Kategorie-Archiv: Aluhut-Chroniken

Carpe Diem, Öffne dein Herz – Yoga und die Energie des Kosmos

Bevor ich die erste Bewegung beim Yoga mache, werde ich gebeten anzukommen. Was schön ist – den Fokus auf das zu richten, was jetzt ist, fällt oft schwer. Doch dann geht die Einstimmung weiter.

Die Yoga-Lehrerin sagt: Sei dankbar. Ich höre: Es gibt keinen Grund sich zu beschweren, unzufrieden zu sein und etwas zu kritisieren.
Sie sagt: Richte den Blick nach innen. Ich höre: niemals nach außen, nimm hin, richte dich ein. Veränder‘ dich, aber nicht die Gesellschaft.
Manchmal klappt das auch ganz gut – ich kann Dinge annehmen, die ich nicht ändern kann. Doch oft nicht: Ich werde wütend und nicht entspannter.

Trotzdem mache ich Yoga. Seit Jahren mache ich mehr oder weniger gern Sport. Joggen, Fahrradfahren, Fitness-Studio, Gymnastikkurse, Klettern, Squash… Immer bin ich vollkommen überzeugt, dass der Sport, den ich gerade mache, der absolut Beste ist! Für die Gesundheit, für den Rücken, für die Fitness und fürs Wohlbefinden. Jetzt bin ich beim Yoga hängengeblieben. Das ist so ein Hype gerade. Alle machen Yoga und wenn sie das erzählen, sehe ich Freude in ihren Augen.

Bei der Auswahl des Yogastudios habe ich versucht, darauf zu achten, dass die Eigendarstellung nicht so esoterisch klingt und auch auf die Farben. Die Abwesenheit von Orange gibt erstmal Hoffnung. Das Yogastudio, in das ich jetzt gehe, hat gelbe Wände und der Duft von Räucherstäbchen hängt in der Luft. In meinem Yogastudio wird nie gesungen, es gibt kein ‚Om‘, trotzdem Reinigung der Chakren (so wie ich das verstehe, sind das so Energiezentren im Körper, die mit verschiedenen Eigenschaften verbunden sind und je nachdem, bei Blockierungen kommt es zu Krankheits- und Unwohlseinssymptomen) und sanfte Gehirnwäsche… Ich wähne mich sicher, weil aufgeklärt und hoffentlich immun.

Es kommen eigentlich ausschließlich Frauen, einmal war ein Mann von einer Frau mit – offensichtlich zum ersten und dann auch zum letzten Mal. Im Gleichtakt üben wir uns in Grazilität – schlanke, weiße, vermutlich akademische Frauen. Wir machen ‚den Tänzer, ‚den Krieger‘, ‚die Heuschrecke‘, atmen und reinigen unsere Chakren. Ich fühle mich danach gut, der ganze Körper kommt in Bewegung. Zudem verändert sich der Körper hin zum neuen Schönheitsbild von Frauen: schlank, beweglich und muskulös (selbstverständlich nicht zu sehr).

Beim Verlassen der heilen Welt aus Reinheit, Ausgeglichenheit, Güte und Gelb fühle ich mich immer ausgeglichen und entspannt. Kritisch bleibe ich dennoch, doch weiß ich nicht, wie viel der seltsamen Ideologie ich ‚wegatmen‘ und ‚wegdanken‘ kann und wie viel sich schon breit gemacht hat.
Manchmal gehe ich also dankbar nach Hause und kann nicht trennen, ob es einfach die Befriedigung nach dem Sport ist oder ob ich nicht doch langsam glaube, dass ich verantwortlich bin für die Glückseligkeit in der Welt. So wie ich strahle, strahlt es zurück.
Beim Stöbern im Internet stoße ich auf reinigende Ernährung, die auf Yoga beruht: Vormittags nichts essen, sondern nur einen Tee trinken. Das mag für Leute in Bürojobs machbar sein, doch sicher nicht für Menschen, die körperlich hart arbeiten, wie auf dem Bau oder Menschen, die im Schichtsystem tätig sind.

Im Wartezimmer meiner Ärztin eine Yogazeitung. Neugierig blättere ich darin rum. Ich finde das passende Outfit: Spiritual Warrior – genau die Ebene, auf der die Kämpfe von heute stattfinden, sicher. Passt sehr gut zu all den reflektierten Menschen, die immer das richtige tun – individuell. Doch das ist auch erhaben, wenn man sich anschaut, welche existenziellen Kämpfe Menschen gerade überall zu führen haben… Die können sicher nix ‚wegatmen‘ oder ‚-lächeln‘.
Zudem erhalte ich Informationen zum berühmtesten Yoga-Guru aktuell – surprise, surprise: Es ist ein Mann. Wer führt und wer sich führen lässt, ist klar geregelt…

