Kategorie-Archiv: Ausgaben

Lirabelle #14

Cover14

Wie ihr vielleicht schon am Fehlen der Logos im Editorial gemerkt habt, erscheint die Lirabelle nun schon eine ganze Weile ohne staatliche Förderung.
Genau darzulegen, wie es dazu gekommen ist, ist an dieser Stelle nicht möglich. Erwähnt sei aber, dass verschiedene Akteure einen Beitrag dazu geleistet haben, an erster Stelle wir selbst: Trotz Förderung haben wir nie ein Blatt vor den Mund genommen und auch von Anfang an damit gerechnet, dass irgendwann Schluss mit der finanziellen Unterstützung sein wird. Einen weiteren Anteil hat gewissermaßen ein Kollege. Sebastian Haak, Thüringen-Korrespondent des Neuen Deutschland und Autor in verschiedenen Thüringer Regionalzeitschriften, hat sich im September im Freien Wort über die wüsten Beschimpfungen gegen den Landesvater Bodo Ramelow in der Lirabelle ereifert. Natürlich ohne uns zu fragen, der Tenor seines denunziatorischen Artikels ist ja schließlich, wie es sein kann, dass vermeintlich Linke wie wir im Antifaschismus mitmischen. Dankbar aufgegriffen hat diese Zuarbeit die AfD in einer parlamentarischen Anfrage nach der Förderung von Druckerzeugnissen durch das Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit. Auch mit dem Ende der Förderung zu tun hatte ein PDL-geführtes Ministerium.
Wir werden oft gefragt, ob man in Thüringen was davon merkt, dass Rot-Rot-Grün an der Macht ist. Die Antwort ist ein entschiedenes „Ja“. Denn die alte, schwarz-rote Landesregierung hat zähneknirschend eingesehen, dass man ein ungeliebtes Spektrum aushalten muss, wenn man im braunen Herzen Deutschlands wenigstens halbwegs glaubwürdig gegen Nazis und Rassisten eintreten will. Jetzt, wo eine schwache rot-rot-grüne Landesregierung wie ein Kaninchen auf die Schlange des Rechtspopulismus starrt, kann ein ND-Journalist in Zusammenarbeit mit der AfD erfolgreich einen Skandal daraus machen, dass es tatsächlich Leute gibt, die sich erdreisten, nicht nur gegen offene Nazis, sondern auch gegen den Staat und seine Organe zu stänkern.
Wir danken allen Kooperationspartner_innen, die die Lirabelle bis hierhin unterstützt haben. Wir machen selbstverständlich weiter, in etwas veränderter Zusammensetzung, derzeit ohne Postadresse und als nun aufrechte Vertreter_innen des Untergrundes mit einer Spaltung: Die Redaktion der „Lirabellum“ hat uns den intergalaktischen Krieg erklärt. Willkommen auf der Erde! Allen Leser*innen viel Spaß mit der 14. Ausgabe,

die Redaktion der Lirabelle 14

  • News
  • Interview „… eine Gesellschaft ohne Rassismus und Ausgrenzung“
    Von Mitte September bis Mitte Dezember fand in Erfurt die Veranstaltungsreihe „Willkommen in Kanakistan“ statt. Dabei waren İdil Baydar mit ihrer Bühnenfigur Jilet Ayşe, die Ingeborg-Bachman-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo, Mutlu Ergün-Hamaz und viele weitere Künstler*innen und Intellektuelle. Die Lirabelle sprach mit Herrn T. und Frau T., die als VeranstalterInnen der Reihe eine (post-)migrantische Perspektive sichtbar machen wollen.
  • Teilhabe und Sichtbarkeit für Alle
    In allen deutschen Städten und Provinzen sieht man neuerdings Menschen, deren Präsenz davon Zeugnis ablegt, dass sie im Migrationsregime die wichtigsten Player sind. Wie man diese Beobachtung aus einer Perspektive der Autonomie der Migration begreifen kann und was daraus perspektivisch folgt, beschreibt Çağrı Kahveci.
  • Die Falken auf Feldforschung bei der Antifa
    Am 12. November fand, organisiert vom Antifa-Bündnis Gotha unter dem Motto „Volkstrauertag abschaffen“, eine Demonstration in Erfurt statt, bei der mittels Redebeiträgen am Beispiel des Volkstrauertages eine Kritik der deutschen Gedenkpolitik geleistet wurde. Die Falken aus Erfurt, die eingeladen wurden einen Redebeitrag zu halten, stellten in ihrem etwa 20minütigen Kurzreferat nicht nur unzweifelhaft klar, wer „den Längsten“ hat, sondern erhoben auch eine Reihe von mit Verachtung vorgebrachte Vorwürfe, mit denen sich Dori und Ox Y. Moron an dieser Stelle in angemessen pöbelig polemischer Art auseinandersetzen werden.
  • Die ex-linken Gast-Rechten aus Arnstadt
    Als im Juni 2015 die CDU in Eisenach gemeinsam mit der NPD – und auf deren Antrag – für die Abwahl der linken Bürgermeisterin stimmte, war der mediale Aufschrei angesichts der Zusammenarbeit von „Demokraten“ mit Faschisten groß. Was in Arnstadt seit dem Jahr 2012 passiert, ist vielfach dramatischer und findet ohne jegliche überregional-öffentliche Wahrnehmung statt. Aus Arnstadt berichtet Nikolai Bucharin.
  • Sexismus gegen Rechts
    Eine blonde Frau mit langen Zöpfen, die im tief ausgeschnittenen Dirndl mit Zahnpastalächeln sechs Maßkrüge Bier anbietet. Das Lächeln ist gekünstelt, was man deutlich sieht, wenn man genauer hinschaut und z.B. die Hälfte des Gesichts abdeckt. Es ist Knochen- und Kopfarbeit, stundenlang schwere Getränke zu tragen und die Fassade nicht fallen zu lassen, egal wie ekelhaft die männliche Kundschaft nach dem fünften Bier auch wird. „Kein Bier für Nazis“ steht in Frakturschrift neben der beschriebenen Kellnerin. Auf einem Bierdeckel, der seit einiger Zeit in Erfurter Kneipen liegt. Karl Meyerbeer hat Leute aus dem Kreis der Initiator_innen nach ihrer Motivation gefragt.
  • Revolution & Kopfarbeit
    Anfang Juni 2016 fand in der Nähe von Berlin das Frauen*-Theorie-Wochenende „Revolution & Kopfarbeit“ statt. Ein Wochenende lang setzten sich ca. 40 Teilnehmerinnen – Frauen, die bei den Falken und/oder in anderen linken Zusammenhängen organisiert sind – mit dem Verhältnis von Geschlecht und linker Theoriearbeit auseinander und besuchten verschiedene Workshops. Organisiert wurde die Veranstaltung von Genossinnen der Thüringer Falken und Einzelpersonen mit Unterstützung der Mädchen- und Frauenpolitischen Kommission der SJD – Die Falken. Was die Idee dahinter war und wie das Wochenende verlief, umreißt Lisa aus dem Vorbereitungskreis.
  • KüfA* in Erfurt: Suppen-, WG-, Armen- oder politische Küche!?
    Einige waren schon einmal da, andere haben schon mal von gehört, wieder andere können sich eine Woche ohne KüfA* gar nicht vorstellen. Aber was ist das eigentlich? Sitzen da nur irgendwelche Leute zusammen und kochen kostengünstig für sich? Und warum gibt es sie eigentlich schon so lange? Im folgenden Interview mit Klara KüfA* findet ihr den Versuch, Sinn und Zweck der Gruppe auf den Grund zu gehen.
  • Empower_me(a)nt something.
    Emily Page zeigt auf, warum Empowerment wichtig ist und widersprcht damit der Position des Textes „Aber ich habe mich nicht“ aus der Lirabelle #12.
  • Punk in der Thüringer Provinz – Teil 2: Punk und Eisenach im Schatten der Wartburg
    Auf dem Weg durch das Thüringer Provinz machen die Leute von Thüringenpunk Beobachtungen und Erfahrungen, die sie für die Leser*innenschaft der Lirabelle zugänglich machen. Im zweiten Teil der Reihe ‚Punk in der Thüringer Provinz‘ geht es um Eisenach und den Überlebenskampf der subkulturellen antifaschistischen Szene zwischen Perspektivlosigkeit, kleineren Punkrockshows und Nazistress.
  • Integrationsverweigerung im Hörsaal
    Die Gesellschaft für analytische Philosophie fragt: „Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen?“ Karl Meyerbeer hat den gleichnamigen Sammelband gelesen und ist mit den Antworten nicht zufrieden: Kein einziger Beitrag beantwortet die Frage, wie viele Flüchtlinge die Gesellschaft für analytische Philosophie aufnehmen soll.
  • Kindergedicht #2
    Von Hermann Heilner.
  • Aluhut-Chroniken IX – Schlafen mit Aluhut
  • Repressionsschnipsel

