagert. Shit. Der cis-männliche DJ bekommt eine Menge Applaus. (Bei sieben Musik-Acts standen nur bei einer Band auch Frauen* auf der Bühne.) Aber kein Platz zum Entspannen für mich! Der Gedanke an Übergriffe kann von manchen ausgeblendet werden, von anderen nicht.

Naja, meine Cola ist eh leer. Vor mir an der Bar bestellt ein Typ*. Dass es ein Typ ist merke ich daran, dass er diese sexistische Ansprache benutzt und sich männlich konnotiert bewegt und verhält. Die Begrüßung: „Hallo, schöne Frauen“. Ok. Es war nicht an mich gerichtet, deshalb will ich nicht aggressiv werden. Ein verständnisvolles Erklär-Bär-Spielen für den Typ, der nicht versteht, warum das sexistisch ist, schaff ich nach der Panzerfahrt von eben nicht mehr. Auf meine kurze Konfrontation hin stößt sein erster Einwand „Das wird man ja wohl mal noch sagen dürfen…“ schnell auf meine Überforderung.

Eine in der Nähe stehende Person, die ich anspreche, reagiert verwirrt statt parteiisch. Zum Glück bin ich hier nicht fremd, sondern kenne einige Leute gut genug, um nicht vollkommen verloren zu sein. Von einer Freundin weiß ich, dass es ein Awareness-Team gibt. Eigentlich sollte Awareness eine Aufgabe von Allen sein. Aber die Erfahrung zeigt, dass Bier mit einer „Kasse des Vertrauens“ keine Soli-Kohle rein bringt und es auch im Awareness-Bereich gut ist, wenn es zusätzlich Verantwortliche gibt, die nüchtern bleiben, um sich für solcherlei Situationen bereit zu halten. Die von mir angesprochene Person empfängt mich einerseits mit offenen Ohren, andererseits mit Zuständigkeitsfragen und verweist auf ihre Kollegin*. Hm, das scheint nachvollziehbar vor dem Hintergrund, dass sich für eine für 14 Stunden plus X geplante Party nur zwei Personen ohne Schichtwechsel für Awareness eingetragen haben. Auch Barschichten von vier Stunden sind für eine möglichst gleichverteilte Beteiligung an der Arbeit für die Party mit Selbstorganisationsanspruch zu viel. Aber für ein (so kleines) Awareness-Team ist das ein No-Go, weil die Aufmerksamkeit und Handlungsfähigkeit wahrscheinlich nicht oder nur mit großer Anstrengung gewährleistet sein können.

Und dann auch das noch: der Awareness-Beauftragte erklärt mir, dass er die Diskussion mit dem Typen leider nicht führen könne, weil er nicht wisse, was daran sexistisch sei und er diese Begrüßung gelegentlich selbst verwende und zwar gender-unabhängig. Schließlich kenne er die Selbst-Identifikation aller seiner Bekannten und könne damit passgenau einschätzen, ob er „schöne Männer“ oder „schöne Frauen“ sage. Wieder ein sinngemäßes „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…“, nur mit anderem Wortlaut und gleichzeitig ein unausgesprochenes „Ich als Mann habe die Möglichkeit, das Problem ganz allgemein zu formulieren“ und damit zu entkräften.
Außerdem sei die Diskussion betroffenheitsbedingt lieber von einer Frau* zu führen oder zumindest bräuchte er vorher den Auftrag einer der direkt mit der plumpen Begrüßung adressierten Barkeeper*innen, die aber gerade sichtlich mit Bierausschank beschäftigt sind. Dass auch ich, als nicht unmittelbar adressierte Person, die sexistischen Äußerungen anhören musste, reicht ihm nicht als Auftrag. Wenn jemand andere diskriminierende (z.B. rassistische oder homophobe) Äußerungen macht, wäre bei den gleichen linken Aktivist*innen eine Intervention selbstverständlicher. Bei Misogynie, also Frauenhass, gibt es diesen genauso wichtigen Beißreflex leider nicht.
Also erkläre ich hier mal, warum ich solche Ansprachen politisch falsch finde:

1. „Hallo“:

Dagegen ist nichts einzuwenden.

2. „Schön“:

Schön zu sein in Gesichts- und Körperform, sowie Style, ist eine beschissene lookistische Norm, die auf der Auf- bzw. Abwertung von Personen wegen ihres Aussehens (engl. Look) beruht. Dies wirkt sich in der Dominanzgesellschaft zum Beispiel auf die Wahrnehmung von sexueller Attraktivität und sonstiger „Beliebtheit“, auf die Bezahlung der eigenen Arbeitskraft oder auf die Höhe von Geld- oder Gefängnisstrafen aus.

Seit meinem Teenager-Dasein kämpfte ich unbewusst vor allem mit mir selbst darum, mir möglichst wenig Gedanken um mein Aussehen zu machen und möglichst wenig Energie da rein zu stecken. In diesem Rahmen habe ich unter anderem über Jahre darauf verzichtet Ohrringe zu tragen, jegliche Art von Schminke zu nutzen oder irgendwelche T-Shirts mit Aufschrift anzuziehen. Später wurde daraus eine bewusst in Kauf genommene Anstrengung, mir den eigenen lookistischen Blick abzugewöhnen.

Sowohl in der „Außenwelt der normalen Gesellschaft“ als auch in linken Räumen findet diese Beurteilung statt. Die Zahl an Menschen aller Geschlechter* mit diagnostizierten Essstörungen oder dem Wunsch nach Schönheits-OPs steigt statistisch im Kapitalismus.

Aber „schön Sein“ ist dabei traditionell vor allem Aufgabe von Frauen*. Wer sich schick macht, sei oberflächlich und „leicht zu haben“. Wer es nicht tut, sei hässlich (auch zu wenig weiblich) und unbeliebt.

Die so selten erfahrene Wertschätzung von FLITs bzgl. unserer wirklich persönlichen Eigenschaften (und damit meine ich nicht unseren Haarschnitt) oder unseres konkreten Tuns wäre eine für mich erfreulichere Anerkennung. Dies würde vielleicht dazu führen, dass sich mehr FLITs in gemischten Zusammenhängen engagieren, statt sich zurück zu ziehen oder oder es als pure Anstrengung zu empfinden, in gemischten und somit zumeist von cis-männlichen Leuten dominierten Zusammenhängen unterwegs zu sein. Sich als FLITs zu organisieren, scheitert öfter an der politischen Schwäche innerhalb der ohnehin politisch kaum wahrnehmbaren linken Zusammenhänge.

Sollte sich das „schön“ auf nicht-äußerliche Aspekte bezogen haben, dann ist der Zeitpunkt verpasst, es zu konkretisieren. Denn, dass Du es schön findest an der Bar bedient zu werden, sagt (erst bei genauerem Überlegen) mehr über Dich aus, als über die adressierten Personen, die Du kommentiert hast.

3. „Frauen“:

Ich = Frau? Ich weiß nicht genau. Auf die Frage welches Pronomen ich bevorzuge, stimme ich mangels guter (und einfach verwendbarer) Alternativen dem „sie“ zu. Vielleicht auch um mich vom „er“ abzugrenzen, denn mit Männlichkeit will ich so wenig wie möglich zu tun haben. Zu Männlichkeit zählt für mich zum Beispiel sexistisches Verhalten, wie das von dem o.g. Typ an der Bar oder männliche Verbündelung. Auch wenn das mal mehr, mal weniger schwer zu fassen und irgendwie doch situationsabhängig ist und gewiss auch von anderen Gendern manchmal gemacht wird (es bleibt trotzdem der Rahmen von hegemonialer Männlichkeit), zählt darunter auch dominantes Verhalten, die Abgrenzung von Emotionalität und Stärke als Anspruch an sich und an die Welt usw. usw..
Was mich sicherlich zur Frau macht, ist nicht in erster Linie meine Vulva, sondern vor allem, die gemeinsame Erfahrung als solche unterdrückt zu werden. Dabei grenze ich mich nicht so stark wie nötig von der zweidimensionalen Geschlechternorm (die abgeschafft gehört) ab. Die Unterdrückungserfahrung zu benennen und sichtbar zu machen, meine ich trotzdem als Akt von queerfeministischer Solidariät.

Deshalb möchte ich hier klar stellen, dass dies kein Freibrief für meine cis-männlichen Genossen ist, mich als „Frau“ anzusprechen – auch wenn ich ständig typische Frauenarbeiten übernehme. Fast immer erfülle ich meine revolutionäre Pflicht als als aktivistische „Service-Kraft“ bzw. Care-Workerin hinter den Kulissen an der Theke, im Antirepressionsbüro, als (überproportional häufige) Protokollant*in oder Moderator*in im Plenum, emotionale Beratungs- und Unterstützungsstelle meiner Mitaktivist*innen, Infrastruktur-Organisator*in oder dergleichen.

4. „Das wird man ja wohl mal noch sagen dürfen…“

Dieser Satz hatte in den letzten Jahren Hochkonjunktur bei der Rechtfertigung von rassistischer und nationalistischer Scheiße und ich habe ihn eindeutig zu oft gehört. Sowohl dieser Satz als auch die inhaltliche Resistenz mit Abperl-Effekt bzgl. Misogynie lösen bei mir Gewaltphantasien aus, die über respektlose Begrüßungsformulierungen hinaus gehen.

2.+3.=5. „schöne Frauen“:

Diesen und ähnliche Ausdrücke höre ich überproportional häufig im Kontext von „Anmachen“ durch Männer oder in ähnlichen vergleichbar unangenehmen Situationen. Unsere Körper sind dem permanenten Zugriff der Öffentlichkeit ausgesetzt – durch Kommentierungen, durch Anforderungen oder auch durch direkte (fast immer ungefragte) Berührungen.

Vergewaltigungskultur liegt in der Luft, die wir atmen und macht auch an der Veto-Tür keinen Halt.

Zum Einen bringe auch ich meine Erfahrungen und Ängste untrennbar von meiner Person mit. Von klein auf habe ich gelernt nicht zu widersprechen, wenn der überall präsente, freundliche Sexist sagen darf, was er für nett hält. Höflich ist es, nichts daran in Frage stellen. Dankbar lächeln soll ich für das Kompliment. Eine kurz gefasster Bericht über alle konkreten körperlich sexistischen Übergriffe (verschiedener Qualitäten), die ich erfahren habe, wäre länger als dieser Artikel.