Achja, ich werde auch darüber aufgeklärt, dass ich ein Lichtwesen sei und selbstverantwortlich für meine Freiheit. Dann atmen wir es an oder machen ‚die Kriegerin‘ gegen den Kapitalismus?
Weder Yoga, noch meine Freundlichkeit noch Herzlichkeit werden mich aus den gesellschaftlichen Zwängen befreien, sondern eher noch in dem erlernten Verhalten als Frau bestärken: Ich bin verantwortlich für das Wohlergehen von mir selbst, aber auch für das der anderen, wenn ich das Positive weitertrage. Erreichbar ist das durch Disziplin. Disziplin und Arbeit an sich selbst – das ist wirklich schon uralt und tief verankert in der Gesellschaft. Es führt zu Spaltung und der Legitimation gesellschaftlicher Ausschlüsse…Öffne dein Herz also für die, die es verdient haben…

Nicht existente Viren und seelische Krankheiten

Die Masern – eine vermeintlich harmlose Kinderkrankheit mit ungeahnten Spätfolgen sind wieder auf dem Vormarsch, mit ihnen flammt auch die Kritik am Impfschutz wieder auf.

Die Masern zählen zu den ansteckendsten Krankheitserregern, mit denen sich ein Mensch infizieren kann. Schon ein Niesen ist ausreichend, damit die Erreger übertragen werden. Doch das müsste nicht sein, die Krankheit könnte, wie beispielsweise die Pocken, längst ausgerottet sein. Symptome wie bestenfalls geschwollene Augen, Ausschlag, Übelkeit, Kopfschmerzen, hohes Fieber könnten verhindert werden, gäbe es da nicht die sogenannten Impfgegner, die Menschen immer wieder einreden, Impfungen würden ihren Kindern enorme Schäden zufügen und nur der Pharmaindustrie von Nutzen sein.

Statt ihr Kind impfen zu lassen, nehmen viele Eltern aufgrund solcher hartnäckigen Gerüchte daher lieber das Risiko einer SSPE Erkrankung (subakute sklerosierende Panenzephalitis) in Kauf, welche sich zunächst durch Gleichgewichtsstörungen äußert und später zum Verlust des Geh- und Sprachvermögens und letztlich zur Auflösung des Gehirns und zum Tod führt. Doch wie kommt es zu so einer irrationalen Einstellung Einzelner? Warum schätzen viele das Impfrisiko höher ein als das Infektionsrisiko?

So zählen Impfungen doch schließlich zu den größten Errungenschaften in der Medizin. Krankheiten wie die Pocken oder die Kinderlähmung konnten ausgelöscht beziehungsweise weitestgehend verdrängt werden.

Trotz dieser Tatsache ist immer wieder die Rede von angeblichen Giftstoffen des Impfstoffes, die der Körper selbst nicht mehr loswird. Dies ist jedoch wissenschaftlich kaum haltbar. Denn die Impfviren werden vom Körper wieder abgebaut, Zusatzstoffe sind lediglich in unbedenklicher Konzentration enthalten. Studien, die diese Vorurteile bestätigen, gibt es zudem nicht.
Also woher stammen nun diese Ängste?

Der Ursprung für all die Sorgen könnte die Studie von Andrew Wakefield aus den 1990er Jahren gewesen sein. Im Jahr 1993 erkrankte ein Junge an Autismus. Die Mutter meinte, dies wurde durch die zuvor getätigte Impfung ausgelöst und begab sie auf die Suche nach einem Arzt, der diese Einschätzung teilte. Sie fand ihn in Andrew Wakefield. Dieser spürte zwölf vergleichbare Fälle von autistischen Kindern auf, die zuvor geimpft worden waren. Er veröffentlichte eine Studie, in der er behauptete, dass die Impfung gegen Masern ein erhöhtes Autismus-Risiko bürge. 1998 wurde die Arbeit in einem angesehenen Magazin („The Lancet“) veröffentlicht, woraufhin in Europa die Impfbereitschaft blitzartig zurückging. Im Jahr 2010, stellte sich erst heraus, dass die Studie eine Fälschung war. Der Artikel wurde zurückgezogen, und Wakefield verlor seine Zulassung. Es wurde klargemacht: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Autismus und Impfung. Der negative Ruf von Impfungen hält sich, obwohl schwerwiegende Impffolgen viel seltener sind als schwer verlaufende Masernerkrankungen, bis heute.