Lirabelle #13

Lirabelle#13

Liebe Leser*innen,

passend zum Beginn des für dieses Jahr verspäteten Sommers kommt die Sommerausgabe der Lirabelle, nachdem wir Gewitter, Dauerregen und grauen Himmel überstanden haben. Nicht, dass wir etwas gegen nass triefende Deutschlandfähnchen und betröpelt aussehende Leute hätten, die sich als Deutschland verkleiden, doch nichtsdestotrotz fetzt Sonnenschein ohne Gewitter und Unwetter schon auch. So aber bleibt mehr Zeit und Muße für die genüssliche Lektüre der Lirabelle No. 13.
Für diese Ausgabe haben wir uns bemüht mehr kulturelle Beiträge einzufangen, trotz der jämmerlichen Realität. Die Lokalzeitungen der letzten Wochen melden: Rassismus in Thüringen verdoppelt, aktuell sind 441 Nazis weggekommen (meint, sie sind untergetaucht und entziehen sich einem Haftbefehl), zum Tag der Bundeswehr in Erfurt ein großes Familienfest mit Klettern auf Kriegsgerät unter dem schnittigen Motto „Panzer statt Riesenrad“ auf dem Domplatz…
Ach, zum Kotzen. Jedoch bringt es auch nix, jammernd zuhause zu sitzen. Raus auf die Straße bringt dann doch was – nämlich Neues zu Tage: Bodo Ramelow unterstützt ungewollt die AfD, die sich eh immer als Opfer fühlt, und vergleicht antifaschistischen Protest mit Nazi-Methoden. Mehr dazu im Artikel „Querfront gegen die Antifa“. Wer trotzdem noch antifaschistisch bleiben will, sollte sich schon jetzt mit der eigenen Karriereplanung auseinandersetzen, einen passenden Artikel findet ihr in dieser Ausgabe. Im Interview zeigt eine Sozialarbeiterin die Widersprüche und Widrigkeiten des Tätigseins in einer Geflüchtetenunterkunft auf: „Gut organisiert war nur die Registrierung“. Eine Möglichkeit anders zu wirtschaften, können Kollektive sein. Das Interview „Bildet Banden!“ zeigt Perspektiven von Kollektivbetrieben. Weiterhin findet ihr einen Artikel zum Prokrastinieren „Einen Titel hab‘ ich noch nicht.“, zu Essen das „Manifest der Roten Völlerei“, zu Sciencefiction „Ein Raumschiff voll Kritik“ und Thüringenpunk berichtet uns exklusiv über einen Ausflug ins Thüringische Niemandsland und was ihnen in Altenburg begegnete. Das Bild im Mittelteil zeigt eine Transparentaktion anlässliche des 1. Mai 2016 in der Erfurter Raiffeisenstraße. Vielen Dank an Lionel C. Bendtner für die Aufnahme!
In dieser dreizehnten Ausgabe ist einiges anders: Die Aluhut-Chroniken setzen aus, um der drohenden „13“ zu entkommen. Die Rubrik „Mitmachen und Vernetzen“ wird derzeit überarbeitet. Wir hatten die Idee, mit dieser Ausgabe mehr zur Zerstreuung und zum Müßiggang beizutragen. Wie immer freuen wir uns über Rückmeldungen und Artikel, gern auch in Reaktion auf schon Bestehende. Meckert weniger im Stillen, schreibt mehr Beiträge!
Mit diesem elterlichen Appell viel Freude beim Lesen und Anschauen und einen schönen Sommer,

das Redaktionskollektiv der Lirabelle

  • News
  • Querfront gegen die Antifa
    In Thüringen bildete sich in Auseinandersetzung um eine antifaschistische Demonstration eine so nie dagewesene Querfront von „Linken“ und Protofaschisten gegen die Antifa. Der Anführer dieser unheiligen Allianz? Bodo Ramelow. Ein Bericht von Ox Y. Moron.
  • „Gut organisiert war nur die Registrierung“
    Die Lage von Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften zeigt auf besonders erschreckende Weise die Krise der Reproduktion: Gegessen wird, was vom Amt kommt. Bei Krankheit muss man darauf hoffen, dass ein Arzt im Lager ist. Privatsphäre gibt es keine. Im Lager werden selbst die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse nicht erfüllt und die Menschen darüber hinaus von den Möglichkeiten der Selbstsorge abgeschnitten. Karl Meyerbeer hat für das Thüringer Netzwerk Care-Revolution mit Katrin gesprochen, die als Flüchtlingssozialarbeiterin arbeitet.
  • Zur Lage in Idomeni und an Europas Außengrenzen
    … wurde und wird schon (zu?) viel von allerlei (mir) fremden Medien und Aktivist*innen gesagt, geschrieben, erklärt, kommentiert, bewertet und analysiert. X fehlen die Worte. Daher schickt sie folgende Bild-Nachrichten von den Menschen aus dem inzwischen geräumten Camp von Idomeni.
  • Interview: Bildet Banden!
    Kollektivbetriebe versuchen, innerhalb des kapitalistischen Rahmens anders zu wirtschaften. Die Lirabelle sprach mit Mitgliedern des Baustellenkollektiv Contrust, des sogenannten Bildungskollektivs und des Datenkollektivs darüber, wie das funktionieren kann und an welche Grenzen die Kollektivist@s stoßen.
  • Ein Plädoyer für‘s Rauchen
    Nicht selten müssen sich Raucher für ihr Laster rechtfertigen. Rauchen sei schließlich gesundheitsgefährdend und irrational. Doch genau darin liegt ein widerständiges Moment, meint Dori. Die Autorin raucht gerne, viel, gerne viel und (nicht nur) überall da, wo es noch erlaubt ist.
  • Rezension: Herzl Reloaded
    Jeder & Jede, der oder die sich mit Israel in irgendeiner Form beschäftigt, hat wahrscheinlich seinen Namen schon einmal gehört bzw. gelesen: Theodor Herzl. Das wohl berühmteste politische Manifest zur Gründung Israels, Der Judenstaat, erschien 1896 als Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage, wie es im Untertitel auch heißt. Es dauerte indes gut 50 weitere Jahre bis Israel gegründet wurde. Herzl war allerdings nicht genuin Politiker, sondern Literat und so verwundert es nicht, dass sein Roman Altneuland die Vision des Judenstaates versuchte, konkret auszumalen. 2016 ließen Natan Sznaider und Doron Rabinovici nun ihre Reflexion über Herzls vermeintlich verwirklichten Traum beim Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag herausgeben. Max Unkraut, aktives Mitglied der Sozialistischen Jugend – Die Falken, rezensiert in Folgendem den Titel Herzl reloaded.
  • Testbericht: Engagement und Karriere
    Die außerparlamentarische Linke ist einer der führenden Anbieter zeitgemäß präsentierter Inhalte mit Standorten in mehr als 74 Ländern. Als Vorbereitung für das Berufsleben bietet sie attraktive Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen und wichtige Kompetenzen zu erlernen. Der Rat, sich für Karrierezwecke z.B. beim Flüchtlingsrat zu engagieren (Lirabelle 12), ist insofern richtig. Aber Engagement muss wohlüberlegt sein. Wer sich zu früh festlegt, landet schnell auf einer mittelmäßig entlohnten und zudem unsicheren Projektstelle. Außerdem bieten auch die Autonomen, die Antifa oder der marxistische Lesekreis Karrierechancen. Gerade eine Kombination verschiedener Tätigkeiten kann zu einem exzellentes Sprungbrett werden. Um bei der Auswahl zu helfen, berichtet Lasse Hirsch von einem Kamingespräch mit der Personalabteilung der Radikalen Linken.
  • Prokrastinieren: Einen Titel hab‘ ich noch nicht
    Sicherlich haben viele Unentschlossene bereits einmal mit dem Gedanken gespielt, einen Text in der Lirabelle oder etwaigen anderen Publikationen zu veröffentlichen und sich letztlich doch dagegen entschieden, weil man sich das nicht zutraut, nicht weiß, worüber man schreiben soll oder schlichtweg gerade keine Zeit dafür hat. Doch auch wenn man ein Thema, den nötigen Mut und ein bisschen Zeit hat, fällt der Anfang oft schwer. T.b.a. zeigt aus eigener Perspektive, wie das aussehen kann.
  • Ein Raumschiff voller Kritik
    Science Fiction zeigt die Welt, so wie sie sein könnte. Oder? Pascal Späth und Karl Meyerbeer über ein Genre, das als Kleine-Jungs-Traum von heldenhaften Heldenmännern, glitzernden Superraumschiffen und bösartigen außerirdischen Monstern begann.
  • Manifest der Roten Völlerei
    Einmal im Monat findet im [kany], dem Ladenlokal der Falken Erfurt, die Rote Völlerei statt. Was sich dahinter verbirgt, könnt ihr im Folgenden nachlesen. Außerdem gibt es einen kurzen Einblick in die Speisekarte mit einem Rezept unter dem Motto Sommer, Sozalismus, Schweinebauchbraten.
  • Punk in der Thüringer Provinz – Teil 1: Altenburg und Rote Zora
    Auf dem Weg durch die Thüringer Provinz machen die Leute von Thüringenpunk Beobachtungen und Erfahrungen, die sie für die Leser*innenschaft der Lirabelle erstmalig zugänglich machen. Ihr findet hier eine gekürzte Version des Berichts über Altenburg und die Rote Zora. Punk in der Thüringer Provinz – Teil 1.