Zum Anderen stellen sich Verhaltensweisen und Strukturen auch im Veto immer wieder in sexistischer und bedrohlicher Weise her, die hier versucht werden zu bekämpfen. Als Norm und damit verbundene Alltagspraxen bestehen sie trotzdem in einer Kultur, in der die Objektifizierung von nicht-männlichen Körpern akzeptiert wird. Folgende Bilder sind bereits in allen Köpfen der Gesellschaft mehr oder weniger drin: Schön seien Frauen vor Allem dann, wenn sie passiv sind, d.h. sich dem Schicksal als sexueller Gegenstand ergeben. Verführerisch (also zur Nutzung als Sexobjekt einladend) seien ihre nackte Haut und ihre Blicke; auch wenn Bikini-Modells, im Gegensatz zu mythologischen Malereien von Frauenkörpern, heutzutage sogar direkt in die Kamera schauen dürfen. Körperliche Nähe und Sex ohne expliziten Konsens sei „das normalste der Welt“.

Insofern scheint es mir nicht übertrieben (auch bei rationaler Prüfung meines schlechten Gefühls) beim Hören von Zuschreibungen und Kommentierungen, Angst zu bekommen.

Wir haben uns daran gewöhnt – haben die anstrengende Wahl zwischen Rückzug, Verdrängung und Abwehr. Ich habe mich für Abwehr entschieden. Dies hatte ewige Diskussionen mit dem Typen von der Theke zur Folge, die zu meiner Entlastungen von der oben erwähnten Freundin aus dem Awareness-Team geführt werden musste, während ich mich mit dem anderen Typ aus dem Awareness-Team abmühte.

Was ich mir wünsche:

A. Dass die ignoranten Typen die Fresse halten! Zum Einen meine ich dies generell auf sexistische (und anderen Scheiß-) Äußerungen bezogen. Und zum Anderen, wenn Ihr auf beschissene Äußerungen hingewiesen werdet, kann es hilfreich sein nicht als erstes zu widersprechen oder sich zu rechtfertigen. Macht Platz auf der Tanzfläche und in Euren sozialen Positionen für linke FLITNQ*.
Wer die bessere Welt befürwortet, könnte ja auch dankbar für die Konfrontationen und Reflexionsanstöße sein und sich belesen, erklär- und diskussionsbereite Mitmenschen fragen oder auch bei feministischen Workshops mitmachen. Wem das eh egal ist, hat meines Erachtens im Veto nichts zu suchen.
B. Dass meine Freund*innen wissen, wie dankbar und wertschätzend ich bin für die gemeinsame schöne oder harte Zeit und die gegenseitige Unterstützung und das viele Lernen durch einander. Heute vor allem die eine, die so oft – wie auch an diesem Abend – die äußerst anstrengende Awarenessarbeit macht – sowohl auf Zecken-Parties, als auch jeden Morgen spätestens sobald sie ihr Haus verlässt.

… und dass wir uns gegenseitig darin bestärken, genauer hin zu schauen, wie Sexismus funktioniert, den Blick für unsere Bedürfnisse zu schärfen und zu analysieren, wie unsere Erfahrungen uns hier beeinflussen. Das ist die Grundlage, um gemeinsam zu überlegen, wie wir damit kollektiv umgehen können.


„Awareness“:
engl.: to be aware = bewusst/ aufmerksam sein.
Ein Awareness-Team beschäftigt sich aktiv mit der Vermeidung oder Bekämpfung von diskriminierenden Bedingungen und Verhaltensweisen wie z.B. rassistischen, sexistischen (d.h. misogynen, patriarchalen, transphoben und homophoben) sowie ableistischen usw. Übergriffen und unterstützt die Betroffenen.
Sie sind bis unter die Zähne mit Argumenten gegen die strukturell besonders häufig vorkommenden Herrschaftsmechanismen (wie Rassismen, Sexismen usw.) bewaffnet und intervenieren bei besonders auffälligen Äußerungen.
Ihre Wirksamkeit für herrschaftsärmere Räume kann und muss unterstützt werden durch vorherige Überlegungen bei der Veranstaltungsplanung: zum Beispiel zu Inhalt und Repräsentationsfragen von Bands und Referent*innen (indem nicht nur weiße cis-Männer auf der Bühne stehen, die ihre exklusive Sicht auf die Welt kundgeben), zu Raumgestaltung (z.B. Lichtverhältnisse, Toilettensituation …) oder zu Kommunikationsverhalten, Entscheidungsfindung und Arbeitsteilung sowie zur Einladungspolitik.

Repressionsschnipsel

Frühjahr 2017, Saalfeld: Anquatschversuch und Repression nach Protesten gegen Thügida
Bei den Protesten gegen den Thügida-Aufmarsch am 9. Januar wird ein Antifaschist in Gewahrsam genommen und der Körperverletzung an einem Nazi beschuldigt. Seine Wohnung wird durchsucht, Handy und Rechner beschlagnahmt. Im Zuge der Ermittlungen gegen ihn drangsaliert das LKA immer wieder jugendliche Antifaschisten aus Saalfeld. Mittels Anrufen auf deren privaten Handys und Besuchen am Arbeitsplatz, sollen sie zu Zeugenaussagen bewegt werden. Außerdem wird von einem Anquatschversuch durch zwei Personen berichtet, die der Angesprochene dem VS zuordnet. Um wen genau es sich handelt, kann mit Sicherheit aber nicht gesagt werden, da er diese ohne Kommentar stehen ließ.

11.1.17, Gotha: Antifaschist vom Vowruf der Körperverletzung freigesprochen
Am Amtsgericht in Gotha fand ein Prozess gegen einen Antifaschisten statt, der vom Nazikader Marco Zint der schweren Körperverletzung bezichtigt wurde. Im Laufe des Prozesses stellte sich heraus, dass Zint diejenigen, die ihm im Oktober 2016 zusammen schlugen, nicht identifizieren könne und er den Angeklagten nur beschuldigte, um seine Adresse heraus zu bekommen. Einen weiteren Skandal des Tages birgt die Tatsache, dass er und die anderen beiden Zeugen im Laufe der Vernehmung Einblick in die Staatsschutzunterlagen zur ‚politisch motivierten Kriminalität links‘ in Gotha und Umgebung hatten.

18.1.17, Apolda: Verfahren gegen Flüchtlingsaktivist eingestellt
Das Verfahren wegen Missbrauch von Ausweispapieren gegen TheVoice-Aktivst Dr. Aghayev Magsud wird vom Amtsgericht Apolda eingestellt. Warum die Staatsanwaltschaft Erfurt das zuvor bereits eingestellte Verfahren auf Drängen der Ausländerbehörde Apolda wiederaufnahm und es zur mündlichen Verhandlung kam, bleibt unklar. In Begleitung von etwa 20 Unterstützer*innen wird Öffentlichkeit hergestellt und auf Willkür und Schikanen im Agieren der Ausländerbehörde aufmerksam gemacht. Break Deportation!

26.1.17, Gotha: Prozess wegen politisch motivierter Sachbeschädigung
Erneut findet sich ein Antifaschist aus Gotha wegen des freizügigen Umgangs der Ermittlungsbehörden mit ihren Akten auf der Anklagebank wieder. Zwei Zeugen wollen auf Grundlage der Lichtbilder in den Staatsschutzunterlagen zur ‚politisch motivierten Kriminalität links‘ jemanden identifiziert haben, der den Schriftzug „Antifa“ auf eine Natursteinmauer in Gotha angebracht habe. Den Angeklagten konnten sie vor Gericht allerdings nicht wiedererkennen. Auch dieses Verfahren endet mit einem Freispruch.

3.2.17, Jena: Wolja – Repression gegen Hausbesetzer offensiv begegnet
Anlässlich der Besetzung der Carl-Zeiss-Straße 11 im Juli 2014 kommt es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Jena wegen Hausfriedensbruch gegen einen der Besetzer*innen. Bei einer Gerichtsverhandlung mit erwartbar geringen Strafmaß (20 Tagessätze) entscheidet sich der Angeklagte, sich mit Unterstützer*innen in juristischer Selbstverteidigung zu üben. In der vierstündigen Verhandlung verpassen Richter Kleßen und Staatsanwalt Wörmann – durch die offensive Prozessführung ausgelöst – wenig Gelegenheiten, sich zu blamieren und ihre Macht und ihren politischen Verurteilungswillen offen zur Schau zu stellen. Der verurteilte Angeklagte und seine Laienverteidiger*innen gehen in Revision, der Staatsanwalt in Berufung. Sich selbst zu verteidigen, ist für den Angeklagten ermächtigender als stumm neben einer professionellen Verteidiger*in zu sitzen.
Hinweis: Dieser Umgang mit Repression ist voraussetzungsreich und nicht
in jedem Fall und für jede*n Betroffene*n die passende Entscheidung!
Sprecht mit Antirepressionsstrukturen vor Ort, bspw. der Roten Hilfe.

23.3.17, Erfurt: Out of Action – Umgang mit Folgen von Gewalt und Repression im Kontext linker Kämpfe
Anlässlich des 18. März, dem Tag der politischen Gefangenen, wird über Auswirkungen von Repression diskutiert: Emotionaler Stress, gar psychische Traumata sind gewollte Folgen, die oft im Privaten verhandelt werden bzw. tabuisiert sind, obwohl auch diesen solidarisch begegnet werden kann. Die Gruppe Out of Action bietet Infomationen und Hilfe auch auf konkrete Anfrage.

Von nationalen Punks und einem Denkmal für NS-Mörder in Suhl

In Suhl errichtete eine NS-verharmlosende Einheitsfront von der CDU bis zur Linkspartei ein Denkmal für NS-Aktivisten und ein ehemals alternatives Zentrum schafft sich ab. Ox Y. Moron berichtet von zwei Entwicklungen in der Thüringer Kleinstadt, die auf den ersten Blick miteinander gar nichts zu tun haben mögen.