Auch der Impfgegner Hans U. P. Tolzin trägt mit seinen haltlosen Äußerungen nicht gerade dazu bei, die positiven Argumente einer Impfung hervorzuheben. Er hat es sogar geschafft, seine Ansichten im „ARD Morgenmagazin“ und in der Phoenix-Runde zu verbreiten. Laut Tolzin seien Masern keine Viren (denn Viren sind eine Erfindung der Pharmaindustrie), sondern eine Krankheit, die sich aus dem Körper selbst, von innen heraus, entwickle und nicht etwa durch Ansteckung übertragen wird. Er ist Anhänger der „Neuen germanischen Medizin“ welche glaubt, dass alle Krankheiten (z.B. auch Krebs) nur Reaktionen des Körpers auf seelische Konflikte seien. Das Masern-Virus sei ein Konstrukt der Herrschenden, um die Menschen zu unterdrücken und die Medien sind natürlich ein Teil dieser Verschwörung. Indem sie Angst verbreiten und Impfungen verteilen, wollen sie die Menschheit reduzieren. Solche Auffassungen werden dann in Seminaren verbreitet. Die Kritik der etablierten Wissenschaft beirrt diese Leute schon längst nicht mehr. Dass Masern-Impfungen laut WHO zwischen 2000 und 2013 weltweit 15,6 Millionen Todesfälle verhinderten, ist dann wohl auch uninteressant. Im Jahr 2013 starben weltweit jede Stunde 16 Menschen an Masern. Großteils betroffen waren Kinder unter 5 Jahren, litten diese alle unter seelischen Schäden?

Fakt ist: Neun von zehn nicht geimpften Menschen erkranken an Masern, wenn sie mit dem Erreger in Kontakt kommen. Wohingegen die Zahl der ernsthaften Impfschäden minimal ist. Bei der letzten Erhebung kamen die Forscher auf sieben schwerste Komplikationen pro 16 Millionen Impfstoffdosen.1 Zudem könnten Masern ausgerottet werden, wenn sich mindestens 95 Prozent der Bevölkerung impfen ließe.

Wer also weiterhin die guten Argumente, sich bzw. sein Kind impfen zu lassen einfach leugnet, sollte zumindest aufhören, falsche Ansichten zu verbreiten, denn um eine Erkenntnis kommen die Impfgegner dann in der Praxis vielleicht doch nicht herum: Sie brauchen nicht all ihre Kinder impfen lassen, nur die, die sie behalten wollen.

Florit macht dum

Wer hat nicht schon einmal von ihnen gehört – Personen, die bewusst darauf verzichten, Mineralwasser zu sich zu nehmen, weil diesem Fluorid beigesetzt wird und die aus demselben Grund seltsam klingelnde, überteuerte Zahncremes kaufen? Auf genauere Nachfrage, aus welchem Grund Fluorid so schlecht für uns sei, haben sie meist nur schwammige Erklärungen parat oder verweisen auf einen von unzähligen und durchaus fragwürdigen Internetbeiträgen. Es ist schon erstaunlich, wie viel Input das Internet zu diesem Thema zu bieten hat. Einige, durchaus seriös wirkende, Seiten sprechen von Fluoriden als Verursacher von Leiden wie Arthritis, Diabetes, Schilddrüsen- oder auch Nierenerkrankungen. Weiterhin gibt es Verschwörungstheorien, aus denen hervorgeht, dass Fluorid willenlos und dumm mache. Man behauptet, die Bevölkerung werde damit – ähnlich wie bei den „Chemtrails“ – gezielt ruhig gestellt, um alles zu akzeptieren, was die Regierung ihr aufbürdet. Die Unterstellung, die Aluminiumindustrie wolle ihr überschüssiges Fluor gewinnbringend entsorgen, und setze es daher Lebensmitteln wie Trinkwasser und Speisesalz zu, ist ein weiterer Bestandteil solcher Theorien. Daher sei auch die Kariesprophylaxe mithilfe von Fluoriden nur vorgetäuscht und schade den Menschen in Wirklichkeit.
Tatsächlich werden Fluoride in einigen Ländern dem Trinkwasser zugesetzt. In Deutschland wird jedoch niemandem eine gefährliche Dosis zwangsverabreicht. Der Richtwert für die tägliche Fluoridzufuhr liegt bei Erwachsenen bei 3,8 mg pro Tag. Ab 5 mg Fluorid muss auf dem Etikett ein Warnhinweis stehen, dass nur eine begrenzte Menge getrunken werden soll, da es sonst gesundheitsschädigende Folgen haben könne. „Man weiß ja nie, wie viel Fluorid das Wasser wirklich enthält, und ob die da auch alles draufschreiben.“, hört man die Fluoridgegner dann raunen.
Auch in den sozialen Medien werden immer häufiger Horrorszenarien geschildert. So hat eine Frau beispielsweise über 17 Jahre lang täglich mehrere Kannen schwarzen Tees mit 100-150 Teebeuteln zu sich genommen. Dass das nicht gesund sein kann, liegt auf der Hand: Ihr Gebiss wurde dadurch völlig zerstört. An dieser Stelle wird deutlich, was auch für den Gebrauch von Fluorid gilt: die Dosis macht das Gift. Ein gutes Beispiel hierfür bietet auch der tägliche Bedarf an Zahnpasta, welcher ja bekanntlich – zumindest den gebräuchlichen Sorten – Fluorid beigesetzt wird, um die Zähne vor Karies zu schützen. In einer Tube sind davon gerade einmal 0,1% zu finden. Um den Knochen und Zähnen damit Schäden zuzufügen, muss man das „Gift“ über mehrere Jahre hinweg überdosiert zu sich nehmen. Um gar an einer Fluoridüberdosis zu sterben, müsste ein Erwachsener mehr als drei Kilo Zahnpasta am Tag essen. „Schon 3kg Zahnpasta sind tödlich“ – würden die Fluoridgegner wohl daraus machen. Zum nächsten Zahnpasta-Gelage sollte man diese dann wohl besser nicht einladen.

