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1.5., Erfurt: „Wir sind nicht Volk, wir sind Klasse“ und Nazi-Sponti
In der DGB-Demo zum 1. Mai laufen in Erfurt etwa 200 Menschen in einem Jugendblock, der kämpferische Inhalte auf die Straße bringt. Im Anschluss demonstriert besagter Block spontan in Richtung eines großangekündigten Nazi-Events. Aber nur 250 Menschen von Die Rechte, NPD, Europäische Aktion und anderen Gruppen laufen durch leere Straßen. An der Route wird immer wieder Protest laut. Etwa 60 Nazis führen danach in Weimar eine Spontan-Demo durch. Die Polizei begleitet sie 150m und bringt sie dann zurück zum Bahnhof. Angeführt werden sie von Michael Fischer.

5.5., Erfurt: Nazi-Angriff aufs AJZ
Am frühen Nachmittag greifen etwa zehn Nazis – vermutlich aus dem Umkreis „Kollektiv56“ und Jungsturm/KEF – das AJZ an. Bewaffnet mit Quarzhandschuhen, Pfefferspray, Flaschen und Steinen werden vier Menschen unter „Heil Hitler“-Rufen verletzt. Die Angreifer flüchten, der Staatsschutz ermittelt. Am 27.5. durchsucht die Polizei mehrere Wohnungen in Erfurt, im Kreis Saalfeld-Rudolstadt und Hannover.

7./8.5., Hildburghausen: Erlebniswochenende für Neonazis
Zum zweiten Mal findet ein Neonazifestival mit Teilnehmenden aus ganz Europa statt. Im Vorjahr nahmen am maßgeblich durch Tommy Frenck und Patrick Schröder organisierten Festival 1500 Nazis teil, mit über 3500 hat sich diese Zahl nun mehr als verdoppelt. Das in Reaktion am darauffolgenden Wochenende von der Zivilgesellschaft geplante Festival unter dem Motto „Open Air for Open Hearts“ wird von nicht annähernd so vielen Menschen besucht. Die Europäische Aktion, die für den 8. Mai als Jahrestag der Befreiung, einen Trauermarsch in Erfurt geplant hatte, mobilisiert schließlich für diesen Tag nach Hildburghausen. So wird die Stadt für ein Wochenende quasi zur National Befreiten Zone.

11.5., Jena: Büro der Partei „Die Linke“ besetzt
Mit der Besetzung eines PdL-Büros in Jena machen Aktivist*innen auf die Verantwortung der Regierung für Abschiebungen, Lager, Knäste und Repression aufmerksam. Nur wer sich aktiv gegen Abschiebungen einsetze, könne Teil einer antirassistischen Bewegung sein. Nach einer Infoveranstaltung zur Abschiebekultur wird die Besetzung beendet. Die anschließende Spontandemonstration wird durch die Polizei aufgelöst.

13.5. Eisenach: Aktion gegen Burschenschaften
In der Nacht zum 13. Mai wird das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach mit pinker Farbe verschönert. Die Aktion richtet sich gegen das jährliche Treffen der Deutschen Burschenschaft in Eisenach, diesmal vom 20. bis 22. Mai. Es findet seit langem kein zentraler Protest statt.

18.5., Erfurt: Peinliche Show – mit Heimat-Rap gegen den Islam
Etwa 400 Menschen protestieren gegen eine erneute Versammlung der AfD auf dem Erfurter Domplatz. Erstmals tritt vor den etwa 700 Rassist*innen ein offizieller Pegida-Vertreter auf. Bestimmendes Thema ist ein geplanter Moschee-Neubau in Marbach. Im Vorprogramm zu Höcke tritt der Nazi-Rapper Chris Ares mit Heimat-Rap auf und sorgt für Belustigung.

28.5., Leinefelde: Polizei schränkt Pressearbeit zum „Eichsfeldtag“ ein
Als ausgewiesene Journalist*innen vom „Eichsfeldtag“ der NPD um Thorsten Heise berichteten wollten, werden sie von der Polizei mittels Platzverweisen daran gehindert, die Nazi-Veranstaltung im öffentlichen Raum zu dokumentieren. Die Polizei schritt auch nicht ein, als die Journalist*innen bedroht und bedrängt wurden. Das Verwaltungsgericht Weimar beschäftigt sich nun auf Klage der Betroffenen mit den polizeilichen Maßnahmen.

