Aluhut-Chroniken II: König von NeuDeutschland

In Wittenberg gibt es seit September 2012 das Königreich Deutschland. Es ist momentan nur 9 Hektar groß und auf dem Gelände einer ehemaligen Klinik, aber es hat schon einen König. Dessen bürgerlicher Name ist Peter Fitzek und dieser gehört zu den obskursten Personen die die hiesige Verschwörungs- und Esoterikszene zu bieten hat. Ursprünglich hat er nach eigenen Angaben im Hotelgewerbe gelernt, sich durch einige Selbstständigkeiten gekämpft, bis er schließlich vor 14 Jahren eine Esoterikbuchhandlung eröffnete. Mit ihr schien er seine Berufung gefunden zu haben. Bald ergänzte er den Buchbestand durch Seminare aus dem Umfeld der Germanischen Neuen Medizin und von dort war es nur noch ein kleiner Schritt zu den Verschwörungstheorien der kommissarischen Reichsregierung.
„kommissarische Reichsregierungen“ glauben, dass das Deutsche Reich noch immer bestehe und die Bundesrepublik nach 1945 kein richtiger Staat sei. Die meist deutsch-nationalen bzw. nazistischen Ansichten der auch „Exilregierungen des Deutschen Reichs“ genannten Gruppen sind geschichtsrevisionistisch und haben einen Weltverschwörungsansatz. Anhänger_innen der Reichsregierungen sprechen auch von der „BRD GmbH“ bzw. dem „noch immer besetzten Deutschland“ und verkaufen selbstgebastelte Ausweise, Nummernschilder etc. von ihren Fantasiestaaten. Die einzelnen „Staaten“ bzw. Gruppen liegen jedoch häufig miteinander im Streit, da jede „die einzig Richtige“ zu sein glaubt.
Während andere Reichsregierungen, wie das Fürstentum Germania oder Terra Germania, scheiterten bzw. nur im Internet existierten, hat NeuDeutschland, seit der Krönung Fitzek I. im September 2012, das Königreich Deutschland – Nägeln mit Köpfen gemacht. Statt ein paar Fantasiedokumente baut Fitzek gleich ein eigene NeuDeutsche Gesundheitskasse auf. Statt nachhaltiger Landwirtschaft mit ein paar Schafen und Hühnern, entsteht in einer Halle mit Spendengeldern ein Freie Energie-Kraftwerk [siehe Lirabelle #5]. Und statt der sonst üblichen Tauschökonomie der anderen Reichsregierungen, erschafft Fitzek mal eben eine eigene Königliche Reichsbank. Diese kommt zwar ohne Zinsen aus – denn Zinsen sind böse! – aber dafür kann man dort die – bald wertlosen – Euro noch schnell in ENGEL bzw. E-Mark umtauschen, welche in Erfurt bspw. auch im Lebensladen in der Allerheiligenstraße angenommen wurden. Der Rücktausch in Euro ist dann zwar nicht so leicht, aber wer will das denn schon?
Ganz zufrieden sind die Untertan*innen mit ihrem König aber doch nicht. Im Internet kursieren Videos die NeuDeutsche zeigen, die das Klinikgebäude verlassen wollen. König Fitzek möchte jedoch den Schlüssel nicht rausrücken. Stattdessen fordert er ein Verfahren wegen Landesverrat. Erst die Drohung die Staatsmacht der– von den NeuDeutschen ach so geschmähten — Bundesrepublik einzuschalten, lässt Fitzek einlenken. Denn mit Polizei und Justiz hat er schon mehrfach schlechte Erfahrungen gemacht. Wegen der Ausstellung königlichen Dokumente und Nummernschilder und weil er eine Sachbearbeiterin im Wittenberger Rathaus „festnehmen“ wollte, wurde Fitzek schon mehrfach zu Haftstrafen verurteilt.
Größter Gegner des ehemaligen Bundestagskandidaten und heutigen Königs ist jedoch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin). Die ist nach wie vor der Meinung, dass Fitzek und sein Trugbild von einer Bank gegen zahlreiche Gesetze verstoßen. Deswegen gab es 2013 und 2014 Razzien und Hausdurchsuchungen. Inzwischen hat sich da ein Zwangsgeld in Höhe von 3 Millionen Euro angesammelt.
Geld, welches tatsächlich in der Schatzkammer des NeuDeutschen Königs vorhanden sein könnte. Denn schließlich müssen neue Untertanen ihren Grundbesitz an das Königreich überschreiben. Und so fraglich die Bank oder die Gesundheitskasse nach deutschem Recht sind, der Verein, der das Geld einsammelt, steht auf rechtlich sicheren Füßen. Über das, inzwischen vermutlich recht staatliche Kapital des Königs, gibt es einige Vermutungen aber nur wenig Belastbares. Fakt ist, dass der dahinterstehende Verein, Ganzheitliche Wege e.V., als stimmberechtigte Mitglieder nur Fitzek, dessen Tochter und eine Stiftung NeuDeutschland führt. Der König sichert also seine Herrschaftslinie.
Doch so absurd und spaßig das ganze klingt: Die NeuDeutschen und Königstreuen des Peter Fitzek sind knallharte Revanchisten, die Deutschland in den Grenzen von 1933 wieder haben wollen und ein sehr rechtsesoterisches Weltbild frönen. Und sie haben eine Mission. Auch in Erfurt sind schon Königstreue, oder zumindest Fans, in verschiedenen kulturellen Vereinen vorstellig geworden und haben für die Idee des Königs geworben. Und die sahen nicht aus wie die üblichen Aluhut-Spinner.

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