Schlafen mit Aluhut

Wie ihr in unserem Editorial schon vernehmen musstet, sind die staatlichen Geldquellen für die Lirabelle unter Mithilfe der AfD sowie weiterer Kräfte ausgetrocknet worden. Bis die Kohle vom Mossad eintrifft, schlagen wir einfach zurück und finanzieren uns über Werbebanner, die potentielle AfD-Wähler ansprechen sollten und die, wie das im Aluhut-Milieu häufig so ist, widersprüchlicher kaum sein könnten.

Wunderheilmittel

Dir schmerzt es im Rücken? MMS! Du bist zu dumm? Black Goo! Dir juckts in der Nase? MMS! Du hast kein Kollektivbewußtsein? Black Goo! Eine Ärztin diagnostiziert bei dir HIV? MMS! Du willst telepathische Verbindungen zu Tieren und Pflanzen? Black Goo!

Wer sich schon einmal in die bunte Welt der Alternativmedizin verirrt hat, wird es kennen: Globulis helfen gegen alles. Eigenbluttherapien siegen, wo hochtechnologisierte Schulmedizin versagt und die unbeschreibliche Wirkmächtigkeit von Schüßler-Salz muss hier nicht extra erwähnt werden. An dieses Zeug kann geglaubt werden oder nicht, der Schaden bei Einnahme hält sich jedoch in Grenzen. Doch gegen die „dunkle“ Seite der Alternativmedizin, sind diese homöopathischen Mittelchen wahre Schmusekätzchen: wirkungslos aber wenigstens nicht schädlich. Doch wenn das „Miracle Mineral Supplement“ (auch „Vitamin O2“ kurz MMS) oder das „intelligente Öl“ (auch „fühlendes Öl“ oder „schwarzer Glibber“, meist jedoch „Black Goo“) in Spiel kommen, dann ist der Giftschrank der sogenannten Alternativmedizin ganz weit offen. Dann bekommt meist nicht nur der Geldbeutel ein großes Loch, sondern bald auch wichtige Organe im eigenen Körper.

Für Uneingeweihte ist MMS lediglich ein Gebräu oder eine Pille auf Basis eines Desinfektionsmittels, welches wiederum toxische und umweltschädliche Chlordioxide unter bestimmten Bedingungen freisetzt. Für „Eingeweihte“ soll MMS gegen „böse“ Viren und Bakterien vorgehen (Malaria, oder der HI-Virus) die „guten“ Bakterien aber verschonen. Wissenschaftlich ist das natürlich nicht haltbar. Dennoch gibt es immer wieder Menschen, die sich Einläufe mit dieser Brühe machen. Auch wenn der Einsatz von Chlordioxiden tatsächlich zur Desinfektion von Trinkwasser genutzt wird, ist die dortige Dosierung viel geringer, als bei einer Einnahme von MMS-Präparaten.

In Form von Globulis soll Black Goo die erfundene Krankheit „Morgellonen“ heilen, telepathische Verbindungen zu Pflanzen und Tieren ermöglichen und die Intelligenz des Konsumierenden erhöhen. Nach Meinung von David Griffin ist Black Goo auch für den Falklandkrieg verantwortlich. Seine „Recherchen“ „belegen“, dass es südlich der Falklandinseln eine „Thule-Insel“ gibt, auf der das intelligente Öl durch Argentinien abgebaut wurde. Das nach Großbritannien exportierte Black Goo soll Mitarbeitende einer Rüstungsfirma getötet haben und daraus sei dann der Falklandkrieg erwachsen. So behauptet es jedenfalls Griffin und seine Gruppe „Exopolitics UK“, die sich eigentlich der Bekanntmachung außerirdischen Lebens auf der Erde widmet. Bleibt am Ende nur die Frage, ob die Verbesserung der Intelligenz durch Black Goo auch wirklich von Dauer ist. Sollte die Dummheit durch das „intelligente Öl“ irgendwann ausgerottet sein, gibt es ja dann auch keine Konsument_innen mehr.