Einzigartig in Deutschland: Erinnerungsstätte für NSDAP-Aktivisten

Am 26. Mai 2016 beschloss der Suhler Stadtrat fast mit Einstimmigkeit, bei nur drei Enthaltungen aus der Linksfraktion (die Linkspartei verfügt über zwölf Mandate, die SPD sechs), auf dem Suhler Hauptfriedhof einen Gedenkstein für die Inhaftierten des sowjetischen Speziallager II in Buchenwald zwischen 1945 und 1950 mit der Inschrift „Die Stadt Suhl gedenkt der Bürger ihrer Stadt, die im sowjetischen Speziallager Nr. 2 in Buchenwald und in anderen Lagern der Alliierten unschuldig gelitten haben oder zu Tode gekommen sind“ einzurichten. Die Initiative, die Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel (parteilos) als in Deutschland einzigartig feierte, stieß nicht nur auf Kritik bei der lokalen Antifa und dem Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – nebenbei bemerkt die einzigen lokalen Akteure, die protestierten –, sondern löste auch bei der Gedenkstätte Buchenwald Entsetzen aus. Der Leiter der Gedenkstätte Volkhard Knigge sprach gegenüber der Suhler Lokalzeitung von Geschichtsklitterung, wenn man die Inhaftierten als „Unschuldige“ freispreche und intervenierte gegen den Vergleich westlicher Kriegsgefangenenlager mit dem sowjetischen Speziallager II. Die Stadt gab sich nach der Kritik aus Buchenwald zunächst reumütig und gesprächsbereit. Einige Monate später war klar: alles Makulatur. Der Stein für die „Unschuldigen“ wurde im beschlossenen Wortlaut produziert und gesetzt, direkt neben der Gedenktafel für „die Opfer von Vertreibung und Flucht“.
Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, wie nach dem staatlich-gelenkten, systematischen Massenmord an Millionen Menschen, gedeckt durch eine bis zum letzten Blutstropfen für den Führer brennende Volksgemeinschaft, irgendwer aus diesem Mordkollektiv als „unschuldig“ bezeichnet werden könnte, schauen wir uns im Konkreten an, was es mit dem Speziallager II in Buchenwald wirklich auf sich hatte und was an der durchschaubaren Verharmlosung der dort Inhaftierten sowie der Klassifizierung als „Sowjet-KZ“ (Freies Wort vom 15. September 2016) wirklich dran ist.

Das Speziallager II in Buchenwald

Das Gelände des KZ Buchenwald wurde von den amerikanischen Alliierten, die Buchenwald im Nachgang eines Häftlingsaufstandes am 11. April 1945 befreiten, im Zuge ihres Abzuges aus Thüringen, das dem sowjetischen Machtbereich im Austausch für Berlin zuschlagen wurde, ab August 1945 an die sowjetischen Besatzungstruppen übergeben. Die sowjetische Militäradministration errichtete mit dem Speziallager II auf dem Gelände des ehemaligen KZ Buchenwald ein Gefangenenlager für politische Gefangene. Die hier Inhaftierten waren zum überwiegenden Teil – Knigge spricht von 80 Prozent – in das NS-System verstrickt. Aus Suhl waren hier NSDAP-Ortsgruppenleiter, -Zellenleiter und -Blockleiter, bekannte NS-Aktivisten aus SS und Gestapo und ehemaliges Personal der NS-Arbeits- und Vernichtungslager inhaftiert. All das sind die „Unschuldigen“, denen die Stadt Suhl nun höchstoffiziell auf ihrem Hauptfriedhof gedenkt. Außerdem – auch das gehört zur Wahrheit dazu – inhaftierte die sowjetische Militäradministration im Speziallager II später auch Gegner des im Entstehen begriffenen SED-Regimes, die mit den Faschisten nichts zu schaffen hatten bzw. selber Gegner des Faschismus waren sowie Menschen, die man der Kollaboration mit den Westalliierten beschuldigte. Sie waren im Speziallager II aber in deutlicher Minderheit. Nur ein Bruchteil der Insassen saß also „unschuldig“ ein.

Das Speziallager war auch kein Arbeits- oder Vernichtungslager, das die Sowjets einfach weiterführten, wie die Suhler Lokalzeitung Freies Wort mit der vielsagenden Bezeichnung „Sowjet-KZ“ suggerierte. Vielmehr bestimmte den Häftlingsalltag die Abwesenheit jedweder Beschäftigung, das Warten auf Strafprozesse und die Isolation von der Außenwelt. 7.000 der 28.000 dort Inhaftierten, darunter auch acht Personen aus Suhl, starben durch unzureichende Ernährung und Folgeerkrankungen. Einige wurden auch in sowjetische Gulags verbracht.
Die von Revisionisten wie der Lokalzeitung „Freies Wort“ bemühte und im Suhler Denkmal nahegelegte Schlussfolgerung, dass es sich hier angesichts der Totenzahlen um ein Vernichtungslager unter sowjetischer Aufsicht gehandelt habe, ist von der Forschung längst widerlegt worden. Das Massensterben im Speziallager II ist nicht durch eine gezielte Lagerpolitik – wie sie etwa die Deutschen betrieben – herbeigeführt worden, sondern im Zuge der Gesamtsituation billigend in Kauf genommen worden. Die Kürzung der Nahrungsrationen Ende 1946 beispielsweise, die eine Vielzahl von Toten forderte, ist auf die schwere Versorgungskrise im selben Zeitraum in der UdSSR und der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zurückzuführen. Die Nahrungsrationen der Gefangenen entsprachen den niedrigsten Vergabenormen an die Bevölkerung in der SBZ.1 Die nicht inhaftierte Bevölkerung – das sei angemerkt – konnte sich zusätzlich durch Subsistenzwirtschaft über Wasser halten, was den Inhaftierten nicht möglich war.
Auch zu gezielten Tötungen durch die Wachtruppen kam es im Lager nur in Ausnahmefällen, etwa bei Fluchtversuchen. Unter der Ägide der SS waren solche gezielten Tötungen nicht die Ausnahme, sondern Alltag. Im Jahr 1950 schloss das Lager. Die Häftlinge wurden in andere Haftanstalten verlegt oder freigelassen. In den Haftlagern der Westalliierten – ebenso Gegenstand der Gedenktafel – gab es nicht annähernd derartig humanitäre Krisen wie in Buchenwald, weshalb die Todesquoten nur einen Bruchteil betrugen2 und sich das Interesse hinter dem Suhler Denkmal nur noch deutlicher entlarvt: die späte Abrechnung mit den Siegern, denen man nicht verziehen hat, dass sie die Deutschen und ihre „Hilfsvölker“ einst stoppten.

Erinnerungskultur made in Suhl

Die Verharmlosung von NS-Verbrechern in Suhl hat Tradition. So zeigen etwa die städtischen Gedenkriten zum 8. Mai deutlich die schäbige Erinnerungskultur der Stadt. Beim von der Stadt organisierten Rundgang auf dem Hauptfriedhof3 wird an unterschiedlichsten Stationen Halt gemacht: dem Denkmal für die ermordeten Widerstandskämpfer und Juden genauso wie am Denkmal für die sogenannten „Vertriebenen“ und im Kampf gegen die Zivilisation gefallenen Wehrmachtssoldaten, die vermeintlich „sinnlos bombardierten“ (O-Ton) Bombentoten und neuerdings dann auch den Mördern, die im Speziallager II inhaftiert waren. In der Suhler Gedenkkultur haben alle ihren Platz: die Gemeuchelten, die Vergasten, die Erschossenen, die zu Tode Gefolterten, die durch Arbeit Vernichteten und eben ihre Mörder. Im konkreten Suhler Fall werden also jene, die für die faschistische Ordnung in den Städten und Gemeinden zuständig waren – Block-, Zellen- und Ortsgruppenleiter der NSDAP –, die die Suhler Juden und Antifaschisten denunzierten und in den Tod schickten, in den selben Gedenkzirkus einbegriffen wie ihre Opfer.

Das konkrete Erinnern ist einer abstrakten Mahnung vor „dem Krieg“ gewichen, in der auch jede konkrete Verantwortung untergeht. So verwandeln die Verantwortlichen der Stadt Suhl Geschichte in Geschichtsverlust, geben das konkrete Verbrechen, seine Ursachen, Verantwortlichkeiten und seine fortbestehenden Möglichkeitsbedingungen dem Vergessen preis und machen die Warnung Adornos wahr: „Die Ermordeten sollen noch um das einzige betrogen werden, was unsere Ohnmacht ihnen schenken kann, das Gedächtnis.“
„Schwamm drüber“, denkt sich die Suhler Einheitsfront gegen die Reste von Vernunft und politischem Anstand. Und für solche Unverschämtheiten bedarf es keiner Neonazis. Sie sind nicht von Tommy Frenck, Patrick Schröder oder der AfD inspiriert, sondern von Linkspartei, SPD und all den anderen Stadtratsparteien.

Die Rechtsalternativen aus Suhl

Apropos Vernunft und politischer Anstand von Leuten, die sich gerne als Antifaschisten labeln. Missstände in diesem Bereich gibt es nicht nur auf Friedhöfen der „Seniorenstadt Suhl“ (MDR Aktuell), auch im erweiterten Jugendbereich der Stadt werden die Gräben zwischen Menschenfeinden und ihren Gegnern von vermeintlichen Linken zugeschüttet. Das Grüne Haus in Suhl war viele Jahre das einzige linke (Jugend-)Zentrum in Thüringen südlich des Rennsteigs und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: von der Besetzung, zur Legalisierung durch die Stadt, zum städtischen Jugendclub bis zur Selbstverwaltung über einen Verein. In den letzten Jahren gab es nicht nur finanzielle Probleme, das Haus stand auch immer wieder im Verruf sich gegenüber rechtsoffenen Milieus (Grauzone) geöffnet zu haben.4 Gegen diese Öffnung und den entsprechenden Ruf engagierten sich im Haus ab dem Jahr 2015 bis Ende 2016 verschiedene antifaschistische Projekte aus der Stadt und der Region. Sie sorgten damit nicht nur für die finanzielle Konsolidierung, sondern auch für eine mehr oder weniger strikte antifaschistische Politik an der Clubtür. Das missfiel einem Teil des alteingesessenen Punk- und Oi-Milieus so stark, dass es immer wieder zu Reibereien kamen, die letztlich zum Ausstieg der progressiven Kräften aus dem Projekt führten.

