Kindergedicht #2

Von Hermann Heilner.

Als einmal ein strenger Vater sprach:
„Kind!, ich gebiete dir und darum sei brav.“

Da erwiderte das Kind vor Wunder keck:
„Dein gönnerhaftes Gebot, das ist nur Dreck!“

Und weiter hieß es – der Ton klang überlegt:
„Weißt du, das zum Befehl dort ein Unterschied besteht?“

Der Vater dachte nach und meinte dann besonnen:
„Mein Kind du hast Recht und daher gewonnen.“

„Das Recht“, entgegnete es, „braucht nicht dein Sinnen;
auch ohne deine Zugabe werd‘ ich‘s gewinnen!“

Der Vater wurd‘ wild und rot im Gesicht
und fragte: „Warum willst du meine Reformen nicht!?“

„Deine Reformen, Vater, sind was für Sozialdemokraten
und auf deren versproch‘ne Freiheit musst du schon hundert Jahre warten.“

„Aber die SPD hat gesagt, dass es sich vernünfigerweise lohnt…“
„Vater, du verwechselst schon wieder Befehl mit Gebot.“

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