Lirabelle #20

Liebe Leser*innen,

wir freuen uns und sind auch ein bisschen stolz, dass wir es jetzt schon auf die 20. Ausgabe gebracht haben. Wir schauen zurück auf eine aufgeregte Theorie-Praxis-Debatte, 13 Aluhut-Chroniken, eine Entschuldigung für ein sexistisches Streetart, eine Kriegserklärung, ein Gedicht, viele Polemiken und Berichte, eine Krisensitzung nach Entzug der Förderung und sechs Jahre, in denen wir mit mal mehr, mal weniger Erfolg Texte eintreiben und verfassten, sowie selbstgesetzte Deadlines (nicht) einhielten – und ja, das hängt auch miteinander zusammen.
Die 20. Ausgabe ist charakterisch für die bisher erschienen Ausgaben: Sie kommt planmäßig zu spät. Wir freuen uns, dass sie zwei Reaktionen auf vorangegangene Texte enthält. Und auch eine recht spontane, anonyme Zusendung haben wir erhalten, die uns Freude gemacht hat. Wir glauben nicht, dass das an unserem Appell der vorvorletzten Ausgabe liegt, wollen aber doch betonen: Bitte weiter so! Wir finden unzensierte, anonyme Szene-Zeitschriften nach wie vor wichtig – um Debatten zu führen, linke Standpunkte zu verbreiten, eine eigene Ästhetik und Diskussionskultur zu entwickeln. Deswegen ist die 20. auch nur ein Zwischenstand – bei der 50. gibt‘s dann ein goldenes Cover.
Weil aber auch ein Zwischenstand gefeiert werden kann, veranstalten Leser*innen der Lirabelle am 19. Oktober um 19 Uhr im veto im Rahmen der alternativen Studieneinführungstagen „Nächste Ecke links“ in Erfurt eine Lesung ausgewählter Texte. Schreibt Eure Vorschläge für die Lesung per Mail an naeli-ef@riseup.net.

Die Redaktion der zwanzigsten Lirabelle

PS: Auch Spenden sind nach wie vor gerne gesehen, um ein regelmäßiges Erscheinen möglich zu machen. Zu viel Freizeit für uns ist auch keine Lösung.