Wenn in Leipzig-Connewitz, Dresden-Neustadt oder in irgendwelchen Punk- und linke Szeneläden in Berlin oder anderen größeren deutschen Städten mit entsprechender Szene, Leute in genannte Projekte gehen, von denen allseits bekannt ist, dass sie mit Nazis saufen und demonstrieren oder Shirts von irgendwelchen rechtsoffenen Bands zeigen, geht’s mit Arschtritt vor die Tür. Im bis dahin einzigen Punkschuppen in der größten Stadt Südthüringens bedurfte der Rausschmiss rechtsoffener Milieus in den vergangenen Jahren nicht selten zäher Diskussionen zwischen Antifas und der Hauscrew, die die Nazifreunde aus unterschiedlichen Gründen auch toleriert hätte und schon toleriert hat. Einer der beliebtesten lautete immer: Das ist der Freund/die Freundin von dem oder der (gestandener Gast des Hauses), für den könne man bürgen. Zu Recht hat die Antifa darauf bestanden, dass Rassisten und andere Arschlöcher vor die Tür gesetzt werden. Das ganze ging auch knappe zwei Jahre mehr oder weniger gut, bis sich im Herbst 2016 im Grünen Haus wieder die alten Verhältnisse, die der Location in der Vergangenheit den Ruf eines Grauzone-Schuppens einbrachten, durchsetzten. Auf einer Mitgliederversammlung am 11. November 2016 führten die antifaschistischen Initiativen und Projekte im Grünen Haus auf der Mitgliederversammlung eine Abstimmung über den Umgang mit rechtsoffenen Milieus herbei und unterlagen. Von nun an war es per Mitgliederentscheid amtlich: Das Grüne Haus Suhl revidiert einen älteren Beschluss und gewährt nun mit Rückendeckung der Vereinsmehrheit rechtsoffenen Milieus Einlass. Die bis dahin im Haus aktiven antifaschistischen Gruppen und Projekte erklärten daraufhin, sich aus dem Grünen Haus zurückzuziehen. In einer Erklärung vom 23. Dezember 2016, unterschrieben von der Antifa Suhl/Zella-Mehlis, der KüfA Suhl, LFWP Suhl (Konzertgruppe), Thüringenpunk, dem southside kollektiv und Einzelpersonen, heißt es:
„Eine weitere Zusammenarbeit unter diesen Umständen mit dem Verein ist für uns nicht tragbar. Nicht nur die Grauzone ist das Problem. Immer wieder werden Vereinsmitglieder mit stadtbekannten Neonazis im Stadtzentrum angetroffen. Es kam zu verbalen Auseinandersetzungen mit teils sexistischen Äußerungen bei Mitgliederversammlungen und Konzerten. […] Unter den aktuellen Gegebenheiten sehen wir derzeit keine Basis mehr für eine gemeinsame Arbeit. […] Unsere Konsequenz ist es, dass wir im Haus keine Möglichkeit sehen, gewisse Standards im Umgang mit Grauzone und Neonazis oder gar eine emanzipatorische Politik durchzusetzen. Die anfängliche Hoffnung, nachhaltig etwas im Grünen Haus Suhl verändern zu können, betrachten wir nach den eineinhalb Jahren als gescheitert. […] Wir sind raus.“5

Der Versuch, das Grüne Haus in Suhl als ein antifaschistisches (Jugend-)Zentrum zu erhalten, darf damit als gescheitert angesehen werden.6 Auf diese Weise vollzogen die rechtsalternativen Altpunker aus Suhl im erweiterten Jugendbereich das, was die Stadt post mortem mit den Suhler Altlasten aus dem Speziallager II machte: die Rehabilitierung von Faschisten.
In der Vergangenheit schrieb und las ich in verschiedenen Antifa-Publikationen von der Geschichte der „roten Stadt im grünen Wald“, von der ruhmreichen Niederschlagung des faschistischen Kapp-Putsches 1920 durch bewaffnete Arbeiterkampfverbände in Suhl und Umgebung und vom Widerstandskampf kleiner Gruppen gegen den Nationalsozialismus, die eine Tradition antifaschistischer Kämpfe im Angesicht des Grauens begründete. Doch 72 Jahre nach der Ermordung der Suhler Antifaschisten aus der Friedberg-Widerstandsgruppe im Lichthof des Landgerichtsgefängnisses Weimar am 5. Januar 1945 ist diese Tradition ausgelöscht. Die Mitglieder der Linkspartei, die sich bei passenden Gelegenheiten die nominelle Nachfolge des antifaschistischen Widerstandes auf die Fahnen schreiben, haben ein Denkmal für die Ehrung der Mörder eingerichtet und die früher Linksalternativen aus dem Grünen Haus haben sich für faschistische Besucher und gegen eine klare Linie im Kampf gegen Faschismus entschieden. Damit bleibt es an der Antifa, dem VVN-BdA und einigen wenigen anderen zumindest dazu beizutragen, diese Geschichte nicht dem Vergessen preiszugeben und sie nicht durch jene, die die Gräben zuschütten, begradigen zu lassen.


1
Zum aktuellen Forschungsstand: http://totenbuch-speziallager.buchenwald.de/information/causes

2
Todesquoten von Kriegsgefangenen aus SS und Wehrmacht in den Haftlagern der Alliierten: UdSSR – 34,7%, Jugoslawien – ca. 30%, Frankreich – 2,6%, USA – 0,2%, Großbritannien 0,03%. Zum Vergleich: Die Todesquote von gefangen genommenen Soldaten der Roten Armee durch Wehrmacht und SS lag weit über 60%, die Todesquote von Soldaten der Westalliierten in deutscher Gefangenschaft lag bei 3,5%. Was mit gefangen genommenen Partisanen und Résistance-Kämpfern in Jugoslawien, Italien und Frankreich passierte, setze ich als bekannt voraus.

3
Nachzulesen in der Alerta Südthüringen #5 vom Spätsommer 2015: http://www.autistici.org/agst/alerta/05-vom-tag-der-befreiung.html

4
Einen kurzen Überblick über die Problemlage und den Umgang mit einem faschistischen Konzertbesucher schildert eine Stellungnahme der Antifa Suhl/Zella-Mehlis aus dem Jahr 2015. Die lokale Antifa war damals noch guter Hoffnung, diese Missstände nachhaltig abstellen zu können. Vgl. http://www.afaction.info/index.php?menu=news&aid=763

5
Ganze Erklärung online: http://agst.afaction.info/index.php?menu=news&aid=882

6
An anderer Stelle geht der Aufbau eines antifaschistischen Zentrums in Suhl allerdings weiter. Wer diesen Aufbau durch die im Grünen Haus unterlegenen Antifaschisten unterstützen möchte, findet hier Möglichkeiten: www.ak40.blogsport.de

Fast im Westen, trotzdem Osten

Auf dem Weg durch das Thüringer Provinz machen die Leute von Thüringenpunk Beobachtungen und Erfahrungen, die sie für die Leser*innenschaft der Lirabelle zugänglich machen. Im zweiten Teil der Reihe ‚Punk in der Thüringer Provinz‘ geht es um Eisenach und den Überlebenskampf der subkulturellen antifaschistischen Szene zwischen Perspektivlosigkeit, kleineren Punkrockshows und Nazistress.

Es ist der 4. November 2011. Zwei Männer rauben die lokale Sparkasse aus, erbeuteten knapp 70.000 Euro und flüchten auf ihren Fahrrädern zu einem Wohnmobil. Hierin verstauen sie ihre Fahrräder und flüchten weiter. Ein paar Stunden später finden Polizisten das Wohnmobil in Eisenach-Stregda. Es fallen Schüsse, getroffen wird niemand. Das Wohnmobil gerät in Flammen, kurz darauf werden zwei sterbliche Überreste geborgen. Es sind die Leichname von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

5 Jahre später sind wir auf dem Weg nach Eisenach, wo sich die wohl größte rechte Terrororganisation seit dem Nationalsozialismus, der NSU, selbst enttarnte. Während der Fahrt diskutieren wir über dessen Auffliegen, die Rolle des Staates, aber auch darüber, wie die Stimmung seit dem in der westthüringischen Stadt heute ist und wie es um die antifaschistische und alternative Szene vor Ort bestellt ist. Am Gleis 3 des Eisenacher Bahnhofs steigen wir aus, wo wir bereits von zwei Menschen erwartet werden. Ihre Namen nennen wir aus Sicherheitsgründen nicht. Mit den beiden schauen wir uns die Gegend an und sprechen über Subkultur, Neonazis und den Alltag in der Stadt, die Otto von Bismarck zu ihren Ehrenbürgern zählt.

Von der Vergangenheit ist nicht viel geblieben

Nachdem wir uns ein Getränk geholt haben, beginnt unserer Rundgang durch Eisenach und sofort kommen wir miteinander ins Gespräch. „Irgendwie gab es hier schon immer eine Punk- und Hardcore-Szene, die gar nicht so klein war bzw. ist“, meint einer unserer Begleiter. Hier kommen schon mal 100 bis 150 Menschen zu Konzerten. Eigene selbstverwaltete Anschlaufstellen wie in Gotha oder Weimar gibt es nicht. Vor vielen Jahren sah das jedoch anders aus: „In den 90ern gab es einen Club namens ‚Outsider‘, der in linker Hand war. Aber warum es diesen nicht mehr gibt, kann ich auch nicht sagen“, erklären sie uns. Doch dies war nicht die einzige Location, in der man sich als linker oder alternativer Jugendlicher treffen konnte.„Im ‚Sound & Culture‘ waren vor einigen Jahren auch noch junge Menschen unterwegs, die einer alternativen Subkultur keine Steine in den Weg gelegt haben.“ Dort war es einfach Konzerte oder eigene Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Die KVG-Eisenach, also das Unternehmen des lokalen ÖPNV, machte dem einen Strich durch die Rechnung. Sie ersetzte den Club nämlich durch etwas, was einem typischen Jugendclub in der Provinz sehr nahekommt: zwar keine Bushaltestelle, aber einen Busparkplatz. Immerhin eine gute Möglichkeit um schneller aus Eisenach wegzukommen, doch für diejenigen, die bleiben wollen, bleibt es ein schwerer Einschnitt.

Andere Locations, wie das ‚Gleis 1‘, wurden in der Vergangenheit vom Betreiber vor die Wand gefahren und können somit auch nicht mehr als Anlaufpunkt für alternative Jugendliche gezählt werden. „Auch eine eher alternative Kneipe namens ‚Zero‘ wurde von linken Leuten in der Vergangenheit öfters besucht. Jedoch kamen hier irgendwann mehr und mehr Nazis in den Laden und vom Besitzer hat die linke Szene hier keinen Rückhalt bekommen. Alles frei nach dem Motto: ‚Wer friedlich ist, darf hier trinken‘„, erzählen die beiden mit schmerzverzerrtem Gesicht. Eine Mischung aus Wut und Trauer sind ihnen schon anzumerken, wenn sie über die Vergangenheit sprechen und dies mit den heutigen Chancen und Möglichkeiten für Subkultur vergleichen.
Für Konzerte mit einer klaren politischen Kante ist es in Eisenach schwer geworden einen geeigneten Ort zu finden. Zumindest gibt es für politische Bildung einen mehr oder weniger passenden Raum. Zwar sehen wir keinen Grund davon abzurücken, die Linkspartei weiterhin zu kritisieren, dennoch hat sich mit dem Parteibüro „RosaLuxx“ einiges in Eisenach verbessert. Auf dem Weg dorthin wird uns berichtet, dass hier immer wieder FIlmvorführungen und Vorträge stattfinden. Angekommen vor dem Büro, was eine „gute Anlaufstelle für politisch motivierte Menschen“ darstelle, stehen wir vor verschlossender Tür. Ein Blick durch das Fenster zeigt, viel Fläche steht dort nicht zur Verfügung. Für Eisenach muss es wohl erstmal reichen. „Vermutlich wäre die Szene auch besser aufgestellt, wenn es ein alternatives Jugendzentrum geben würde. Man beobachtet ja schon in Städten, wo es so etwas gibt, dass die Szene konstanter und aktiver ist“, wird uns zugeraunt, doch ein AZ oder alternatives Jugendzentrum gibt es nicht und steht in Zukunft leider nicht in Aussicht.