Lirabelle #12

Cover #12

Editorial

Wer nicht das erste Mal die Lirabelle in den Händen hält, weiß dass die Ausgaben nicht unter einem Schwerpunkt stehen, wie das in anderen Publikationen oft der Fall ist. Entsprechend versammeln sich hier Texte, die unterschiedliche Themen nebeneinander, manchmal miteinander verhandeln und sich ab und an auch widersprechen. Aber nicht nur den Inhalt betreffend, sondern auch was die Form angeht, ist die Publikation relativ offen gehalten. So gibt es Texte, bei denen man den akademischen Hintergrund der Autor*innen klar heraus liest, andere üben sich im freien Assoziieren, schildern und reflektieren Erfahrungen auf subjektiver Ebene, ohne dass damit deren Anspruch auf Objektivität gemindert wäre.
Wenn aber von verschiedenen Formen der Auseinandersetzung mit Inhalten die Rede ist, so meint das meist eben Textformen. Auch da wo Kunst Thema ist, ist sie das in der Regel in Form von Rezensionen, wird, dem Medium der Sprache geschuldet, also über sie geschrieben. Die, im Sinne der Trennung von Wissenschaft und Kunst, eher auf Seiten der Kunst zu verortende Lyrik war bis dato noch nicht vertreten. Um so mehr freuen wir uns, erstmalig ein Gedicht abdrucken zu können, das, handelt es sich nämlich um eine Kindergedicht, ebenso den Kreis an angesprochenen Lesenden erweitert.
Darüber hinaus wird in der aktuellen Ausgabe nach einer emanzipatorischen Form des Schimpfens gefragt, Polemik als angemessene Form der Kritik bestimmt, Formen der möglichen Selbstermächtigung aufgezeigt, herausgestellt was eben keine solche Form der Selbstermächtigung ist bzw. sein kann u.v.m.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
die Lirabelle-Redaktion

  • News
  • Buen Vivir
    La Cuchara über ein südamerikanisches Konzept, dass die Möglichkeiten eines gelingenden Lebens unter zerstörerischen Bedingungen auslotet.
  • Ballstädt-Verfahren: Dümmer geht’s immer – Bullen vs. Nazis
    Die ersten Verhandlungstage des Ballstädt-Prozesses seit dessen Beginn im Dezember 2015 sind gelaufen. 15 Neonazis müssen sich nach einem brutalen Überfall auf die Kirmesgesellschaft in Ballstädt im Februar 2014 verantworten. Wir, Kleingartenverein Tristesse e.V., geben euch einen kleinen Einblick in diesen doch sehr speziellen Gerichtsprozess. Sowohl unsere Erwartungen an Entertainment wurden erfüllt, wie auch unsere Befürchtungen die Verteidigung betreffend sind weitestgehend eingetreten. Wir empfehlen euch aber ausdrücklich einen eigenen Besuch.
  • Abschieben mit Links
    Ox Y. Moron kritisiert die staatspolitischen Ambitionen und den Verrat an der Menschheit durch Thüringer Linke, die in Regierungsverantwortung das Abschieberegime der Vorgängerregierungen fortsetzen.
  • Parsley, sage, rosemary and thyme
    Die Frage von Geburtenkontrolle und Abtreibung war für die Feminist_innen der 60er und 70er ein wichtiges Thema. Obgleich viele Gesetzgebungen und Regelungen im Gesundheitssystem immer noch sexistisch sind und einkommensschwache Menschen benachteiligen, ist das Thema für viele – aus verschiedensten Gründen – in den Hintergrund getreten. Weshalb es für eine kommunistische und anti-sexistische Praxis weiterhin wichtig sein kann und muss, über die technisch-medizinische Seite der Körper-Aneigung zu sprechen, versucht Maxi N. Conrady am Beispiel der Anti-Baby-Pille zu entfalten. Die Autorin ist Mitglied im Club Communism.
  • Irgendwas mit nichtmonogam…
    Seit fast zwei Jahren gibt es in Erfurt das Poly-Palaver-Picknick, bei dem sich Frauen und Transpersonen, die nichtmonogam leben oder sich dafür interessieren, in lockerer Atmosphäre über ihre Liebes- und Lebensweise austauschen können. Kalle hat mit den Organisatorinnen Krista und Ayşe gesprochen.
  • Aber ich habe mich nicht.
    Die Hoffnung auf Räume solidarischer Kritik und gemeinsamem Hinterfragens hat Simon Rubaschow noch nicht aufgegeben. Daher wirft er einen kritischen Blick auf das Konzept des ‚Empowerments’. Der Autor ist Mitglied im Club Communism.
  • Gute Nacht Gedicht für Kinder
    von Hermann Heilner
  • Emanzipatorisch beleidigen?! – Die Kunst der Erniedrigung
    Lulu Ronja setzt sich damit auseinander wie Schimpfen funktionieren könnte. Dabei enthält dieser Artikel Wörter, die viele Diskriminierungen reproduzieren.
  • Elemente der Polemik
    Der Artikel befasst sich mehr als minder abstrakt mit der Idee einer Kritischen Ästhetik der Polemik. Die streitbare Kunstform ist z.B. bekannt aus den Texten der Zeitschrift Bahamas, aus Schriften Wolfgang Pohrts und geradezu perfektioniert im Werke Karl Kraus‘ zu finden. Auf Grund ihres beleidigenden Impetus‘ erregt sie oftmals bei Leserinnen & Lesern Anstoß und wird daher abgelehnt. Gegen dieses erste Gefühl der Ablehnung, aber mit dem Bewusstsein, dass durch Erklärung etwas von ihrem Zauber verloren geht, soll im Folgenden die Polemik als sachlich angemessene Form der Kritik verteidigt werden. Der Autor ist aktives Mitglied der Sozialistischen Jugend – die Falken. Von Max Unkraut.
  • Solidarität geht nur gemeinsam
    In der Lirabelle wird häufig über Repression berichtet. Wichtig ist das Thema allemal, leider nicht so wahnsinnig beliebt und bekannt. Viel zu oft bleiben die Betroffenen von Repression damit allein. Das wollen wir als Rote Hilfe Ortsgruppe Erfurt ändern und haben hier einen kleinen Einblick zum Sinn und zur Notwendigkeit von Antirepressionsarbeit und im Speziellen von Soli- oder Unterstützungsgruppen zusammengestellt, teilweise findet ihr in diesem Text Statements von Soligruppen, die bereits in der Lirabelle zu lesen waren.
  • Das ist keine Kunst. Wir sind eine Gang.
    Viele haben sie schon gesehen, gehört und mit ihnen gefeiert: AbstinenZx lassen es mit „In dieser Heimat kein zuhaus“ ordentlich krachen. Warum sie mit ihrer Musik ins Mark treffen, es dabei nie um Kunst geht, sondern um uns, will Franzie zeigen.
  • Die Aluhut-Chroniken VIII – Wunderheilmittel