Terror unterm Aluhut

Die Attentatsserie in Paris am 13. November 2015 ist kaum ein paar Stunden alt, da tauchen schon die ersten Verschwörungsideen im Internet auf. Eine der ersten dürfte die „Menschenrechtsaktivistin“ Mary Hughes-Thompson gewesen sein. In einem Tweet schreibt sie: „Ich sage nicht, dass Israel dafür verantwortlich ist. Aber Bibi [Spitzname von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu] ist sauer wegen des europäischen Siedlungs-Boykotts.“ Und dann kommt der Klassiker aller Verschwörungsideolog*innen, die rhetorische und so viel mehr beantwortende als fragende Frage aller Frage: „So who knows?“. Tja, wer weiß es? Mit Sicherheit wissen es zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rettungs- und Sicherheitskräfte, die versuchen im Chaos der verschiedenen Anschlagsorte den Überblick zu bewahren, und auch die meisten Politiker*innen hielten sich in den ersten Stunden mit Vermutungen stark zurück. Aber Mary Hughes-Thompson, eine Initiatorin der „Free Gaza“-Bewegung, konnte dem Impuls einfach nicht widerstehen das aktuelle Weltgeschehen ihren verkorksten Wahnvorstellungen anzupassen. Ihr sollten in den nächsten Stunden noch viele berühmt-berüchtigte Kolleg*innen aus dem Aluhutkollektiv folgen. Doch bleiben wir erst einmal bei Hughes-Thompsons Theorie, dass der israelische Staat (oder verkürzt: „die Juden“) hinter den Terrorattacken steckt. Eine Theorie, die bei Terror unter eigentlich allen Terroranschlägen früher oder später von jemanden geäu- ßert wird. Dass dies bei den aktuellen Anschlägen noch größerer Bullshit ist als sonst, kann man schon an der Wahl des Bataclan-Clubs als Terrorziel sehen. Der Club hat immer wieder pro-israelische Veranstaltungen durchgeführt und die Band, die an diesem Abend im Bataclan spielte, die Eagles of Death Metal, hatte sich in der Vergangenheit immer wieder pro-israelisch geäußert. So schmetterten sie dem „Boycott Israel“-Aktivisten und Pink Floyd-Sänger Roger Waters ein deftiges „Fuck you“ entgegen, als dieser die Band dazu aufforderte ihre Auftritte in Israel abzusagen. Welches Interesse hat also der israelische Staat daran, zwei ausgewiesene pro-israelische Institutionen wie die Eagles of Death Metal und das Bataclan mit Terror zu überziehen? Die Antwort ist gleichzeitig ein wahres Zauberwort der Szene seit dem 11. September 2001: „false flag“: Jemand führt unter „falscher Flagge“ einen Anschlag durch, um den wahren Hintergrund zu verschleiern und andere zu belasten. „False flag“ erfreut sich so großer Beliebtheit in der Szene, weil auch nach dem Ende der Beweisaufnahme immer genügend Zweifel bleiben um alles und jeden als „möglichen Drahtzieher“ an den Pranger zu stellen. So macht es auch der Antisemit, Reichsbürger und Esoteriker Jo Conrad. Er hat auf Facebook schnell die Neue Weltordnung (NWO) als „Hintergrundmacht“ hinter den Anschlägen in Parisausgemacht. Natürlich nicht ohne die obligatorischen Fragezeichen und Konjunktiv-Formulierungen, denn „Ordo ab chao, Ordnung aus dem Chaos ist ihr Motto. Chaos können sie erzeugen. Ihre „Ordnung“ soll die totale Kontrolle sein, […]“ Natürlich stecken in solchen Posts auch ein paar Wahrheiten. Durch die neuen Terrorangriffe werden die Stimmen nach dem Ausbau des Überwachungsstaates wieder lauter werden. Die CSU in Person von „Kronprinz“ Markus Söder hat schon angefangen zu poltern. Und deswegen soll auch er in dieser Kolumne nicht fehlen. Macht Söder doch die „offenen Grenzen“ und Merkels Asylpolitik für die Attentate zumindest indirekt mitverantwortlich für die Anschläge. Dass die meisten Geflüchteten gerade vor diesem „alltäglichen“ Terror in ihren Ländern fliehen, blendet der bayrische Aluhutträger Söder einfach aus.
ABER bei all diesen Dummheiten, die die Verschwörungsdeppen an solchen Tagen von sich geben, gibt es auch immer wieder einen Typus, der uns schmunzeln lässt: Die Mathematiker*in unter den Aluhutträger*innen. Denn die hat das Ganze mal durchgerechnet und kommt auf folgendes Ergebnis:
11.09.2001: 1+1+9+2+1 = 14
13.11.2015: 1+3+1+1+2+1+5 = 14
Da bleibt uns also nur, an Tagen, die in der Quersumme 14 ergeben, den Aluhut aufzusetzen und in die Betonbunker zu fliehen. Das ist doch mal einwirklich guter Tipp in diesen unsicheren Zeiten.

Die Protokolle der Weisen von Zion

Die Protokolle der Weisen von Zion sind die vielleicht wirkmächtigste Verschwörungsideologie weltweit. Sie füllen die ansonsten hohlen Schädel der Knetbirnen nun schon über 100 Jahre und Versatzstücke und Motive aus den Protokollen sind in vielen anderen Verschwörungsideologien zu finden.