„Das Problem haben sie doch alle!“

Die Folgen der ausbleibenden Möglichkeiten zum Treffen und zur freien Entfaltung der Subkultur sind, wie es an vielen Orten in der Provinz zu Tage tritt, fatal. Die Jugendlichen versuchen nach dem Schulabschluss der Provinz den Rücken zu kehren und ziehen zumeist in größere Städte wie Göttingen oder Leipzig. „Ich kann die Leute vollkommen verstehen. Was hat denn so eine Stadt wie Eisenach schon zu bieten?“, fragt einer unserer Provinzscouts, der selbst viel außerhalb von Eisenach unterwegs ist. In großen Städten ist das kulturelle, aber auch das politische Angebot bedeutend größer. So kam es auch schon vor, dass ganze Freundeskreise die Stadt hinter sich gelassen haben.
„Das macht es auch so schwierig, konstante Strukturen zu entwickeln. Man merkt dies einfach an einem Kommen und Gehen der Menschen. Die Szene vor Ort ist somit einer hohen Fluktuation unterworfen“, führt er weiter aus.

Die Leute, die noch vor Ort sind, lassen sich glücklicherweise davon nicht aufhalten und machen weiter. Sie organisieren Konzerte und Vorträge, betreiben ein Klamotten-Label im Internet, um die provinzielle Gegend nicht aufzugeben und die Fahne einer alternativen Subkultur aufrecht zu halten. Doch um eine eigene Location zu betreiben, fehlt es vor Ort an vielem. Für aktuelle Konzerte, so wird uns berichtet, gibt es den Schlachthof. Die Location ist uns bereits von einigen Konzerten bekannt. Eine große, ungemütliche Halle, an deren Türen bei früheren Konzerten oft eine Nazisecurity stand. Keine Atmosphäre zum Wohlfühlen, doch mittlerweile hat sich dies in einigen Punkten verbessert. „Natürlich braucht man da sowas wie Security, aber auch da gibt es inzwischen Firmen, mit denen man ohne Bauchschmerzen zusammenarbeiten kann“, wird uns erläutert. Einmieten muss man sich trotzdem für Konzerte, ein Kostenpunkt der bei Provinzkonzerten erst einmal gedeckt werden muss. Am 29. Oktober fand wieder so ein Konzert im Schlachthof statt. Dabei ging es darum, Solidarität mit lokalen Antifaschisten zu zeigen und Geld für Repressionskosten zu sammeln, welche im Nachgang der Proteste gegen einen der unzähligen NPD-Aufmärsche im März 2016 anfielen. Damals bedrängte die Polizei willkürlich Antifaschisten, um sie wegen angeblicher Vermummung belangen. Eine gängige Praxis der Cops und sicherlich eine ätzende Angelegenheit, doch die Solidarität danach war überraschend groß. „Es hat uns sehr gefreut, dass sich Leute gefunden haben, die ein Soli-Konzert organisierten. Antifaschistische Proteste dürfen nicht kriminalisiert werden.“ Ein Lichtblick in der Provinz und eine nötige Aktion, um weiterhin zu ermöglichen, gegen Nazis in Eisenach auf die Straße zu gehen und danach nicht allein auf dem Ärger und den Kosten von Strafbefehlen oder ähnlichem sitzenzubleiben.

Militante Nazi-Szene und Burschentag

Unser Weg führt uns weiter in die Innenstadt von Eisenach. Wir schlendern durch eine Einkaufpassage. An den Laternen fallen uns viele Sticker auf, die zum Großteil abgekratzt sind und doch lässt sich an manchen Stellen erkennen, was hier vormals klebte. „NS-Area“ findet sich nicht nur auf Stickern, sondern auch an diverse Wände gesprüht. Nach dem ein oder anderen schäbigen Nazischeiß, den wir mit unseren edlen Thüringenpunk-Stickern überklebt haben, einer neuen Fuhre Bier und Cola kommen unsere Begleiter auf ein Thema zu sprechen, um das man in Eisenach nicht herum kommt. „Die politische Entwicklung hier ist seit ein paar Jahren, wie in viele ostdeutschen Provinzen, ziemlich gruselig. Es finden in Eisenach regelmäßig Neonazi-Konzerte statt, es wächst eine militante Nachwuchs-Nazi-Szene heran und den ein oder anderen rechten Übergriff gab es auch in der Vergangenheit.“ Im Stadtrat sitzt die NPD in Person des mehrfach vorbestraften Neonazi Patrick Wieschke und zwei weiteren dieser Art. Zwar kommt den Dreien im Stadtrat keine große Bedeutung zu, aber auf der Straße kommt ihre Propaganda an. Für einen bundesweiten Eklat sorgte die Stadtratsfraktion der NPD im vergangenen Jahr, da ihr Antrag auf Abwahl der linken Oberbürgermeisterin von der CDU unterstützt wurde und nur knapp scheiterte.

Auf die Frage, warum in Eisenach solche Strukturen und viele junge Leute bei den Nazis landen, überlegen die beiden kurz und antworten: „Das ist eine schwierige Frage. Man könnte jetzt mit ‚Perspektivlosigkeit‘ antworten, aber das ist sicher zu pauschal gesagt.“ Wir diskutieren über mögliche Gründe wie fehlende Bildung oder Zukunftsängste der Jugend, doch im Endeffekt seien die Gründe, warum junge Menschen sich für rechte Ansichten begeistern in Eisenach keine anderen als in Suhl, Gotha oder Erfurt.

Den alljährlichen Höhepunkt der Ekelhaftigkeit in der Stadt Eisenach bildet der Burschentag der ‚Deutschen Burschenschaft‘. Schon öfter haben wir davon gehört und auch von den Protesten dagegen. Wie die Stimmung in der Stadt ist, wissen die beiden aus Eisenach sehr wohl: „Überall sieht man dann diese elitären, uniformierten Vollidioten. Leider scheinen sie dabei von weiten Teilen der Gesellschaft akzeptiert zu sein und die Gastronomen erfreuen sich an guten Umsätzen“, erklären sie uns und fügen hinzu, „Zu späterer Stunde hört man dann in den Straßen auch mal verbotenes deutsches Liedgut von den Herren, aber das scheint kaum jemanden zu stören.“ Für Anfang nächsten Jahres kündigen die beiden an, es werde in Eisenach Vorträge zur Kritik der Burschenschaft geben. Der antifaschistische Widerstand gegen des Event der elitären, sexistischen, rassistischen und antisemitischen Burschenschaft soll neu belebt werden. Wie sich das im kommenden Jahr entwickelt bleibt für uns sowie die zwei Begleiter eine spannende Angelegenheit. Fest steht, dass der Burschentag nicht unbeantwortet bleiben soll. In diesem Jahr zog es die Burschis auf ein Dorf zwischen Eisenach und Gotha, um ihre Sitzungen abzuhalten. Antifaschistische Interventionen in der dörflichen Provinz zu organisieren, ist noch um einiges schwerer als in Eisenach selbst.

Doch nicht nur in Eisenach kämpft die alternative linke Szene ums Überleben

Ganz scheint das Eisenacher Umland nicht verloren zu sein. Kleine Orte wie Wutha-Farnroda oder Merkers, so wird uns berichtet, sind immer wieder Orte für Punkrockshows. Besonders bekannt dürfte hier das „Rock am Berg“ in Merkers sein. Einmal im Jahr findet an einem Wochenende ein Punkrockfestival statt, auf dem sich auch antifaschistische Infostände finden, Bands mit eindeutigen Statements auftreten und sich die Veranstalter dem Kampf gegen Rechts verschrieben haben. Klar, so mussten auch die Leute vor Ort feststellen, bleibt die allgemeine Situation nach wie vor beschissen. Für ein Wochenende wird der Provinz aber gut eingeheizt. Das wissen auch unsere beiden Begleiter und bringen die Bedeutung des Festivals für die Region auf den Punkt: „Das ist eine super Geschichte. Hier kommen antifaschistisch motivierte Menschen, nicht nur aus der Region zusammen, sondern auch überregional. Solche Veranstaltungen sind einfach wichtig, um Menschen kennenzulernen, sich zu vernetzten oder einfach um mal wieder zu merken, dass man nicht alleine ist.“

In unseren Thüringenpunk-Konzertkalender tragen wir immermal wieder Wutha-Farnroda als Veranstaltungsort ein. Wie wir aber erfahren müssen, hat es sich dort bis auf weiteres mit Punkrockshows erledigt. „In Wutha-Farnroda finden leider keine Konzerte mehr statt, da der Club saniert wurde und für die tägliche Jugendarbeit verwendet wird. Das ist schade, da die Shows da immer echt gut waren“, wird uns erklärt. Wir finden es bedauerlich, dass es von der Jugendarbeit zu Punkrockkonzerten keinen fließenden Übergang geben kann und somit den Konzerten ein Ende gesetzt wurde. Schließlich haben dort seit Jahren die Szenegrößen der Region gespielt. Punkrock made in Eisenach ist für viele spätestens dann ein Begriff, wenn von Bands wie Fucking Faces oder den ESA-Zecken die Rede ist. Doch nicht nur diese Bands sind heute bekannt. Die junge Generation ist mit Gloomster, Abserviert, Fleshhead Attack, Kaspar Hauser usw. nicht gerade schlecht vertreten. Lachend stellt einer unserer Begleiter fest „Eisenach hatte in Richtung Punk schon immer was zu bieten.“ Schon oft konnten wir uns selbst davon überzeugen, dass die Bands aus dieser Ecke Thüringens gut ausgestattet sind und viel miteinander machen. Das führt, wie wir anmerken, zu einem eigenen Eisenacher-Punkrock-Stil. Darüber können die beiden nur lachen und winken ab. „Es gibt ja nicht nur Punkrock in Eisenach“, wird uns entgegenet. „Mit der ‚Straight Outta East Side‘-Konzertgruppe gibt es auch wieder Menschen, die regelmäßig Hardcore-Shows machen. Es geht also doch noch was hier und das freut uns! Natürlich ist das alles überschaubar, aber man arbeitet Hand in Hand zusammen und unterstützt sich gegenseitig, sei es Hardcore oder Punk.“