Lirabelle #11

Cover#11

Editorial

Es heißt, die fast unlösbare Aufgabe bestehe darin, sich weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht dumm machen zu lassen.
Am 1.12. berichtet eine Thüringer Lokalzeitung, dass die Mieten immer teurer werden und ein Mann, der vor der Zwangsräumung stand, von der Polizei erschossen wurde – nachdem er einen Polizisten an der Hand verletzt hatte. Am 16.12. mussten wir in Erfurt ohnmächtig zusehen, wie drei verängstigte Kinder mitten in der Nacht von bewaffneten Beamten aus dem Schlaf gerissen, in ein Polizeifahrzeug verbracht und dann deportiert wurden. Sie waren nur drei von 103, die am diesem Tag nach Serbien abgeschoben wurden. Serbien ist ein sicherer Drittstaat, obwohl Minderheiten dort systematisch von staatlichen Stellen verfolgt werden. Vielleicht besteht die Logik der ganzen Geschichte darin, dass man auch in Deutschland bei mindestens 800 Angriffen auf Geflüchtete und deren Unterkünfte im Jahr 2015 nicht ernsthaft davon sprechen kann, dass Geflüchtete hier sicher sind? Heißt dieses Aufrechnen schon, sich dumm zu machen? Wir hoffen nicht und suchen weiter nach Spuren, die einen Weg in eine bessere Welt gangbar machen können.
Der Infoladen Sabotnik und die Gruppe Pekari diskutieren in dieser Ausgabe darüber, wie man sich gemeinsam in der Position der Ohnmacht schlau machen kann. Mona Alona diskutiert, ob linke Großevents nur Ohnmacht kompensieren oder auch einen tatsächlichen emanzipatorischen Gehalt haben. Und dass die Verhältnisse von Macht und Ohnmacht Wahn gebären, machen nicht nur die Aluhut-Chroniken deutlich. Aber dass Ohnmacht auch Wut hervorruft, zeigt ein neues Zine aus Jena und eine Platte der Punkband Kellerasseln, die wir rezensiert haben.
Daran möchten wir gerne anknüpfen und nehmen uns für 2016 vor, uns weder dumm zu machen, noch uns mit Macht und Ohnmacht abzufinden. Irgendwann müssen ja bessere Zeiten kommen.

  • News
  • Alternative Studieneinführungstage
    In Jena und in Erfurt haben linke Gruppen eine Veranstaltungsreihe zum Semesterbeginn organisiert. Die Lirabelle-Redaktion sprach mit Aktivist_innen von Pekari (Jena) und dem Infoladen Sabotnik (Erfurt).
  • Mitmenschlich
    Während der Druck auf der Straße durch die organisierten Thüringer (Proto-)Faschisten steigt, geht die Thüringer Polizei gegen Antifas vor und die Zivilgesellschaft dreht auf dem Erfurter Domplatz ein Feel-Good-Movie. Von Ox Y. Moron.
  • Vorhang zu
    So, nun ist’s vorbei, das schöne Tischlerinnentreffen – für Leser*Innen, die das Wort das erste Mal hören: wir sind gestandene Handwerksfrauen, egal, ob nun seit Geburt oder später durch eigene Entscheidung zur Frau geworden, die sich seit einem Vierteljahrhundert treffen, um sich über Berufsalltag auszutauschen, sich gegenseitig zu stärken, zu vernetzen, eine gute Zeit zu haben – eine Auswertung der Organisatorinnen.
  • „Teile und herrsche“ – eine bewährte deutsche Tugend
    Wie die kolonialrassistische Praxis des „Teile und Herrsche“-Prinzips sich bis heute in der deutschen Gesellschaft und in den deutschen Behörden durchzieht. Und wie neokoloniale Praktiken unter dem Vorwand des „Helfens“ hier und in anderen Ländern, die von Deutschen bereist werden, jeden Tag umgesetzt werden. Von Lila Unkraut.
  • Bericht von den feministischen Radiotagen in Weimar
    Anna Wegricht hat die ersten feministischen Radiotage mitorganisiert.
  • Großevents – der Linken liebstes Kind
    Mona Alona widmet sich in ihrem Text der Frage nach der Motivation an linken Großevents teilzunehmen, indem sie versucht, ihre eigenen Beweggründen an ausgewählten Aktionen teilzunehmen, zu ergründen.
  • Das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung als Gefahr der Normierung und Lähmung
    Von fast Allen unbemerkt hat im Oktober nach dem Bundestag auch der Bundesrat das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung durchgewunken. Damit müssen Telefonnummern und IP-Adressen, Dauer/Zeit von Telefongesprächen und Internetnutzung, Standortdaten (wann hat sich das Telefon wo wie lange aufgehalten) und wer wem SMS geschrieben hat vier bzw. zehn Wochen lang bei den Telekommunikationsanbietern gespeichert werden; Zugriff durch staatliche Behörden muss garantiert sein. Leony Schröder über die politische und soziale Bedeutung eines Rundum-Überwachungspakets.
  • Anarchismus mit Fußnoten
    Vor Blogsport und Facebook, vor Myspace und Geocities und sogar vor CompuServe und AoL kamen die amtlichen Informationen vom Nachrichtenmann in der Tagesschau und einer überschaubaren Menge von Zeitungen, die das politische Spektrum der im Bundestag vertretenen Parteien abdeckten, dazu die verhasste BILD. Die radikale Linke setzte angesichts dessen auf Gegeninformation. Zeckige Heftchen in kleiner Auflage wurden im Westen über den Kopierer gezogen oder in der Uni-Druckerei gedruckt, im Osten mit Wachsmatritzen hektografiert und unter ungleich schwierigeren Bedingungen hergestellt. Autonome Demos waren behelmt und martialisch und eben eine solche Demo ist auf dem Titelbild des „Anarcho-Infoblatt Jena“ (AIB) abgebildet. Jemand freut sich über ein neues Zeckenheftchen aus Jena.
  • Mittelmeerromantik
    Karl Meyerbeer hat sich eine Schallplatte der Kellerasseln angehört und angesehen.
  • Repressionsschnipsel
  • Die Aluhut-Chroniken VII – Terror unterm Aluhut

