Die Aluhut-Chroniken V: Der Aluhut im engeren Sinne

Wieso heißt diese Kolumne eigentlich Aluhut-Chroniken? Zum einen, weil es immer schön ist, sagen zu können „In Amerika gibt es das schon“. In den USA werden Verschwörungstheoretiker schon lange Tinfoilheads gennant – nach einer Science-Fiction-Kurzgeschichte von 1927, in der das schicke Hütchen vor Gedankenkontrolle schützt. Dazu kursieren im Internet Bilder von doof aussehenden Männern mit Aluhüten auf dem Kopf. Ob es die Abgebildeten so wirklich gibt oder hier eine ebenso fiese wie besserwisserische Internetcommunity ihr Resentiment pflegt, ist mir unklar.

Wo es die Aluhüte wirklich gibt, ist in Thüringen. Dort arbeitet eine kleine Gruppe unerschrockener Kämpfer_innen daran, über nichtletale Strahlenwaffen aufzuklären, zuletzt schön zu sehen im MDR-Boulevard-Magazin „Unter uns“ und dauerhaft präsent im Internet, wo man derzeit versucht, die Kräfte zu bündeln, um eine internationale Konferenz von Strahlenwaffen-Opfern zu organisieren.

Strahlenwaffen gibt es in jeder Größe. Für den Hausgebrauch löst die transportable Strahlenkanone Herzrasen und Unwohlsein bei der Zielperson aus. Fest zu installieren sind antennenartige Emitter, mit denen man dauerhaft die Nachbarn drangsalieren kann. Großkonzerne installieren die Waffen getarnt als Mikrowellenherd dezentral und direkt im Haus. Auf globaler Ebene betreiben Geheimdienste und Regierungen ein weltumspannendes Satellitennetz und die Funkwellen-Forschungsstation HAARP in Alaska. Ziel dieser großflächigen Strahlenwaffen ist globale Gedankenkontrolle.

Als Schutz gegen die Strahlen bietet sich ein faradayscher Käfig an, eine Hülle aus leitfähigem Metall, die elektromagnetische Wellen abschirmt. Ein Auto ist ein faradayscher Käfig. Für zuhause gibt es Gardinen mit eingewebten Metallfäden. Die Luxus-Variante ist der Orgon-Akkumulator (siehe „Striche des Teufels“ Lirabelle #8) nach Wilhelm Reich – ein mit Alufolie verkleideter Holzkasten für 1200€, der positive Energie bündeln und Strahlenwaffen abwehren kann. Wer sich das nicht leisten kann, greift zum selbstgebauten Aluhut. Aber wer an der falschen Stelle spart, ist unter Umständen nicht gut geschützt: Zum einen muss die Abschirmung eine gewisse Dicke aufweisen. Es sollte also schon die extradicke Folie sein und die am besten in mindestens fünf Lagen. Beim Falten gilt es zu berücksichtigen, dass der ideale faradaysche Käfig rundum geschlossen ist. Besser als der klassische Malerhut dürfte also das Modell „Sturmhaube“ schützen, dass zudem den Vorteil der Anonymität bietet. Je nach Form kann ein Aluhut auch so wirken, dass er EM-Wellen verstärkt, statt sie abzuschirmen – weswegen Magneto ja auch nicht irgendeinen Hut trägt. Schutz vor Gedankenmanipulation ist also Vertrauenssache und kann schnell schief gehen. Vermutlich liegt es daran, dass die wenigen Aufrechten, die sich gegen die allumfassende Manipulation wehren, von zahllosen Schafen umgeben sind, die glauben, Strahlenkanonen und globale Gedankenkontrolle seien Science-Fiction.

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