Das die Protokolle der Weisen eine Zusammenstellung mehrerer fiktionaler Texte ist, ist wissenschaftlich inzwischen gut belegt. Dass die Entstehungszeit Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts liegt ebenso. Doch alles weitere verschwimmt im Nebel aus Geschichte, Geheimdiensten und eben den guten alten Aluhüten. Die derzeit von der Wissenschaft bevorzugte Version sieht die Autor*innenschaft beim russischen Geheimdienst des Zaren. Anfang des 20. Jahrhunderts, als es im immer noch feudalen Russland schon ordentlich krachte, suchte das Regime des Zaren Verantwortliche, die dem Volk als Grund für ihr schlechtes Leben präsentiert werden sollten. So entstanden in Frankreich, Deutschland und Polen die Protokolle der Weisen von Zion. Gleichzeitig nutzte der Geheimdienst des Zaren, die Ochrana, die Protokolle aber auch um die Adligen und den Zaren vor „zu viel Liberalismus“ zu warnen.

Wie es sich für eine richtige Verschwörungsideologie gehört, gibt es verschiedene Versionen des Textes. Verbindendes Element bei allen ist das nächtliche Treffen der „jüdischen Führer“, die sich in den Reden ihre Pläne zur Weltherrschaft erläutern. Die Wege zur jüdischen Weltherrschaft sind aber von Version zu Version ein wenig verschieden. Häufig sind es jedoch das demokratische System, die Kulturindustrie und die Staatsverschuldung, die als Werkzeug zur Machtergreifung herhalten müssen.

Seit 1903 werden die Protokolle in Russland gedruckt und haben von dort aus einen zweifelhaften Siegeszug um die Welt angetreten. In den 1920er Jahren erlangte eine Version in den USA Ruhm und großer Verbreitung, die der Autofabrikant Henry Ford herausbrachte. Und auch die Deutschen waren nur zu gerne bereit, mit dieser Fälschung ihren glühenden Antisemitismus zu unterlegen. Obwohl der Text eine wilde Fälschung war, was schon bald nach seiner Entstehung gerichtsfest belegt wurde. 1933 bis 1935 verhandelte das Obergericht des Kanton Bern nach einer Klage des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds und der Israelitischen Kultusgemeinde Bern wegen Verstoßes gegen das bernische Gesetz über das Lichtspielwesen und Massnahmen gegen die Schundliteratur. Nach Anhörung zahlreicher Zeug*innen und Gutachter*innen war das Urteil eindeutig: Die Protokolle der Weisen von Zion seien „ein übles Machwerk, ein Plagiat und eine Fälschung.“

Allein dieses Urteil hat nichts gebracht. Noch heute werden die Protokolle in vielen Ländern reproduziert und rezipiert. Und es sind bei weitem nicht nur rechte Wirrköpfe, die die Lüge der jüdischen Weltverschwörung am Leben erhalten. Versatzstücke und Anleihen an das antisemitische Machwerk finden sich noch heute in Texten von linken Rapgruppen wie „Die Bandbreite“ über Bücher des (rechts-)esoterischen Koppverlags bis hin zu Neonazigruppierungen. Die Protokolle der Weisen von Zion sind in gewisser Weise eine gruselige Blaupause einer der ältesten Verschwörungsideologien die immer wieder modernisiert wurde. Heute ist sie die Grundlage vieler anderer Verschwörungsidologien, wie z.B. der FED-Verschwörung, der Ostküstenconnection, USrael und und und. Oder wie es Stefan Lauer einmal in Vice ausdrückte: „Alte Bauernregel: Verschwörungstheorien ohne Zionismus, jüdische Weltverschwörung oder Rassismus sind keine richtigen Verschwörungstheorien.“

Die Aluhut-Chroniken V: Der Aluhut im engeren Sinne

Wieso heißt diese Kolumne eigentlich Aluhut-Chroniken? Zum einen, weil es immer schön ist, sagen zu können „In Amerika gibt es das schon“. In den USA werden Verschwörungstheoretiker schon lange Tinfoilheads gennant – nach einer Science-Fiction-Kurzgeschichte von 1927, in der das schicke Hütchen vor Gedankenkontrolle schützt. Dazu kursieren im Internet Bilder von doof aussehenden Männern mit Aluhüten auf dem Kopf. Ob es die Abgebildeten so wirklich gibt oder hier eine ebenso fiese wie besserwisserische Internetcommunity ihr Resentiment pflegt, ist mir unklar.

Wo es die Aluhüte wirklich gibt, ist in Thüringen. Dort arbeitet eine kleine Gruppe unerschrockener Kämpfer_innen daran, über nichtletale Strahlenwaffen aufzuklären, zuletzt schön zu sehen im MDR-Boulevard-Magazin „Unter uns“ und dauerhaft präsent im Internet, wo man derzeit versucht, die Kräfte zu bündeln, um eine internationale Konferenz von Strahlenwaffen-Opfern zu organisieren.