  • News
  • Glückwünsche
  • Wählen am Abgrund
    Am 27. Oktober diesen Jahres stehen in Thüringen die Landtagswahlen an. Betrachtet man die aktuellen Umfragen, sind die Chancen für die Fortsetzung der Regierungskoalition aus Linkspartei, SPD und Grünen gering, wenn auch nicht aussichtslos. Ox Y. Moron geht der Frage nach, warum man überhaupt wählen sollte und wie die Arbeit der aktuellen Landesregierung aus kommunistischer Perspektive zu bewerten ist.
  • Thüringer Sozialdemokraten mit Rotkraut und Rouladen
    Ein Besuch des Rassisten Thilo Sarrazin brachte die alten Freunde Sandro Witt, Gewerkschaftsfunktionär, und Suleman Malik, Ahmadiyya-Gemeindevorsteher, aneinander. Die antifaschistische Gruppe Dissens schaut sich an, was die Einladung Sarrazins durch den Ex-AfD-Mann und SPD-Genossen Oskar Helmerich für politische Einsichten zeitigt.
  • „Der 8. März war erst der Anfang“
    Im folgenden Text berichtet Anne Kaffeekanne von der Podiumsdiskussion „Warum Frauen*Streik?“, die am 1.3.19 in Erfurt stattfand. Organisiert wurde diese im Rahmen der diesjährigen Frauen*Kampftage von der SJD Die Falken- Erfurt. Vier Referentinnen berichteten in einem Raum der Universität Erfurt von unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven des Frauen*Streiks.
  • „Keine Solidarität mit den sog. Lebensschützer*innen uns Sexist*innen“
    Im April haben ehemalige Bewohner*innen des Haus- und Wohnprojekts „Insel“ in Jena einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie fordern, sich nicht mit der „Insel“ zu solidarisieren, solange einer ihrer Sprecher*innen antifeministische Positionen vertritt. Die Lirabelle sprach mit den Verfasser*innen.
  • Kontinuität der Frauenverachtung – Zur Aktualität von Hexenverfolgung
    Bezogen auf die „Perspektiven auf Hexen und Hexentum“ aus der letzten Lirabelle, legt Paul seine Perspektive zum Thema der Hexenverfolgung dar und beschreibt warum historisch und aktuell es vor allem Frauen sind, die als Hexen verfolgt wurden und werden, wie die Imagination des Hexenbildes entstehen konnte und warum es auch heute noch relevant ist, sich damit auseinander zusetzen.
  • Kritik aktueller anarchistischer Praxis in Jena. Teil II
    Als Hotspot linksradikaler Politik in Thüringen birgt die anarchistische Szene Jenas auch kritikwürdige Aspekte. Minna Takver widmet sich in zwei Teilen der anarchistischen Strategie und ihrer Auswirkungen. Der erste Teil (veröffentlicht in unserer letzten Ausgabe) beleuchtet Anthropologie und Aktionen, dieser zweite Teil Identifikation und Geschichtskonstruktion. Die Autorin ist Mitglied im Club Communism.
  • Die Armut der Kritik am Anarchismus. Teil I
    Ohne Freude arbeitet sich Mona Alona an Minna Takvers Text in der letzten Lirabelle ab, weil sich dieser als paradigmatisch für die Armut der Kritik am Anarchismus dafür anbietet. Und weil es einiger Richtigstellungen bedarf.
  • Tote auf Urlaub – Eine Spurensuche
    Vom 12. bis 14. April 2019 veranstaltete das BiKo in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Wochenendbildungsreise nach München, um sich dort auf Spurensuche der Akteur_innen der Münchner Räterepublik zu begeben. Das Datum war nicht zufällig gewählt, denn im April 2019 jährte sich der Versuch des Aufbaus einer Räterepublik in München zum 100. Mal.
  • Ich hab ja nichts gegen Dialekte, aber…
    Das Lieblingsfreizeitthema von Beta ist Sexualität und alles was dazu gehört. Bei ihren Dates mit Männern außerhalb ihres Klüngels macht sie so allerlei verwirrende Erfahrungen. In der Lirabelle schreibt sie in loser Folge aus feministischer Perspektive über ihre Erlebnisse.
  • Repressionsschnipsel
  • Die Aluhut-Chroniken XV – Der digitale Aluhut

Lirabelle #19

Liebe Leser*innen,

nachdem die letzte Ausgabe ohne die eigentlich immer am Anfang stehenden News erschien, haben wir dies in der aktuellen Ausgabe aufgeholt. Wir werfen auf den ersten fünf Seiten wieder schlaglichtartig einen Blick auf die gegenwärtigen Entwicklungen in Thüringen. Mit einem Bericht über die Erinnerung an das besetzte Haus in Erfurt wagen wir im darauf folgend Artikel einen Blick zurück. Im April dieses Jahr jährt sich um zehnten Mal die Räumung des besetzten Hauses. So erzählt der Bericht auch eine Geschichte der Vergänglichkeit, welche – ohne dass dies vorher intendiert gewesen wäre – zu einem präsentem Thema der aktuellen Ausgabe geworden ist. Im Dezember 2018 verstarb der in der Lirabelle oft erwähnte Wolfgang Pohrt. Das Bild auf Seite 18 zeigt ihn im Gespräch mit Joachim Bruhn. Die Nachricht seines Todes erreichte uns beim zusammenstellen der letzten Texte. Ein weiterer Artikel der Ausgabe handelt vom Tod, genauer: vom Nazimord an Hartmut Balzke, und schlägt als Appell zur Erinnerung als Kritik einen Bogen zur Gegenwart. Zu dieser gilt es sich von vorne nach hinten durchzuarbeiten, denn die Auseinandersetzungen mit aktueller politischer Praxis stehen diesmal eher am Ende des Heftes. Letztlich wollen wir mit den Aluhutchroniken zum Zwecke der Reflektion auch in der Form der Auseinandersetzung eine Distanz zu mal mehr mal weniger ernstzunehmenden Dummheiten und vorangegangenen bedrückenden Ereignissen einnehmen. Ganz in diesem Sinne schließen wir das Editorial mit einem Werbeblock:
der Antifa e.V. ist bald pleite, Fördermittel kriegen wir nicht und mit Kartoffeldruck dauern Ausgaben so wahnsinnig lange. Grund genug für uns, über neue Geldquellen nachzudenken. Angeregt von den neuen Ausgabe der Chroniken verkauft die Lirabelle-Redaktion jetzt abgeschnittene Fußnägel mit garantiertem Radikalisierungs-Effekt! Die Nägel sind handgeschnitten, liebevoll verpackt und voller Demo- und Plenums-Erfahrung. Preis ist Verhandlungssache. Deradikalisierungs- und Anti-Extremismus-Projekte, die die Wirksamkeit ihrer pädagogischen Beschwörungen ausprobieren wollen, erhalten Mengenrabatt. Mehr dazu und zu anderen Themen gibt’s im Heft.