Lirabelle #10

cover10

Editorial

Es ist soweit – ihr haltet die zehnte Ausgabe der Lirabelle in der Hand. Die erste Ausgabe erschien im Juni 2013, das heißt nunmehr können wir auf über zwei Jahre kontinuierliche Arbeit zurückblicken, deren Absicht wir in der ersten Ausgabe umfassten mit den Worten: „Unsere Lirabelle ist ein Zeitungsprojekt, das sich thematisch mit Fragen beschäftigt, die zumindest einen regionalen Bezug aufweisen, inhaltlich aber durchaus auf’s Ganze zielen sollen. Das Projekt ist von und für Menschen gedacht, die sich für praktische Gesellschaftskritik bzw. gesellschaftliche Praxis interessieren – in der gebotenen Breite und Vielfalt.“ Einen Anspruch den wir, so meinen wir, bisher eher mehr als weniger eingelöst haben. So findet sich auch in der zehnten Ausgabe von Allem etwas: Aktuelles, Regionales, aber auch Auseinandersetzung mit Geschichte, Kultur und Vieles mehr.
Eigentlich ein Grund zu Feiern, müsste man meinen. Dass dem aktuell nicht so ist, spiegeln die im Heft vertretenen Artikel auch allzu deutlich wieder. Keine Woche vergeht, in der nicht in irgendeinem Thüringer Kaff irgendwelche Nazis aufmarschieren oder bei diversen Bürgerversammlungen anlässlich der Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft der gemeine Bürger seine „Sorgen“ kund tut. Auch in nicht staatlich legitimierten Formen bricht sich der Rassismus Bahn und in Thüringen brennen mittlerweile Flüchtlingsunterkünfte. An der Europäischen Grenze besteht das Massensterben von Menschen auf der Flucht fort und auch in der eigenen Flucht vor dem Alltag ist man nicht selten mit dem konfrontiert, wovor man eigentlich geflohen ist. Unwidersprochen bleibt dem allen nicht, wie die Beiträge und der von uns gewählte Mittelteil verdeutlichen und ihr sicherlich auch aus eigener Erfahrung wisst.
Wer nun glaubt, ein gemütlicher Abend mit lieben Menschen könne zur Reflexion, ein Bier mehr zur temporären Verdrängung beitragen, dem wird spätestens von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Stadt vor den Karren gefahren. Von der ersten zur Mäßigung ermahnt, von zweiterer in der Innenstadt unerwünscht, bleiben oftmals nur eigens geschaffene Rückzugsräume. Doch auch diese sind in Erfurt und anderswo rar gesät. Wir hoffen, ihr habt trotzdem ein nettes Plätzchen gefunden, um die aktuelle Ausgabe der Lirabelle zu lesen.

Mit Grüßen aus der Kackstadt,
die Lirabelle-Redaktion

  • News
  • Rückrunde für THÜGIDA
    Die Sommerpause ist vorbei. Die Aufmärsche gegen die Aufnahme von Geflüchteten in Thüringen gehen weiter und selbst während der Sommerpause waren die Nazis nicht untätig. Ox Y. Moron berichtet über die ersten Aufmärsche, Propaganda & Routinen.
  • Ballstädt, wie geht es weiter?
    Anfang Februar 2014 überfiel eine Gruppe vermummter Neonazis eine Feier im Gemeindesaal von Ballstädt (Landkreis Gotha). Gegen die Neonazis wird vermutlich im Spätherbst dieses Jahres der Prozess vor dem Landgericht Erfurt eröffnet. Der Infoladen Gotha und der Kleingartenverein Tristesse e.V. berichten über die Geschehnisse und geben einen Ausblick darauf, was vom Prozess zu erwarten ist.
  • Endlich wieder stolz
    Ox Y. Moron und Eva Felidae misstrauen der aktuellen Willkommenswelle für Flüchtlinge, in deren Rücken sich schon bereitet, was erstes Anliegen der Helfenden & Jubelnden ist: zu beweisen, dass Deutschland auch helfen kann – meist jedoch sich selbst.
  • Soligruppe 1708: Nach 2 Jahren ein Fazit
    Die Soligruppe 1708 begleitete drei Betroffene, die im Zuge des antifaschistischen Protestes gegen die NPD-Kundgebung am 17. August 2013 in der Erfurter Trommsdorffstraße Strafbefehle erhalten hatten. Die Verfahren sind abgeschlossen – was bleibt?
  • Sexism from the Underground
    Trotz besten Vorsätzen ist es unmöglich dem Sexismus zu enkommen. Ein Bericht vom Rockfestival Stoned from the Unterground von Cora.
  • Sentieri Partigiani – April 2015
    Uwe schildert seine Erfahrungen und Eindrücke, als er auf den Spuren der italienischen Partisan*innen um Reggio Emilia wanderte. Er nahm an einer Bildungsfahrt im April diesen Jahres teil.
  • Wer die Hemmungen fallen lässt und die Kontrolle verliert
    Die Kampagne„Alkohol? Kenn‘ dein Limit“ ist mit einem Budget von acht Millionen Euro jährlich die größte deutsche Kampagne zur Alkoholprävention. Finanziert wird sie vom Verband der Privaten Krankenkassen, umgesetzt von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Seit 2009 sollen Plakate, Postkarten, Kurzfilme und eine interaktive Webseite Jugendliche überzeugen, sich beim Alkoholkonsum zu mäßigen. Und nicht nur da. Das Bildungskollektiv Biko hat die geschlechts- und klassenspezifischen Anrufungen der Kampagne analysiert.
  • Stadt der Vielfalt – Kackstadt – Stadt der vielfältigen Gründe diese Stadt zu dissen
    Es folgen kleine Episoden und Gedankenschnipsel über Situationen und Gegebenheiten in Erfurt von Bob.
  • „high fives for low lifes“ (Plattenkritiken)
  • Wenn die Nacht am tiefsten ist (Filmkritik)
    Simon Rubaschow findet beim Schauen eines exiliranischen, feministischen Vamprifilms die Hoffnung auf die Möglichkeit der Revolution.
  • Special: *Bullshitbingo*
  • Tapferer kleiner Paule
    Lasse Hirsch darüber, dass die Anderen die Hölle sind, vor allem, wenn man durch Abstammung dazu verdammt ist, sie zu ertragen. Der Text thematisiert familiäre Gewalt und kindliche Ohnmachtserfahrungen.
  • Die Aluhut-Chroniken VI – Die Protokolle der Weisen von Zion

Lirabelle #9

cover9

Editorial

…diese Ausgabe der Lirabelle erscheint mit Verspätung. Gründe dafür gibt es viele. Jeden Montag Sü- / Thügida, nahezu jedes Wochenende ein Neonaziaufmarsch und verschiedene andere Kampagnen und Projekte, haben uns alle beschäftigt und Kräfte gefressen.
Da kam uns der Streik der Lokomotiven Lenkenden – das Wort „Führer“ kommt uns in den momentanen Zeiten noch schwerer über die Lippen – sehr gelegen und wir solidarisierten uns nicht nur mit der GDL, sondern traten gleich mit in den Streik. Unsere Forderungen wurden leider nicht erfüllt: Rassistische Bürger*innen gibt es immer noch, auch Neonazis tummeln sich in der Erfurter Innenstadt und haben nun noch einen weiteren Raum – die Kneipe „091er“ am Berliner Platz.
Ihr dagegen bestreikt hoffentlich nicht diese Ausgabe, auch wenn wir für das Poster im Mittelteil der Lirabelle #8 um Entschuldigung bitten. Diese findet ihr in dieser Ausgabe, wie auch zwei Leser*innenbriefe, die uns erreichten und das Poster zum Thema machen. Danke dafür!
Eure Reaktionen / Feedbacks sind uns wichtig und wir freuen uns tatsächlich über Kontroverses, solidarische Pöbeleien und auch Lob – wie auch über Texte und Streetart-Beiträge für den Mittelteil. Wir waren auf der Suche nach feministischen / antisexistischen Graffitis in Erfurt, doch blieben leider erfolglos. Mehr „Feminist Take Over“ in Texten, auf der Straße, überall! Auch dazu haben wir in dieser Ausgabe etwas geschrieben.
Zudem beschäftigen wir uns mit Rassismus in Institutionen, antirassistischem Engagement in Eisenberg, der Bezeichnung des 8. Mai als „Tag der Befreiung“; auch die Aluhüte dürfen nicht fehlen.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und einen schönen Sommer!
das Redaktionskollektiv der Lirabelle