Strahlenwaffen gibt es in jeder Größe. Für den Hausgebrauch löst die transportable Strahlenkanone Herzrasen und Unwohlsein bei der Zielperson aus. Fest zu installieren sind antennenartige Emitter, mit denen man dauerhaft die Nachbarn drangsalieren kann. Großkonzerne installieren die Waffen getarnt als Mikrowellenherd dezentral und direkt im Haus. Auf globaler Ebene betreiben Geheimdienste und Regierungen ein weltumspannendes Satellitennetz und die Funkwellen-Forschungsstation HAARP in Alaska. Ziel dieser großflächigen Strahlenwaffen ist globale Gedankenkontrolle.

Als Schutz gegen die Strahlen bietet sich ein faradayscher Käfig an, eine Hülle aus leitfähigem Metall, die elektromagnetische Wellen abschirmt. Ein Auto ist ein faradayscher Käfig. Für zuhause gibt es Gardinen mit eingewebten Metallfäden. Die Luxus-Variante ist der Orgon-Akkumulator (siehe „Striche des Teufels“ Lirabelle #8) nach Wilhelm Reich – ein mit Alufolie verkleideter Holzkasten für 1200€, der positive Energie bündeln und Strahlenwaffen abwehren kann. Wer sich das nicht leisten kann, greift zum selbstgebauten Aluhut. Aber wer an der falschen Stelle spart, ist unter Umständen nicht gut geschützt: Zum einen muss die Abschirmung eine gewisse Dicke aufweisen. Es sollte also schon die extradicke Folie sein und die am besten in mindestens fünf Lagen. Beim Falten gilt es zu berücksichtigen, dass der ideale faradaysche Käfig rundum geschlossen ist. Besser als der klassische Malerhut dürfte also das Modell „Sturmhaube“ schützen, dass zudem den Vorteil der Anonymität bietet. Je nach Form kann ein Aluhut auch so wirken, dass er EM-Wellen verstärkt, statt sie abzuschirmen – weswegen Magneto ja auch nicht irgendeinen Hut trägt. Schutz vor Gedankenmanipulation ist also Vertrauenssache und kann schnell schief gehen. Vermutlich liegt es daran, dass die wenigen Aufrechten, die sich gegen die allumfassende Manipulation wehren, von zahllosen Schafen umgeben sind, die glauben, Strahlenkanonen und globale Gedankenkontrolle seien Science-Fiction.

Aluhut-Chroniken IV: Die Striche des Teufels

Jeden Tag treten wir in Kontakt mit dem Teufel. Nein, damit ist nicht das abendliche Tischerücken oder das malen von Pentagrammen mit Ziegenblut gemeint. Schon viel früher am Tag geht es los. Dann wenn wir, die geneigten Satansanhänger_innen, uns voller Unschuld ein Glas industrieller Milch einschenken (oder Orangensaft, oder einen Tee), preisen wir den Fürsten der Dunkelheit. Wir huldigen Satan auch, wenn wir Augentropfen nehmen oder Klopapier benutzen. Denn all diese Sachen besitzen Barcodes. Das sind die Striche, die an der Supermarktkasse so einen hübschen PIEPS verursachen. Jeder Piep ist ein Piep für Satan und jeder Strichcode zerstört unser Karma.

Doch vielleicht erst mal der Reihe nach. Für alle ohne Aluhut ist der Strichcode eine sogenannte optoelektronisch lesbare Schrift. Mit dieser Schrift werden Daten durch Striche unterschiedlicher Breite sowie Lücken ersetzt, die dann durch entsprechende Geräte wieder ausgelesen werden können. Der Begriff „Code“ in Strichcode bezeichnet dabei jedoch keine Verschlüsselung im kryptografischen Sinn, sondern lediglich die Umwandlung von Daten in binäre Symbole. Erfunden wurde es in den 50er Jahren des vergangen Jahrhunderts, aber erst durch den Druck der Supermarktkette Wal-Mart in den 70ern hat sich das System durchgesetzt. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Formen des Strichcodes. In Europa gilt beispielsweise der sogenannte EAN-Code, in den USA der UPC. Dann wird noch in 1D-, 2D, 3D und seit 2007 auch in 4D-Codes unterschieden, aber das führt hier zu weit. Fakt ist, der Strichcode ist ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der westlichen Konsumgesellschaft.