Reißt die Hütte ab

Der Spuckschluck in unseren Sterniflaschen schmeckt schal und so langsam haben wir es satt, im Schatten der Wartburg durch diese Stadt zu laufen. Es geht zurück zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin berichten wir noch von unserem Gespräch über den NSU auf der Hinfahrt. Es stellt sich schnell die Frage, wie die beiden das Auffliegen der Terrorgruppe im Jahr 2011 empfunden haben. „Die Nachricht hat uns natürlich schockiert“, stimmen beide überein. Nach einer kurzen Zeit des Nachdenkens wird angefügt: „Es war uns zwar bewusst, dass es da einen militanten rechten Flügel gibt, aber das Ausmaß, was seinerzeit zum Vorschein kam, war schon eine Dimension, die man sich so nicht ausgemalt hatte.“ Über lokale Verstrickungen des NSU‘s nach Eisenach kann nur spekuliert werden. „Verstrickungen zur lokalen Szene gab es da sicher auch. Es ist ja schon unwahrscheinlich, dass es nur ein Zufall war, dass der NSU bei Eisenach aufgeflogen ist und das hier auch zuvor der Banküberfall stattgefunden hat.“ Ob die Ermittlungen dazu neue Erkenntnisse bringen? Die zwei Eisenacher Antifaschisten glauben das eher weniger. Die Hoffnung, es werde eine lückenlose Aufklärung geben, bröckelt eben auch hier.
Kurz bevor wir uns verabschieden schweift unser Blick noch einmal zur Wartburg. Wir fragen die Zwei, ob sie sich denn nicht mal eine fette Punkerparty dort oben auf der Burg vorstellen könnten. Bevor das passiert, müssen noch ein paar Bedingungen erfüllt werden, eröffnen uns die beiden: „Ein Punkkonzert findet auf der Wartburg erst statt, wenn man sich nicht mehr mit den Federn eines Antisemiten wie Martin Luthers schmückt. Da dies unwahrscheinlich ist und der Berg auch viel zu steil erscheint, bleiben wir eher in der Stadt.“

Mit dem Wissen, die kommenden Punkrockkonzerte in Eisenach supporten zu wollen, Martin Luther öffentlich als Antisemiten zu demaskieren, mehr coole Thüringenpunk-Sticker dorthin zu schicken und die Wartburg endlich abzuschleifen, fahren wir mit einem guten Gefühl aus Eisenach ab – ob es an den paar Bieren oder der guten Gesellschaft unserer zwei Freunde aus Eisenach liegt, wissen wir nicht, an der Stadt und ihren Zuständen liegt es aber sicherlich nicht.

KüfA* in Erfurt: Suppen-, WG-, Armen- oder politische Küche!?

Einige waren schon einmal da, andere haben schon mal von gehört, wieder andere können sich eine Woche ohne KüfA* gar nicht vorstellen. Aber was ist das eigentlich? Sitzen da nur irgendwelche Leute zusammen und kochen kostengünstig für sich? Und warum gibt es sie eigentlich schon so lange? Im folgenden Interview mit Klara KüfA* findet ihr den Versuch, Sinn und Zweck der Gruppe auf den Grund zu gehen.

In der letzten Lirabelle hieß es, Küchen für Alle seien Suppenküchen. Ist das denn bei euch auch so?

Klara KüfA*: Natürlich kochen wir auch mal eine Suppe, das heißt aber noch lange nicht, dass die Erfurter Küche für Alle* (KüfA*) eine reine Suppenküche ist. Beispielsweise zaubern wir auch mal veganen Gulasch mit Rotkohl und Klößen oder praktizieren ein rundes Buffet mit warmen und kalten Speisen. Auch kochen wir nicht, um preisgünstige Mahlzeiten an Menschen mit geringen finanziellen Mitteln ausgeben zu können. Uns geht es um etwas ganz anderes: Die KüfA* ist eine Mitmachküche, in der zusammen vegan gekocht und ein Austausch zwischen den Anwesenden sowie eine Politisierung angeregt wird. Es ist aber kein „Muss“ über politische Themen zu diskutieren, es passiert nur oft automatisch, da schon die vegane Ernährungsweise genügend politischen Gesprächsstoff bietet. Richtig ist aber, dass Leute mit wenig Geld günstig oder auch kostenlos essen und sozialen Kontakt pflegen können. Das ist möglich, da die KüfA* solidarisch organisiert ist, sich unsere Besucher*innen zwar an einer Spendenempfehlung orientieren, aber auch mehr oder weniger geben können.

Grundsätzlich ist die KüfA* ein offener Raum für Alle, der aber keinen Platz für rassistische, sexistische etc. Diskriminierungen bieten möchte. Die KüfA* will Leute mitnehmen und zum selbstständigen Denken anregen und nicht in ein ideologisch vorgeprägtes Muster stoßen. Das versuchen wir, indem wir regelmäßig durch Koch- und Soliaktionen sowie Leihgaben politische Veranstaltungen und Projekte unterstützen. Wir haben uns beispielsweise bei Workshops/Vorträgen zu Themen wie Racial Profiling, NSU und Antimilitarismus engagiert, Soliaktionen für Prozess- und Abschiebekosten gestartet, bei AktionsKüfA*s und Festen wie dem Wagenplatzfestival, Care Revolution sowie zum Sommerfest der Kommune Kromsdorf die leeren Bäuche der Gäste gefüllt oder unsere Kochutensilien für unterschiedliche Aktionen wie dem Hilfskonvoi Idomeni zur Verfügung gestellt. Dazu findet die Erfurter KüfA* regelmäßig, immer dienstags ab 18 Uhr an unterschiedlichen Orten statt. Häufig kochen wir jedoch im neuen “Veto“, in dem wir ein neues Zuhause für die KüfA* gefunden haben.

Und worum geht es euch im Kern?

Klara KüfA*: Es macht einfach Spaß, zusammen immer wieder neue Mahlzeiten zu kreieren. Die KüfA* ist ein Ort zum Treffen, Abhängen und Austauschen. Wir finden uns zusammen, entwerfen Rezepte, kaufen ein und verwenden wenn möglich Lebensmittel, die der Handel aus dem Verkehr gezogen hat, schnippeln, kochen und mampfen mit Besucher*innen, verursachen i.d. Regel riesige Abwaschberge und nutzen dabei die Gelegenheit, politisches Engagement mit Köstlichkeiten zu verbinden.

Gibt es einen Haken an der KüfA* oder was seht ihr kritisch?

Klara KüfA*: Einen Haken sehe ich nicht unbedingt, aber es gibt auch zu beachtende Besonderheiten. Beispielsweise ist die KüfA* auf freiwilliger Basis organisiert. Das bringt viele schöne Seiten hervor, trägt aber auch dazu bei, dass wir nicht überall teilnehmen können oder stetig erreichbar sind. Gerade im Sommer sind viele unterwegs, engagieren sich bei anderen Projekten oder wollen auch mal nichts tun. Hinzu kommt, dass wir durch den Umzug in die neuen Räumlichkeiten die großartige Möglichkeit haben, diese ganz neu zu gestalten, aber dadurch auch Kochlöffel und Hammer abwechselnd schwingen. Das alles trägt auch mal dazu bei, dass die KüfA* ab und an nicht wöchentlich umgesetzt wird oder Ort und Zeit erst spät mitgeteilt werden.

Auch fehlt uns noch ein Selbstverständnis der KüfA*. Wir haben zwar den Konsens, dass wir immer vegan kochen, was für Einige mehr und für Andere weniger eine Herzensangelegenheit ist. Über andere Fragen, wie z.B. ob und wie viel wir regionale oder Bioprodukte verwenden, haben wir noch keine Verständigung. Wir haben aber ein Auge auf Aspekte wie die Verwendung von diesen Produkten, das Machbar-Halten der Spendenempfehlung und die Realisierung des politischen Engagements unter einen Hut zu bekommen. So sieht letztendlich jede KüfA* ein bisschen anders aus.

Und was für Leute kommen so zur KüfA* zusammen?

Klara KüfA*: Wer die KüfA* umsetzt, hat sich über die Zeit verändert. Meist sind es Leute, die sich politisch engagieren oder gern ausprobieren wollen für eine Menge von Menschen etwas Leckeres zuzubereiten. Wenn ich so zurückblicke, ist die KüfA* für Einige ein Einstieg in die linke Szene gewesen. Die KüfA* findet seit mehr als 10 Jahren praktisch in unterschiedlichen Settings statt; es gab sie ja schon im Besetzten Haus Erfurt. Durch die Umbenennung von Vokü in KüfA – ich glaube, das war 2004 – wurde die Erfurter Küche für Alle bundesweit bekannt und hat eine Debatte um den Begriff “Volksküche“ ausgelöst. Naja und dann nach der Räumung 2009 verstand sie sich als Konstante, um die Menschen zusammen zu halten und tut es teilweise immer noch. Viele kennen dadurch die KüfA* und kommen nach Jahren wieder.

Die KüfA* besuchen Personen mit den unterschiedlichsten Beweggründen. Zum Teil wollen sie mit Freund*innen einen gemütlichen Abend verbringen, nicht allein, nur für sich selbst kochen und speisen, sich engagieren und/oder Lebensmittel vorbeibringen oder sich einfach nur unterhalten und austauschen: Wann ist eigentlich die nächste antifaschistische Demo oder Aktion, was geht eigentlich in Erfurt, wollen wir nicht mal…? Aber auch was alltägliche Solidarität betrifft, also wenn mensch zum Beispiel gerade Stress mit Ämtern hat, können hier Leute mit ganz verschiedenen Hintergründen ihren Senf dazugeben und schauen, was getan werden kann. Zusammen kommen Groß und Klein von 0 Jahren bis 50+ und mehr, Studierende, Erwerbstätige, Erwerbsfreie, Freigeister, Künstler*innen, Neuankömmlinge, feste Freundeskreise und diverse Vierbeiner. Auch andere Gruppen, mit denen wir mal was zusammen umsetzen, wie das Foodprojekt der L50, schauen vorbei.

