Ein Appell an alle

Unser (zu)kurz währender Streik, der zum verspäteten Erscheinen der neunten Ausgabe führte, hat uns ein wenig Luft verschafft, um über dieses vier mal im Jahr erscheinende Bündelchen Papier nachzudenken. Dabei sind wir auf einiges gestoßen, das uns zum Fragen anregt. Mit unseren Leser*innen und Autor*innen möchten wir darüber ins Gespräch kommen.

Zu jeder neuen Ausgabe überlegen wir im Redaktionskollektiv, welche Themen aktuell und / oder von besonderem Interesse für unsere Leser*innen sein könnten. Die Themen führen uns zu den zukünftigen Autor*innen, aber auch Leser*innenbriefe und eingereichte Artikel füllen die Ausgaben.

Meist schreiben Männer diese Beiträge – der Anteil der Autorinnen ist im Verhältnis dazu erheblich geringer; nur die *-Autor*innen sind in noch kleinerer Zahl vertreten. Weiterhin haben wir festgestellt, dass Autoren ihre Beiträge häufiger allein als in einer Gruppe schreiben. Bei Autorinnen ist dies anders, sie schreiben häufiger gemeinsam mit anderen – mit Männern als auch Frauen. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass wenn ein Artikel mehrere Autor*innen hat, sich darunter zumindest eine Frau befindet.

Wollt ihr Vermutungen darüber anstellen, welchen sozio-kulturellen Hintergrund unsere Schreibenden haben? Natürlich erfassen wir dies nicht, können aber verraten, dass der Großteil der Autorinnen und Autoren mindestens einen akademischen Abschluss besitzen – prekäre Lebensverhältnisse sind damit bekanntlich nicht ausgeschlossen. Weiterhin muss festgestellt werden, dass ein noch größerer Anteil der Autor*innen Herkunftsdeutsche sind. Besonders junge oder besonders alte Autor*innen stellen ebenso eine Rarität dar.
Achtung Überraschung: Die Lirabelle spiegelt die in unseren Kreisen vorherrschenden Verhältnisse in Bezug auf verschiedenste Merkmale wider.

Ist es diese Zusammensetzung der Autor*innenschaft, die wir haben wollen? Sind uns damit nicht spezifische Perspektiven auf Themen verschlossen?

Als Redaktionskollektiv wünschen wir uns eine breitere Beteiligung. Doch wie können wir potentiellen Autor*innen erleichtern, den Mut zu fassen und zu schreiben, zu gestalten, …?
Einerseits ist eine wesentliche Aufgabe der Redaktion die Organisation und Produktion des Heftes – andererseits können wir entscheiden, wer an der Gestaltung mitwirkt. Heißt das wir brauchen jetzt Quoten oder gesonderte Redaktionsplena für spezifische Perspektiven? Uns kommt zu, die Zusammensetzung unserer Autor*innenschaft zu verantworten.

Deshalb appellieren wir an uns alle: Seid mutig, äußert euch, formt Wut und Ärger in Worte, in Taten, in Beiträge, die in der Lirabelle ihren Platz finden können!

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