Für die Aluhut-Fraktion begann die Aufklärung über die böse Macht der Streifen wahrscheinlich im Jahr 1982 mit dem Buch „The New Money System 666“ von Mary Stewart Relfe. Die Autorin behauptet darin, dass alle Strichcodes die Zahl 666 beinhalten. Die 666 gilt schon in der Bibel als „Number of the beast“ und wurde nicht zuletzt durch den Okkultisten Aleister Crowley Teil der Popkultur. Relfe sah in den Strichcodes den Beweis, dass die Satanist_innen die Wirtschaft übernehmen.
Eine weitere Lesart der Strichcodeverschörung ist, dass der Strichcode unser Karma, wahlweise auch unsere Energie, am fließen hindert. Nachweisbar ist das Ganze natürlich auch. Einfach mal das eigene Energiefeld mit einer Wünschelrute abtasten. Wenn sich ein Strichcode in der Nähe eures Körpers befindet, wird euer Energiefeld um die Hälfte kleiner sein. Auch die gute Energie der industriell hergestellten Lebensmittel wird durch die Strichcodes (=Gefängnisstäbe) massiv blockiert.

Doch Hilfe ist unterwegs. Zum einen durch den Hildegard Orgonakkumulator von Jentschura. Dieses Brett, mit aufgemalten geometrischen Formen, „energetisiert Ihre Lebensmittel, Wasser, Pflanzen und Haustiere“ mit Hilfe der „Bionstrahlung“ (= Orgonenergie). Es kostet zwar 1.250 €, dafür ist es aber in „liebevoller Handarbeit gefertigt“ und lädt die Anwender_in mit „kraftvoller Bioenergie“ auf. Es geht jedoch auch billiger. Im Internet kursieren diverse Tricks und Kniffe um die teuflische Macht der Barcodes zu brechen. Da gibt es vom Aufkleber in Kreuzform bis hin zum speziellen Stift zum Durchstreichen alle möglichen Gadgets um die Energie im Fluss und Satan draußen zu halten. Die Angst vorm Strichcode hat inzwischen auch einige Hersteller zum Umdenken angeregt. So hat beispielsweise der Hersteller Rabenhorst bei seinen „Rotbäckchen“-Flaschen und auch Voelkel bei der „BioZisch“-Linie reagiert. Bei beiden wird der Barcode durch einen feinen Strich gekreuzt. So können die Energien wieder fließen und die Kassen machen trotzdem noch PIEPS. Ob dadurch auch die Machtergreifung Satans durchkreuzt wurde, steht auf einem anderen Blatt. Kommt wahrscheinlich darauf an, ob Satan morgens Rotbäckchen trinkt.

Aluhut-Chroniken III: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo …

Niemand hat jemals Christian Anders nach einer politischen Analyse gefragt. Mit Stücken wie „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ oder „Der letzte Tanz“ hat er in den 1970ern eine bescheidene Karriere als Schlagersänger hingelegt und wäre wohl danach von der Welt vergessen worden, wenn er nicht in den 1990er-Jahren medial als Lanoo wiedergeboren worden wäre. Lanoo macht sich nun keine Sorgen mehr über „Das schönste Mädchen, das es gibt“ oder „Das Schiff der Illusionen“, sondern über Politik im Großen. Und weil es heute die ZDF-Hitparade nicht mehr gibt, dafür aber das Internet, tritt Lanoo dort auf. „Meine lieben Freunde“ – so beginnen die grotesken Tiraden des „Lanoo Learning Channel“ auf Youtube. Dort kann man erfahren, dass Michelle Obama ein Mann, Ebola und HIV Erfindungen der Pharma-Industrie und Kaffee und Milch tödliche Gifte sind. „Das kann man sich gar nicht vorstellen, aber die Beweise sind eindeutig – es gibt sogar einen Arzt, der es bestätigt“. Dass die eindeutigen Beweise außerhalb der Truther-Szene nur für Heiterkeit sorgen, liegt laut Lanoo vor allem daran, dass Politiker und die Medien von den Bilderbergern beherrscht werden, die in einer Art kollektiver Gehirnwäsche den Menschen jegliche Vernunft ausgetrieben haben. Wo Verschwörungstheorien sind, ist meist der Antsemitismus nicht fern, deswegen wundert es nicht, dass sich Lanoo 2005 in einem Liedtext auf den antisemitischen Klassiker „Die Protokolle der Weisen von Zion“ berief, jüdische Familien als Herren der Welt bezeichnete und George Bush mit Adolf Hitler verglich. Das war dann selbst den Boulevardmedien zu viel: Pro Sieben sagte einen geplanten Auftritt bei einer Benefiz-Gala ab. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass Lanoo sich seitdem mit offen antisemitischen Aussagen zurückhält. Aber der nächste Aufreger ist schon veröffentlicht. Zur Melodie seines größten Hits trällert Anders „Es fährt ein Zug nach Ebola“, dazu kursiert ein menschenverachtendes Video im Internet. Truther und Infokrieger freuen sich, aber die gewünschte große Aufmerksamkeit bringt auch das nicht. So tingelt der ehemalige Schlagerstar nun durch Altenheime, um sein Auskommen zu bestreiten. Ob gemeinsame Auftritte mit Xavier Naidoo – neuerdings bei den Reichsbürgern – und Nina Hagen – schon lange mit dem UFO unterwegs – geplant sind, ist noch unklar. Es würde neue Dimensionen des Unfugs eröffnen.