Lirabelle #8

Cover#8

Editorial

Manchmal ist es schön, recht zu behalten. Sagen zu können „Haben wir doch schon immer gesagt“ gibt einem ein Überlegenheitsgefühl, dass angesichts der meist unterlegenen Lage in sozialen Kämfpen eine angenehme Abwechselung darstellt.
Und die unterlegene Lage zu illustrieren, gehört zum guten Ton in der Linken: Als politisch denkender Mensch malt man trotz aller Religionskritik gerne den Teufel an die Wand, um möglichst überzeugend Viele dazu zu bewegen, ihn auszutreiben. So kommt es dann, dass die faschistische Gefahr ausgemalt wird, wenn ein paar verwirrte Hippies und Esoterikerinnen für den Weltfrieden die GEMA abschaffen wollen. Was derzeit in Dresden, Südthüringen, Erfurt und anderswo auf die Straße geht, macht leider deutlich, dass die Mahnerinnen und Warner recht gehabt haben: Irrsinn ist kein Einzelfall, Beispiel Pegada: Freie Energie, eben noch eine Spinnerei einer überschaubaren Internet-Community, ist heute eine der Forderungen einer Massenbewegung. Reptilienmenschen: Gerade hat man gehört, dass es Leute gibt, die denken, dass Reptilien die Gehirne von Menschen übernehmen, da wird man als Gegendemonstrant_in als Reptiliengehirn beschimpft. So gesehen, ist es nicht schön, recht zu behalten: Wir haben‘s schon immer gesagt. Aber offenbar hat es niemanden interessiert. Schade.
Wir machen trotzdem weiter! Wir haben schon immer gesagt, dass Antiamerikanismus und Antisemitismus ein großes Problem sind, dass völkische Mobs an den historischen NS erinnern, dass die soziale Frage wieder thematisiert werden muss, dass man sich mit der ARGE anlegen kann, dass Religion kritisiert gehört, Tauschringe nicht funktionieren und Punkrock rockt. Zumindest das letzte sollte fast 40 Jahre nach »Anarchy in the UK« gesellschaftlich mehrheitsfähig werden. Ob wir uns dann freuen, recht behalten zu haben?

das Redaktionskollektiv der Lirabelle.

Inhalt

  • News
  • Bericht: Hoffen auf das Endspiel
    Am 24. Januar 2015 versammelten sich in Erfurt rund 600 Menschen um gegen eine vermeintliche ‚Amerikanisierung‘ Europas zu demonstrieren. Sie nennen sich PEGADA, Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes, und ihre Veranstaltung heißt ‚ENDGAME‘, Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas. Ob sie sich nun ‚patriotisch‘ oder ‚engagiert‘ nennen, ob ‚Europäer‘ oder ‚Demokraten‘, es läuft auf ein und dasselbe hinaus: Es bleibt ein Mob aus Menschen, die sich jenseits jeglicher Faktenlagen bewegen und sich in ihrem eigenen irrationalen Horizont, in ihrer Paranoia gegenseitig bestätigen. Es ist ihnen gelungen, unterschiedliche esoterische Sekten, Verschwörer und Antisemiten aller Couleur an diesem Samstag im Januar zu vereinigen. Fabians Blick auf diese Veranstaltung und ihre Organisatoren macht deutlich, warum dies mittels ENDGAME gelingen konnte.
  • Bericht: Ein Hauch von Sportpalast
    Ox Y. Moron berichtet über das Comeback des rechten Volksmobs in Südthüringen, die Hilflosigkeit der hiesigen Zivilgesellschaft und die Ohnmacht der Antifa.
  • Einschätzung: Rätselraten über Pegida
    L. über die weit verbreitete Unsicherheit darüber, wer Pegida ist und woher diese Bewegung auf einmal kommt.
  • Intervention: Antifa-Offensive 2015
    Christian Winter (Sabotnik), Karl Meyerbeer und L. finden, dass eine breit angelegte Antifa-Offensive genau so notwendig ist, wie eine Thematisierung der sozialen Frage von radikal linker Seite.
  • Selbstermächtigung: Die Meldepflicht
    Yvette gibt einen kurzen Überblick über das beliebteste Sanktions-Instrument der Jobcenter: die Meldepflicht.
  • Begriffsarbeit: Material zur Kritik des Himmels
    Einer längst überfälligen Wiederbelebung* der Religionskritik möchte Simon Rubaschow den Weg bereiten, indem er versucht, zwischen falschem Bewusstsein, Ideologie und Wahn zu differenzieren. Der Autor ist Mitglied im Club Communism.
  • Intervention: Gibst du mir Deins, geb‘ ich Dir meins
    Etwas wegzugeben ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten, ist im Neoliberalismus schon fast ein subversiver Akt. Karl Meyerbeer über den Tausch, die gegenseitige Hilfe und darüber, dass in Erfurt im Durchschnitt alle 1,6 Jahre ein Tauschring auftaucht.
  • Einschätzung: Staatlichkeit und Überwachung
    Ein Versuch der Auseinandersetzung mit dem Überwachungswahn in der Digitalen Sphäre von Dennis.
  • Kultur: Plattenkritiken
  • Die Aluhut-Chroniken IV: Die Striche des Teufels

Lirabelle #7

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Editorial

Thüringen hat gewählt. Alle fünf Jahre stellen sich auf Länderebene Parteien zur Wahl, die die Sachzwänge verwalten und das Leben in den dafür vorgesehenen Bahnen halten wollen. Die größte Fraktion stellten mal wieder die Nichtwähler mit 47,3 Prozent. Da diese gewöhnlich aber keine Sitze im Landtag zugesprochen bekommt, wird aus den übrigen Kleinparteien dann eine Regierung gebildet. Die, die sich nun anbahnt aus Linke, SPD und Grünen bedeutet für die einen den Untergang des Abendlandes und für andere wiederum den großen sozialen Aufbruch. Warum weder das eine noch das andere ansteht, wusste unser Autor Simon Rubaschow, ohne dass wir ihn dazu befragt hätten. In seiner Rezension zum Film „Die wilde Zeit“ in dieser Ausgabe schreibt er: „Die Revolutionierung der Verhältnisse kann […] nur als Revolutionierung aller gesellschaftlichen Verkehrsformen gelingen, ansonsten schlägt sie in eine konterrevolutionäre Praxis um, die Politik als bloßen Kampf um Herrschaft versteht, sich auf die Organisierung von Hegemonie […] zurückzieht und […] zugunsten von Massenkompatibilität jeden transformatorischen Anspruch aufgibt.“ Weil also neue Inhalte neuer Formen bedürfen und die rot-rot-grünen Parlamentarier_innen sich in den bestehenden ziemlich wohlfühlen, deswegen gibt es ein paar Euro mehr für Anti-Nazi-Projekte, aber keinen Umbruch in der Gesellschaft, die die Nazis erst hervorbringt. Deswegen werden wir uns vielleicht an Aufmärsche wie den vom 9. November gewöhnen müssen, als 800 mit Fackeln bewaffnete Antikommunist*innen aller Lager den Jahrestag der Reichspogromnacht auf dem Domplatz begingen, weil sie um den Fortbestand des besagten Abendlandes oder einfach um ihre Privilegien fürchteten.
Gegen noch üblere Menschenfeinde als die aktuellen deutschen Antikommunist_innen kämpfen derzeit die Kurdinnen und Kurden in Syrien und im Irak. Über diesen Kampf haben wir ein ausführliches Interview mit dem kurdischen Aktivisten Ercan Ayboga geführt. Außerdem findet ihr in der aktuellen Ausgabe eine Auseinandersetzung mit der Erfurter Montagsquerfront, linken Kongressen, trauriger Praxis und vieles mehr. Lasst mal von euch hören!

Eine schöne Zeit der besinnungslosen Besinnlichkeit
– auch Weihnachten genannt –
wünscht
eure Lirabellen-Crew!