Die Redaktion der Lirabelle 19

p.s.: Das Titelbild ist gemacht und zur Vefügung gestelt von Lionel C. Bendtner. Es zeigt die Demo „Die Wartburgstadt ins Wanken bringen“ in Eisenach am 16.03.2019.

  • News
  • Vorwärt immer – Rückwärts nimmer
    Vor zehn Jahren wurde das besetzte Topf & Söhne Gelände geräumt. Marvin lebte mehrere Jahre im Topf-Squat und schrieb uns seine Erinnerungen.
  • Allein im Kampf gegen Umgänglichkeit
    Am 21. Dezember 2018 starb Wolfgang Pohrt. Mit Pohrt ging einer der wichtigsten Theoretiker der antideutschen Linken, ein Ideologiekritiker, der sich niemals in den Dienst irgendwelcher Bewegungen stellte, sondern sich bis zuletzt als linker Intellektueller nur einer Sache verpflichtet fühlte, der Wahrheit über diese Gesellschaft. Ein Nachruf von Ox Y. Moron.
  • Hartmut Balzke – Opfer rechter Gewalt
    Wenn überhaupt darüber gesprochen wurde, dann nur ungern und unter vorgehaltener Hand. Der sogenannte Triftstraßen-Mord oder Punker-Mord war lange Zeit eine nicht greifbare Erzählung. Die nun in diesem Jahr zur Erinnerung an den Mord an Hartmut Balzke stattfindende Veranstaltung von ezra (Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen) brachte Aufklärung. Doch warum bekam dieser rechte Mord keine Öffentlichkeit – nicht mal in den engen subkulturellen und linksradikalen Zusammenhängen? Es herrscht ein Schweigen, das durchbrochen werden muss. Wie das zu schaffen ist, müssen sich viele fragen lassen. Eins steht fest, wir dürfen nicht vergessen. Einer von uns wurde schwer verletzt, einer von uns ist tot. Ein Bericht von Eva.
  • Politische Wechseljahre: Gedanken zur Einsamkeit in der Radikalität
    Mit einer Art ungewolltem Moral-Appell versucht Jens Störfried auf seine Situation aufmerksam zu machen. Beschrieben werden dabei Gedanken, Wahrnehmungen, vielleicht auch „nur“ Gefühle, die ihn offenbar in einer ausgedehnten Umbruchphase beschäftigen. Der Beitrag ist auch ein Weiterdenken von einigen Aspekten der Diskussion „Dem Morgenrot entgegen?“ in der letzten Lirabelle.
  • Emanzipation im Neumond? Drei Perspektiven auf Hexen und Hexentum
    Hexen sind Pop und cool, und häufig genug auf Bezugspunkt feministischer Identität. Grund genug für die Redaktion der Rost und Motten sich in einem Gastbeitrag aus feministischer und kommunistischer Perspektive mit der Bezugnahme auf Hexerei auseinanderzusetzen. Dabei blicken verschiedene Mitglieder der Redaktion auf Hexerei als irrationalen Rückschritt und Entsolidarisierung mit den Opfern der Hexenverfolgung, als Fokuspunkt um das Verdrängte zu seinem Recht und seiner revolutionären Kraft kommen zu lassen und als Form der Emanzipation von bloß instrumenteller Vernunft.
  • Kritik aktueller anarchistischer Praxis in Jena. Teil I
    Als Hotspot linksradikaler Politik in Thüringen birgt die anarchistische Szene Jenas auch kritikwürdige Aspekte. Minna Takver widmet sich in zwei Teilen der anarchistischen Strategie und ihrer Auswirkungen. Dieser erste Teil beleuchtet Anthropologie und Aktionen, der zweite Teil Identifikation und Geschichtskonstruktion. Die Autorin ist Mitglied im Club Communism.
  • Einblicke in deutsche Verhältnisse – Eine Rezension
    Über ‘68, die Rote Armee Fraktion als eine ihrer Folgen und Ulrike Meinhof als zentrale Akteurin wurde viel geschrieben, doch gute Lektüre dazu zu finden, ist nicht leicht. Dori empfiehlt Peter Brückners ‚Ulrike Meinhof und die deutschen Verhältnisse‘.
  • „Der ist eigentlich ganz nett…“
    Elvira Sanolas darüber, dass Frauen häufig Teil des Problems sind, wenn es gegen Macker geht.
  • Repressionsschnipsel
  • Die Aluhut-Chroniken XIV – „Es gibt kein Unheilbar“