Grundsätzlich sind bei der KüfA* alle willkommen, egal ob sich beteiligt, sich unterhalten oder kostengünstig gespeist werden soll. Da nur vegane Speisen auf den Tisch kommen, können auch Veganer*innen, Vegetarier*innen und Menschen, die unterschiedlichen Religionen angehören, ordentlich zulangen. Insofern Unverträglichkeiten bestehen und uns mitgeteilt werden, versuchen wir natürlich auch hierfür eine Lösung zu finden.
Wir freuen uns über alle neuen und alten Gäste, Anfragen und Unterstützung. Ort und Zeit der kommenden KüfA*s kann über die Webseite des Vetos veto.blogsport.de recherchiert werden. Gern kann man uns über die Mailadresse veto@riseup.net oder einfach direkt bei einem Besuch ansprechen.

Stadt der Vielfalt – Kackstadt – Stadt der vielfältigen Gründe diese Stadt zu dissen

Es folgen kleine Episoden und Gedankenschnipsel über Situationen und Gegebenheiten in Erfurt von Bob.

Kackstadt, so nennen sie viele. Oft wird auch gesagt, es sei etwas Besonderes, eine regionale Spezialität sozusagen, die Stadt, in der man lebt, so zu dissen. Das ist dann ein umgedrehter Lokalpatriotismus. Ist auch nicht besser? Mein Verhältnis zu Erfurt ist ambivalent.

Lirabelle #10

Yeah- sie ist da – die 10. Ausgabe der Lirabelle. Die Idee dieser regelmäßig erscheinenden Broschüre lag darin, an die Broschüre „Erfurt – Stadt der Vielfalt“ anzuknüpfen, Debatten, die geführt wurden, weiter zu führen, über das, was in Erfurt und drumherum passiert, zu berichten.

Seit dem Start im Juni 2013 berichtet die Lirabelle regelmäßig über dies und jenes, es gibt Kontinuitäten der Autor*innen und hoffentlich auch der Leser*innen…

Dies soll jetzt kein sentimentaler Text werden, der die Höhen und Tiefen der Redaktion nachvollziehbar macht, wobei diese schon so einiges durchgemacht haben – Frust, Müdigkeit, unaushaltbares Schweigen durchzogen manche Treffen. Jedoch wurde auch heftig gestritten über die eine oder andere Betrachtungsweise und die richtige Sicht auf die Welt.

So richtig gefunden haben wir sie wohl noch nicht und falls doch, so fehlt uns nach wie vor die Strategie, der Masterplan, um die Welt zu schaffen, die wir uns vorstellen. Wie die jedoch aussieht, ist eher diffus, denn selbst bei den Utopien sind wir noch nicht mal bei einem brüchigen Konsens. Klar ist zumindest, dass es nicht so weitergehen kann, wie bis hierher. Wut ist da eine folgerichtige Reaktion. Darüber, dass es in Erfurt nach wie vor keinen selbstverwalteten Raum gibt, dass die Strukturarbeit für linke Räume so viel Kraft raubt – jeden Monat den Kontostand zu überprüfen nervt schon im Privaten.

Das Cover der Lirabelle #1 zeigt die Besetzung am 1. Mai 2013. Ein Haus haben wir noch immer nicht. Die Stadt hat die Verhandlungen eingestellt.

ERfurt

Doch wer ist die ominöse Stadt? Warum ist in der Wort-Bild-Marke der Stadt das ER farblich rot hervorgehoben? Um die Maskulinität hervorzuheben? Wenn die Leser*innen eine Antwort wissen, scheut euch nicht,sie zu offenbaren.

Ich kenne auch Menschen, die Erfurt schlicht als das größte Dorf Thüringens bezeichnen. Das trifft es ganz gut: Erfurt ist provinziell. Ganz platt gesagt, leben hier nur alte Menschen, mackerig-aussehende Unsympathen und Nazis.

Was niemandem verborgen bleibt, sind: Sauberkeit, Reinheit und eine Innenstadt voll schöner Fassaden, mittelalterlich. Diese Idylle, das moderne Shoppingerlebnis, all darauf ist Erfurt stolz. Erfurt ist auch stolz darauf Stadt der Vielfalt zu sein, was eine Plakaette am Rathaus behauptet, gestützt durch die Aussagen vom Heini der Landeszentrale für politische Bildung, der Erfurt als bunte Stadt bezeichnet. Und braun gehört schließlich auch zu bunt. So verhält es sich in Erfurt. Es wird sich positioniert, wenn Nazis von außen nach Erfurt kommen, um hier zu demonstrieren oder Fußball zu spielen. Eigentlich gibt es keine Nazis in Erfurt, die kommen alle von außerhalb. Erfurt meint hier eigentlich auch nur das Stadtzentrum und außerhalb liegen schon Wiesenhügel, Rieth, Moskauer Platz und Herrenberg.

Erfurt ist Anger, Fischmarkt, Domplatz – das ist Erfurts gute Stube. Die soll auch gut und schön bleiben. Um das zu gewährleisten, werden Punks, Linke, Obdachlose, Straßenmusiker*innen und Graffitisprüher*innen genervt und schikaniert. Denn Graffitis schaffen Angsträume und die Punks schüchtern die Menschen beim Einkaufen ein.

Erfurts gute Stube

Wenn ich die Innenstadt durchquere, mache ich das schnell, am liebsten mit dem Fahrrad, auch wenn das eigentlich verboten ist und von der Polizei auch mit Bußgeldern bestraft wird, trotzdem, auch wenn ich dabei immer wieder nach rechts und links schaue, um ja den Bullen nicht zu begegnen. Wenn ich nicht Fahrrad fahre, versuche ich Erfurts belebte Innenstadt mit Kopfhörern auszublenden. Was ich sehe, mag ich nicht: Typen, so richtige Männer halt, die aus ihren Muskelshirts zu platzen drohen, ziehen ihre Freundinnen hinter sich her, hippe junge Muttis schieben Kinderwagen oder bayerische Touri-Gruppen in Lederhosen verstopfen die ganzen kleinen Gässchen.

Doch diesen Sommer ist was anders – zumindest für eine kleine Weile – schon von weitem höre ich laute und für meinen Geschmack schlechte Musik, sehe Punks, die im Angerbrunnen plantschen, Bier trinken und mit verschiedenen Bechern – für Bier, Gras oder Essen – um Geld bitten.

Doch die Freude wurde nicht von allen geteilt. Z.B. vom City Management Verein, der Erfurts gute Stube in Gefahr sah und eine neue Innenstadtverordnung fordert, die so etwas unterbindet.
An dieser Stelle offenbart sich, wer in der Stadt der Vielfalt willkommen ist und dazu gehört.
Eine solche Innenstadtverordnung gab es schon mal und beseitigte alle Unliebsamen: Biertrinkende, Obdachlose, Punks…alle, die zu laut, zu ungepflegt sind, die zu wenig arbeiten und zu viel trinken, die will man nicht sehen, weder auf dem Weg zur Arbeit, noch beim Entspannen von der Arbeit, um dann wieder zu arbeiten…

Ich vermute, dass diejenigen, die genau diesen Menschen mit so viel Verachtung begegnen, die sind, die sich am sog. Männertag die Kante geben, Oberkörperfrei und sternhagelvoll mit einem Bollerwagen voller Bierkästen durch die Erfurter Innenstadt ziehen. Geregelter Ausbruch ja, doch ein vermeintlich zügelloses Leben. Nein, bloß nicht.

Sensible Polizist*innen

Ein Teil des Hasses richtet sich auch gegen die in Erfurt tätige Polizei. Das auszusprechen, könnte jedoch zu einer Ehrverletzung bei den Beamt*innen führen. Zahlreiche Prozesse wurden geführt, in denen rassistisches Handeln der Polizei nicht problematisiert werden konnte, doch dafür wissen wir jetzt, was Polizist*innen an ihrer Ehre kratzt. Die Lirabelle berichtete.

Was jedoch die Polizei mit sehr viel Hingabe und Gewissenhaftigkeit verfolgt, ist die Ausdehnung der gefährdeten Orte oder Gefahrengebiete, die für Erfurt definiert sind. Davon gibt es eigentlich nur 2: die Magdeburger Allee und der Willy-Brandt-Platz samt angrenzender Straßen. Die besorgte Polizei dehnt dabei ziemlich weit… Sinn dieser Gebiete ist es, die grassierende Drogenszene und Kleinkriminalität in den Griff zu bekommen. Durch solche Verordnungen darf die Polizei nicht nur Personalien aufnehmen, sondern auch alles durchsuchen, was man so an sich trägt. Unverständlich bleibt mir, weshalb zur Sicherstellung von Drogen und gestohlener Ware, Plakate entrollt werden müssen. Geschaffen wurde damit eine Legitimation für die Polizei, Menschen, deren Nasen ihnen nicht passen, zu drangsalieren. Welche Nasen ihnen nicht passen, wissen so einige aus ihrer eigenen Erfahrung…Vielleicht gehören sensibel und auf dem rechten Auge blind zusammen…

Zeig uns deine Stadt

Eröffnung der Fotoausstellung „Zeig uns deine Stadt – Lebenswirklichkeiten von jugendlichen Flüchtlingen in Erfurt“ am 24.07.2015 – ich war dabei. Ich quetsche mich in die untere Etage des erst neu im DIY-Stil gemachten „Haus der Nachhaltigkeit und Menschenrechte“, wo sich sehr viele hippe junge Menschen, ich denke an Studierende und ältere Damen, ich denke an Künstlerinnen, in einem Halbkreis um Tamara Thierbach, 2 FH-Professoren und einen Studierenden versammeln. Was hier als Kunstausstellung eröffnet ist eigentlich eine Präsentation der Ergebnisse des Studienprojektes Studierender im zweiten Mastersemester Stadt- und Raumplanung der Fachhochschule Erfurt. Diese haben jugendlichen Flüchtlingen Einwegkameras in die Hand gedrückt. Sie sollten fotografieren, wie sie Erfurt sehen, wo sie sich so in der Stadt bewegen. Wissenschaft und Kunst treffen aufeinander. Es folgt eine rührselige Rede mit vielen Dankesworten der anderen. Es beginnt der Student, der sich bei allen Fördermittelgeber*innen brav bedankt. Ich kenne es bei Kunstausstellungen eher so, dass die Künstler*innen sprechen und zu Wort kommen – sofern sie noch leben und über ihre Intention sprechen. Ich schaue mich im Raum um, keine jugendlichen Geflüchteten. Stattdessen wird geklatscht für die Mittel vom Bundesprogramm „Demokratie leben“. Oha, danke an die Bundesregierung, die dieses Projekt auf den Weg brachte, gleichzeitig aber erst kürzlich das Asylrecht massiv eingeschränkt hat. Später spricht Tamara.