Inhalt

  • News
  • Leserbriefe
  • Interview: „Gegen faschistische Kräfte, die nur die Vernichtung wollen, hat man das Recht, sich mit Waffen zu verteidigen“
    Ox Y. Moron und Eva Felidae im Interview mit Ercan Ayboga, einem Mitglied des Kulturverein Mesopotamien. Das Interview wurde am 28.10.14 geführt, es dient weniger der aktuellen Information über den Angriff des IS auf Rojava, als der Schaffung eines allgemeinen Überblicks über den Konflikt und seine Beteiligten.
  • Einschätzung: TTIP – Die Wirtschaftsnato
    Volker Henriette S. bringt ein wenig Licht ins Dunkle der stattfindenden Verhandlungen um TTIP und macht auf Konsequenzen aufmerksam, die bei einem Inkrafttreten des Handelsabkommens folgen werden.
  • Einschätzung: Immer wieder montags – Für Frieden ohne Freiheit
    Totgesagte leben bekanntlich länger, wobei die Vitalfunktionen der neuen Montagsdemonstranten lediglich in physischer Hinsicht einwandfrei vom Autor validiert werden können. Ox Y. Moron über eine stagnierende Bewegung, die keiner gebraucht hätte.
  • Intervention: Vorschläge zu linken Konferenzen
    Ich gehe gerne mit Freund_innen auf linke Kongresse. Mit Faszination beobachte ich, wie die verschiedenen Kegelclubs und Kaninchenzücher_innenvereine der Linken ihre ganz spezifischen Schrullen pflegen. Besonders schön ist es, wenn Leute sich ganz anders verhalten als erwartet, wenn z.B. die vermeintliche Macker-Antifa lecker kocht und ganz entzückend freundlich bei der Essensausgabe ist. Die folgenden Vorschläge zur Kongress-Gestaltung sind bei einem Kongress entstanden, bei dem viele Klischees bedient wurden. Von Pierre Bourdieu (angefragt).
  • Reaktion: Selbstmitleidig, weinerlich, peinlich, irgendwie egal
    Maximilian N. Conrady formuliert in einer Reaktion auf Jens Störfrieds Artikel aus der letzten Lirabelle Zweifel an der Idee, Freude und Lust zum Zentrum der politischen Praxis zu machen. Um den falschen Gegensatz von echtem und bloß oberflächlichen Empfinden zu überwinden, betont sie die Bedeutung des Beschädigtseins in kapitalistischen Verhältnissen. Die Autorin ist Mitglied des Club Communsim.
  • Bericht: Gedanken zu Majdanek
    Im Oktober 2014 findet sich eine Reisegruppe von 30 Menschen zusammen, um gemeinsam an einer Bildungsfahrt nach Lublin, Treblinka und Warschau teilzunehmen. Viele der jungen Menschen sind das erste Mal in Ostpolen. Sie wollen an historischen Orten mehr erfahren über die nationalsozialistische „Aktion Reinhardt“ – vielleicht auch ein wenig verstehen – mit dieser Hoffnung werden wohl viele solcher Bildungsfahrten konzipiert – eingelöst werden, kann sie nicht. Eine Teilnehmerin reflektierte etwa „Je mehr ich erfahre, desto weniger Sinn macht es.“ Auch deshalb ist dieser Bericht ein Sammelsurium an brüchigen, unvollständigen Gedanken zum Besuch Lublins und der Gedenkstätte Majdanek. Von Franziska.
  • Buchrezension: Die Bewegung muss breiter werden!
    Gwen rezensiert ein Buch über die Diktatur der Schlankheit und den Widerstand gegen unbarmherzige Körpernormen.
  • Filmrezension: Die unendeckte Zeit
    Auf der Suche nach einer revolutionären Praxis kuckt sich Simon Rubaschow den Film „Die wilde Zeit“ an.
  • [neu] Repressionsschnipsel
    Diese neue Rubrik fokussiert aktuelles Geschehen in Sachen Repression. Für die Zuarbeiten danken wir den Rote Hilfe Ortsgruppen Erfurt, Weimar und Jena als auch der Soligruppe „Weimar im April“.
  • Die Aluhut-Chroniken III: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

Lirabelle #6

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Editorial

Die Uni Bielefeld versucht seit den 2000er-Jahren herauszubekommen, warum so viele Deutsche ihre Nachbarn totschlagen. Früher sagte man, das liege am Faschismus und am Rassismus. Aber Faschismus und Rassismus sind hässliche Wörter, sie erinnern an die Geschichte und daran, dass auch der Staat manchmal die besagten Nachbarn schikaniert, herumschubst und abschiebt. Also hat die Uni Bielefeld den Begriff der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit erfunden, kurz: GMF. Antirassistische Projekte können damit z.B. Mittel beantragen, ohne von Rassismus zu reden. Politiker_innen können begründen, wieso es Projekte gegen Nazis geben muss, ohne Faschismus in den Mund zu nehmen. Bildlich ausgedrückt könnte man sagen: Mit GMF muss man im Hause des Henkers nicht mehr vom Strick reden und kann trotzdem die Hinrichtung kritisieren. Auch die Lirabelle erhält Fördermittel, um gegen GMF einzutreten.
Seit 2010 fällt die Ablehnung von Langzeitarbeitslosen unter GMF. Wir warten nun gespannt auf die ersten Sitzblockaden vor der ARGE, flankiert von Outings besonders menschenfeindlicher Sachbearbeiter_innen. Auch wird es Zeit, den Aufgabenbereich der Mobilen Beratung und der Opferberatung auf Betroffene von Sanktionen der Ämter auszudehnen oder dafür neue Beratungsteams zu schaffen. Die Lirabelle macht in dieser Richtung den Anfang und druckt in dieser Ausgabe als Teil ihres Engagements gegen GMF einen Vorschlag zum Umgang mit Eingliederungsvereinbarungen.
Die Texte über das Leben der Rroma und Homophobie in der Ukraine haben im engeren Sinne mit GMF zu tun, der Text über Naziaufmärsche und den Volkstrauertag sowieso. Dass eine Gesellschaft dabei zusieht, wie Menschen auf der Straße erfrieren, während Häuser leer stehen, ist natürlich ebenfalls GMF, wie man sich gegen die menschenfeindlichen Verhältnisse am besten organisiert und welche Rolle dabei Utopien spielen, sollte auch passen.
Und wo es nicht passt, sagen wir einfach mal: Im Kern geht es uns darum, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Wenn das mal nicht gegen GMF ist!

das Redaktionskollektiv der Lirabelle.