Juni, Suhl: Geschichtsrevisionistische Gedenktafel geplant
Der Stadtrat beschließt auf dem Hauptfriedhof eine Gedenktafel anzubringen, die an die vermeintlich unschuldig im Speziallager II in Buchenwald Umgekommenen erinnern soll. Die offensichtlich geschichtsrevisionistischen Motive sind sogar dem Leiter der Gedenkstätte Buchenwald Volkhard Knigge Anlass zur Kritik, der das Ganze allerdings als Uninformiertheit zu bagatellisieren weiß.

4.6., Erfurt: Kultur flaniert und Nazis marschieren
Etwa 150 Neonazis statt der angemeldeten 500 folgen dem Aufruf der Gruppe „Patriotische Europäer sagen Nein“ zur Großdemo. Gegen deren Aufmarsch protestieren etwa gleich viele Antifaschist*innen. Währenddessen flanieren Hunderte zum Programm der Erfurter Kulturszene.

5.6., Arnstadt: Brandanschlag auf vietnamesischen Obst- und Gemüseladen
Am frühen Sonntagmorgen zünden bisher Unbekannte in der Erfurter Straße Gemüsekisten vor einem Laden an, der von Menschen mit vietnamesischen Hintergrund geführt wird. Die Feuerwehr kann den Brand löschen, bevor er auf das Haus übergreift. Die sieben Bewohner des Hauses, ebenfalls mit Migrationshintergrund, bleiben unverletzt.

11.6., Erfurt: Tag der Bundeswehr
Während in anderen Bundesländern die Bundeswehr ihre Feierstunde auf eigenem Gelände begeht, darf sie sich in Thüringen im „Herzen“ der Stadt Erfurt präsentieren, auf dem Domplatz. Unter dem Motto „Panzer statt Riesenrad“ finden sich für die ganze Familie Anknüpfungspunkte: Gerätschaften, Leistungssport, Ausbildungsangebote und Panzerprobesitzen. Die Protestierenden stehen fast unbeachtet mit Transparenten dabei, verteilen Flugblätter und schmeißen sich mit roter Farbe besudelt auf den Boden. Passend zum Rahmen wird ihnen begegnet „Euch sollte man erschießen!“ Schon in den Tagen vor dem Event wurden Ortseingangsschilder mit der Ergänzung „Stadt der Mordlogistik“ versehen.

12.6., Jena: Sponti nach Nazi-Übergriff auf Geflüchtete
In Reaktion auf einen Naziübergriff am 11.6. am Containerlager für Geflüchtete in Jena-Ost werden in derselben Nacht Nazis von einer Gruppe Vermummter angegriffen und verletzt. Am nächsten Tag findet eine antifaschistische Spontandemonstration mit 140 Menschen statt.
16.6., Suhl: Jahrestag der Ermordung Klaus-Peter Kühns durch Neonazis
Der Todestag von Klaus-Peter Kühn jährt sich zum vierten Mal. 2012 wurde er von drei Neonazis in seiner Wohnung auf dem Suhler Nord bis zum Tode gefoltert. Am Jahrestag verteilen Antifaschist*innen Flyer in der Stadt, kleben Plakate und sprühen Graffiti, um an die Tat und den Ermordeten zu erinnern.

17. 6., Erfurt: Biczysko wechselt zu „Die Rechte“
Der Erfurter NPD-Stadtrat Enrico Biczysko wechselt zur Neonazi-Partei „Die Rechte“ und begründet dies mit der Inkompetenz der „Führer“ sowie Lug und Trug im NPD-Landesverband. Bereits im Februar war der Greizer Neonazi David Köckert aus dem Landesvorstand der NPD zurückgetreten.

21.6., Jena: Arbeitskampf im CATI-Labor der Universität Jena
Das gewerkschaftsnahe Institut für Soziologie der FSU Jena betreibt ein Labor für telefonische Umfragen und zwingt die Beschäftigten in Werkverträge, die geltenden Arbeitsgesetzen nicht entsprechen. Gemeinsam mit der FAU Erfurt/Jena treten die organisierten Beschäftigten in einen Arbeitskampf gegen prekäre Arbeitsbedingungen.

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