Als ich der Rede von Tamara Thierbach zuhörte, war ich überrascht und bestürzt. Sie sprach einerseits davon, dass sie das Wort Geflüchtete nicht mag, sie sei eher für „Neuerfurter“, Neuankömmlinge oder Neubürger…Sie sprach auch von einer gelebten Willkommenskultur. Ahja, also ich sehe hier keine Person, die ich willkommen heißen sollte. Oder meint sie die ältere Frau, die auf englisch ganz kunstkennerisch die Bilder beschreibt.

Später stellte sich heraus, dass die Jugendlichen, die die Fotos gemacht haben, alle aus den Balkanländern kommen. Vielleicht sind sie alle schon freiwillig ausgereist? Danke, dass in den großen Eröffnungsreden verschwiegen wurde, dass genau diese Gruppe der Menschen mit 100prozentiger Wahrscheinlichkeit abgeschoben werden, sie hier keinen dauerhaften Aufenthalt erhalten, dass sie niemals deutsche Bürger werden. Somit behält Thierbach recht – das ist die Realität deutscher Willkommenskultur.. Das macht mich wütend. Das Projekt ist ’ne nette Idee, doch die Geflüchteten sind hier nur Mittel zum Zweck. Sie sprechen nur durch die Bilder, die jetzt Kunst sind. Gleichzeitig wird mit einer Powerpoint Präsentation zur Ausstellung über die Situation in den Balkanländern informiert. Doch eine solche Information hätte es in der großen Anfangs-Dankes-Rede gebraucht, da wär der Raum für Kritik, nicht nur in der Ausstellung selbst. Lieber wird geklatscht, dass das Programm „Demokratie leben“ die Ausstellung mit Geld unterstützt hat. Für Demokratie leben zu klatschen heißt Abschiebung feiern?! Auf der Homepage der FH lese ich später noch zum Projekt: „Ziel war es, sich den Lebenswirklichkeiten von jugendlichen Flüchtlingen anzunähern und an der politischen und öffentlichen Debatte zur Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen zu beteiligen.“

Das ganze findet im Haus der Nachhaltigkeit und Menschenrechte satt, die sich so beschreiben: „Der Welt(t)raum e.V. und das Haus der Nachhaltigkeit und Menschenrechte machen eine politisch unabhängige gemeinnützige Arbeit. Wir arbeiten zwar mit den meisten Gruppen und Parteien in Kooperation, sehen uns aber nicht als linker Raum oder Gruppe und möchten auch in diesen Zusammenhang keine Publikationen. Wir hoffen ihr habt Verständnis dafür. Für gemeinsame Projekte stehen wir gern zur Verfügung.“ Nö, dafür hab ich kein Verständnis! Ihr seid Erfurt, ihr seid zum Kotzen!

Donnerstag Abend

Ein Rückzugsort, eine Insel, ein Stützpunkt, egal, wie es genannt wird, ist die 151 – der Ort, an dem jeden Donnerstag Menschen zusammen kamen, die sonst an der Gesellschaft leiden und hier Kraft tanken konnten, auf alte und neue Bekannte trafen, Bier und Kippen in rauen Mengen genossen und kickerten. Hier habe ich eigentlich jeden Donnerstag verbracht, an dem ich in Erfurt war, hatte tiefsinnige, traurige, wütende und absurde Gespräche, schöne Begegnungen, auch ein paar unangenehme, doch ich hab mich unter Menschen wohlgefühlt, denen ich auch nach einigen Gesprächen wohlwollend unterstellen konnte, dass sie Ähnliches wütend macht, dass sie sich um Geflüchtete und deren Situation hier sorgen, dass ihnen die sexistische Kackscheiße nicht egal ist. Manchmal wurden Diskussionen fortgesetzt, manchmal einfach nur rumgeblödelt. In der 151 habe ich zum ersten und zum letzten Mal Dead Frog getrunken – eine gewagte Mischung, von einem bezeichnet als Gaumenmassaker – aus Pfeffi und Mexikaner. (Nicht zuhause nachmachen.)

Klar, es gab auch mal Stress: mit Anwohner*innen, die es störte, wenn man sich in die Mülltonne stellt, um den Platz auch auszuschöpfen, mit Bullen, die einfach reinrocken, mit Antisemiten, Sexisten…Doch es wurde darüber geredet, nicht immer konsequent gehandelt, doch ich hab mich sauwohl gefühlt…

Die 151 gibt es bald nicht mehr. Damit verschwindet einer mehr der sowieso wenigen Rückzugsorte in Erfurt. Ich werde mich also auf die Suche machen müssen nach einem neuen Ort, an dem ich meine Donnerstagabende verbringen kann. Kleine Lichtblicke gibt es, die das Leben in dieser Stadt erträglich machen. Eine Stadt die man nicht mögen kann um ihrer Selbst willen, sondern der Menschen wegen, mit denen zusammen man sie nicht mögen kann und Grundlage findet, um das Leben zu einem besseren hin zu gestalten. Durch die Möglichkeit des Durchatmens beim gemeinsamen Bier und langfristig.

Repressionsschnipsel

Diese Rubrik fokussiert aktuelles Geschehen in Sachen Repression.

Rassismus und Polizei – Runde 2, 3, 4, 5

Über den Prozess zu Racial Profiling im Oktober vergangenen Jahres berichteten wir in der Lirabelle #7. Weitere Informationen zum Ablauf des Prozesses findet ihr im Artikel Polizeirassimus vor Gericht. Doch damit nicht genug – Zwei Genoss_innen wurden am Prozesstag abermals wegen Beleidigung von Polizeibeamt_innen angezeigt. Auch sie hatten die rassistischen Praxen der Polizei als solche benannt. Die zwei Betroffenen standen mittlerweile vor Gericht.

#2

F. demonstrierte lautstark gegen eine entwürdigende Kontroll- und Durchsuchungsmaßnahme eines Schwarzen im Amtsgericht Erfurt, als dieser an der öffentlichen Verhandlung am 24. Oktober 2014 zum Thema „Raical Profiling“ teilnehmen wollte. Am 28. April 2015 wurde gegen die Genossin verhandelt, die sich politisch erklärte. Der Staatsanwalt bewies nicht nur schlechte Allgemeinbildung, sondern auch das Problem: Er äußerte sinngemäß: Menschenrassen existieren, seien jedoch gleichwertig. Das Gericht erließ zum Zwecke der Umerziehung eine Anordnung zur Ableistung von allerhand Sozialstunden.

#3

Aufgrund des Zeigens eines Transparentes auf einer Solidaritäts-Kundgebung am 24. Oktober 2014 vor dem Amtsgericht Erfurt, erhielt ein Genosse eine Anzeige wegen Beleidigung. Auf dem Transparent war zu lesen „Auch Polizist_innen sind Rassist_innen“. Auch in diesem Prozess war es nicht möglich, Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem so zu benennen, dass Polizei und Justiz sich davon in irgendeiner Weise tangiert fühlen. Das Urteil wegen ehrverletzender Beleidigung: 20 Tagessätze zu 15 €. Bleibtaufmerksam – auch hier wird es weitere Verhandlungen geben!

#4

Am 2. Juli 2015 folgt der Berufungsprozess gegen die Verurteilung des Genossen vom 24. Oktober. Haltet euch auf dem Laufenden!

#5

Vor dem Amtsgericht Arnstadt wurde am 28. Mai 2015 ein weiterer Fall im Kontext „Racial Profiling“ verhandelt. Ein Aktivist von The Voice äußerte lautstark seinen Unmut über die rassistische Kontrollpraxis zweier Bundespolizeibeamten in einem Zug von Erfurt nach Würzburg im September des Vorjahres. Er erhielt eine Anzeige wegen Beleidigung. In der Verhandlung konnte durch Verteidiger Sven Adam die Problematik Racial Profiling immer wieder thematisiert werden. Weil eine konkrete persönliche Beleidigung nicht festzustellen war, sprach das Amtsgericht den Betroffenen frei.

Erfurt / Gotha: Katzen beleidigen Polizeibeamte

Gegen einen Genossen wurde im April und Mai gleich zweimal verhandelt, weil er einen Beutel mit der Aufschrift „A.C.A.B – all cats are beautiful“ und der übergroßen Abbildung eines Katzenkopfes auf einer Kundgebung und einer Demo trug. Das Erfurter Amtsgericht verurteilte den Genossen wegen Beleidigung zu 15 Tagessätzen Geldstrafe, wogegen er Berufung einlegte. Vor dem Amtsgericht Gotha wurde das Verfahren eingestellt, nachdem der Genosse bekundete, die vermeintlich zu Opfer gewordenen Polizist_innen nicht gezielt provoziert zu haben. Außerdem entschuldigten sich die Polizist_innen beim Angeklagten, weil er aus ungeklärten Umständen eine Anzeige wegen Widerstand bekommen hatte. Niemand im Gericht konnte sich erinnern, wie dieser Punkt in die Anklageschrift kam. Lag‘ wohl an der Überlastung. Gleichzeitig meinte die Staatsanwältin, dass der Katzenspruch auch eine Form von schwarzem Humor sein könne.

Kommentar: Warum es möglicherweise widersprüchlich sein könnte, dass wir die Polizei als Bastarde bezeichnen wollen und uns trotzdem gegen Rassismus engagieren:
Polizei muss abgelehnt werden (können). Wir haben Frust und noch ganz andere Gefühle den Cops gegenüber und wollen das auch zeigen dürfen. Ob ein Bezug auf ein rassistisches und klassistisches Wort ein sinnvoller Umgang ist, bleibt umstritten und wird heiß diskutiert. A.C.A.B. ist weithin bekannt, nicht nur bei Linken, auch bei Nazis, Hooligans… Wie umgehen damit? Wir mögen Katzen, was euch sicher nicht entgangen ist und halten deshalb „All Cats Are Beautiful“ für eine gelungene Möglichkeit, Kritik an Polizei und Sympathien für Katzen zu kombinieren.

3.6., Erfurt: Zweites Verfahren zum 17. August 2013 beendet

Die „Soligruppe 1708“ begleitete den zweiten Prozess im Zuge der Proteste gegen die NPD am 17. August 2013. Der Genosse machte keine Aussagen. Obwohl der Tatvorwurf nicht zweifelsfrei belegt werden konnte, einigten sich die Verfahrensbeteiligten letztlich – Ergebnis: Verurteilung zu einer Geldstrafe, die niedriger ausfiel als im Strafbefehl gefordert.

Betroffen von Repression im Nachgang deiner Beteiligung an den Anti-Nazi-Protesten im April, Mai…? Du hast Post von der Polizei bekommen? Dann melde dich bei deiner Roten Hilfe Ortsgruppe: Jena, Erfurt, Weimar oder Südthüringen.