Inhalt

  • News
  • Das Leben der Rroma
    Von der Redaktion angefragt, einen Text über die Situation von Rroma in Thüringen zu schreiben, fielen mir gleich ganz viele Sachen ein, die ein eher düsteres Bild auf die BRD werfen würden. Für mich wäre es logisch gewesen, über die katastrophalen Zustände in der Erfurter Ausländerbehörde, wo die Bediensteten auch nicht mehr als Deutsch können, zu berichten. Oder über die mit Textbausteinen auskommenden Ausreiseaufforderungen, wo verlangt wird, die BRD innerhalb einer Woche zu verlassen. Aber klar ist, dass mein Blick auf die Situation anderer Menschen nur sehr eingegrenzt sein kann. Deshalb hab ich mit drei Rroma aus Erfurt gesprochen. S, A und D möchten anonym bleiben. Vor dem Interview regten sie an, den Titel dieses Beitrages abzuändern. Deswegen geht es in diesem Text um das Leben der Rroma. Ein Beitrag von Davina Bohne.
  • Die Revolution von Rojava und die Selbstverwaltung
    Ercan Ayboga über eine Delegation der Kampagne „Tatort Kurdistan“, die im Mai 2014 selbtverwaltete Gebiete in Nordkurdistan besucht hat.
  • Es wird Herbst im Ignorantenstadl
    Ox Y. Moron wirft einen Blick auf die nächste Auflage eines der größten regelmäßigen Naziaufmärsche in Thüringen. Zum Volkstrauertag am 16. November 2014 jährt sich das „Heldengedenken“ in Friedrichroda zum 12. Mal.
  • Konzept offene Basisgruppe
    Gruppe Pekari über szenige Exklusivität und den eigenen Organisierungsprozess
  • „THIS is Propaganda – Yeah! Yeah! Yeah!“*
    * So lautete die Aufschrift eines selbstironisches Plakats bei einer einer Hausbesetzung am 1. und 2. Juli in Jena, die Jens Störfried im Folgenden illustriert und interpretiert.
  • Neues aus der ARGE – Auf dem Weg zur Selbstermächtigung
    Yvettes letzter Beitrag in der Lirabelle #2 „Auf dem Weg zur Selbstermächtigung“ scheint doch zuweilen Zuspruch gefunden zu haben. Jedenfalls wurde dieser des öfteren zum Gesprächsthema in verschiedenen sozialen Zusammenhängen. Und es wurde gar gemunkelt, dass er als Beispiel für Interventionsstrategien in einem Vortrag an einer mir nicht näher bekannten Berliner Hochschule benutzt wurde. Schließlich wollten einige Leserinnen wissen, wie es weiter ging.
  • Utopien zwischen Freiheit und Ordnung
    Das Biko und Freund_innen im Gespräch über Utopien, politische Perspektiven und die Revolution.
  • „Propaganda der Homosexualität“
    Alexander Amethystow über eine Debatte in der Ukraine – vor und nach Maidan
  • Rezension: „Ich – das sind die andern“
    Eine Rezension über das unsterbliche Kind der Armen von Franziska.
  • There is something in the rain
    Ein Bericht zum Hausfest in Gotha von Thüringen-Punk.
  • Flanieren im Schweinesystem
    Hier spricht Stanley Schmidt. Guten Tag!
  • Aluhut-Chroniken II: König von NeuDeutschland

Lirabelle #5

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Editorial

Die neuen Montagsdemonstrationen haben uns dazu bewogen, einen mutigen Schritt zu tun. Wir müssen zugeben, dass es nicht die Federal Reserve sondern die Lirabelle ist, die hinter der gefälschten Mondlandung steckt. Man munkelt, der CIA habe 9|11 inszeniert. In Wirklichkeit haben wir das Geld für den Sprengstoff beim Lokalen Aktionsplan beantragt. Und HIV hat sich – auch das muss man endlich mal schreiben dürfen – aus den hygienischen Zuständen in der Mini-Bar unserer Redaktion entwickelt. Das wichtigste Geständnis, zu dem uns die mutige Intervention der neuen Bewegung gebracht hat, ist aber, dass die Presse lügt. Jedes einzelne Wort in der Lirabelle ist gelogen.

Deswegen gibt es auch diesmal keinen Kulturteil, keine wilden ideologiekritischen Pamphlete, keine Kritik der Montagsdemos und der AfD und wir haben auch nicht vor, in Zukunft in jeder Ausgabe eine Verschwörungstheorie vorzustellen. Und zur Lage in der Ukraine wollen wir schon gar nichts sagen.

Und wir wollen auch nicht, dass sich die Leser_innen an der Diskussion beteiligen. Wir wissen nämlich selbst ganz genau, wie die Welt funktioniert und schreiben das alles hier sowieso nur für uns. Jetzt wird es also Zeit, die Lirabelle aus der Hand zu legen und sich individuell der Passivität hinzugeben, denn:
Die Presse lügt!

Das Redaktionskollektiv der Lirabelle.

Inhalt

  • News
  • Leserbrief von Katz Olution vom 17.04.14
  • „Wir wollen in Ruhe und mit euch zusammen in Deutschland ein normales Leben führen.“*
    Wie ein normales Leben inmitten des Bestehenden überhaupt möglich sein kann oder aussieht, darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. Stattdessen geht es darum aufmerksam zu machen, auf unsere Genoss*innen der Initiative Roma Thüringen.
    Die Autorin Lulu Roña sprach mit Aktivist*innen der Initiative Roma Thüringen und nahm an verschiedenen Aktionen teil. Sie bleibt damit in einer Stellvertretungsperspektive und außenstehend.
  • Karriere schaffen ohne Waffen
    Ox Y. Moron geht den antimilitaristischen Attitüden und antiemanzipatorischen Vorstellungen einiger Jungpolitiker der Linkspartei nach.
  • „Meine Meinung ist genauso falsch wie eure“
    Beim Erscheinen dieses Artikels sind die „neuen“ Montagdemos wahrscheinlich schon Geschichte, höchstens noch eine Randbemerkung im Kalender des Ordnungsamts. Georg Dorn wagt einen Blick zurück.
  • AfD – Alles Nazis oder was?
    Lisa und Frank schauen sich nach den jüngsten Wahlerfolgen der AfD deren Entstehungshintergründe, Personal und Positionen genauer an.
  • Innenansichten aus dem Rachen der Arbeitsbestie
    Kexer berichtet, wie es um den staatlichen Angriff auf Arbeitslose zehn Jahre nach der Einführung von Hartz IV bestellt ist.
  • Darstellung und Interpretation der Hausbesetzung am 06.12.2013 in der Neugasse 17 in Jena
    von Jens Störfried.
  • „Unsere Solidarität, die könnt ihr haben!”
    Die Josef-Soligruppe aus Jena resümiert die bisherige Entwicklung, um anschließend zentrale Aspekte unserer Solidaritäts- und Antirepressionsarbeit zu hinterfragen.
  • Blutige Geopolitik in Osteuropa
    Ein Thema, das Medien und viele Menschen in den letzten Wochen bewegte, ist der Ukrainekonflikt. Das Töten geht auch nach der Präsidentenwahl weiter. Weshalb die Ukraine solch ein Zankapfel ist, analysiert Volker Henriette Swesda.
  • „DAS PUNK DAS AUS DEM SUMPF KAM“
    Lirabelle trifft Punxboottour: Alles, was Punks wissen müssen, wenn sie auf der PBT dabei sein wollen und es heißt „Erfurt entern!“
  • Plattenkritiken
    Polyvinylchlorid stellt in dieser Ausgabe der Lirabelle drei Platten vor. Eine kurze Selbsteschreibung des Autos Polyvinylchlorid: Aufgrund der politisch-unangepassten und antifaschistischen Meinung der Jugendsubkultur namens „Punk“, wird es hauptsächlich Musikbesprechungen aus diesem Umfeld geben. Als nicht abgeneigter Gesinnungsbruder dieser hallodrigen Zunft, kann ich voller Stolz behaupten, bereits einen 3×2 Meter großen antifaschistischen Schutzwall aus Schallplatten vorweisen zu können (Tendenz wachsend).
  • Im Keller der Ohnmacht
    Was manche Punksongs ihm zu sagen haben, versucht Simon Rubaschow auf den Grund zu gehen.
  • Mit „Freier Energie“ zum Mond und zurück
    „Freie Energie“ wurde 2013 im anarchistischen Heftchen „Zündstoff“ aus Gotha vorgestellt und wird dieser Tage auf Montagsdemos und im Internet beworben. Die Anhänger der „Freien Energie“ wollen eine Maschine bauen, die mehr Energie abgibt, als sie aufnimmt – ein Perpetuum Mobile. Als wäre das nicht schon phantastisch genug, versprechen sie dazu, dass diese Maschine leicht zu bauen und umweltfreundlich zu betreiben sei. Martin Weise über ein pseudowissenschaftliches Konzept und eine missionarische Szene.
  • Die Aluhut-Chroniken I
    Nachdem sich jüngst auch wieder in Thüringen Verschwörungstheorien steigender Popularität erfreuen, präsentieren wir euch in der Lirabelle nun eine neue Rubrik: die Aluhut-Chroniken. Hier wollen wir euch alle drei Monate einen neuen Versuch vorstellen, wie Verschwörungstheoretiker die Welt erklären. Diese Woche wenden wir uns den Reptiloiden zu.