Lirabelle #18

Pünktlich zum Ratschlag haltet ihr eine neue Lirabelle in den Händen. Wenn schon Anfang des Jahres die Lage anders als rosig aussah, scheint es mittlerweile noch auswegloser: Nazihorden jagen vor den Augen der Öffentlichkeit und der sächsischen Polizei offen Menschen, Geheimdienst- und Parteisoldaten haben dafür Verständnis, die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer ist durch Repression stillgelegt und Bullen zeigen unverhohlen ihre Sympathie für den NSU – so nur ein paar Schlagzeilen der letzten Monate.
Gleichzeitig gingen 250.000 bei #unteilbar, 30.000 bei Welcome United und 20.000 gegen das bayrische Polizaiaufgabengesetzt auf die Straße, dazu gab es entschiedenen und partiell erfolgreichen Widerstand gegen die Rodung des Hambacher Forsts (siehe »Hilfe, Hippies?!«). Gibt das alles Anlass zur Hoffnung oder geht es im Kern darum, dass sich socialmediafokussierte und schilderhaltende Untertanen besser fühlen? Ist Hoffnung überhaupt ein Bezugspunkt für linke Praxis? Das haben wir mit ein paar Genoss_innen diskutiert, ihr findet die Mitschrift im Heft.
Weiterhin gibt es eine längst fällige Abrechnung mit der MLPD, eine Kritik der Art und Weise, wie Intersektionalität diskutiert wird und ein Beitrag zur Geschichte und Aktualität der Verfolgung von Sinti und Roma. News haben wir diesmal nicht, auch haben es einige Artikel aus Zeitgründen nicht ins Heft geschafft … was aber auch heißt, dass es schon Texte für das nächste gibt. Gerne nehmen wir weitere Zuschriften entgegen. Viel Spaß mit der Ausgabe 18!

Die Redaktion

  • Stalinisten in der Defensive
    In den vergangenen Monaten wollte sich die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) in den Vorbereitungskreis des diesjährigen Thüringer antifaschistischen & antirassistischen Ratschlages einbringen, der in Eisenach stattfindet. Auf Drängen u.a. der involvierten Antifa-Gruppen aus Südthüringen, der Jusos und von ezra ist das nicht gelungen – wofür die MLPD sich mit einem auf Hochglanz gedruckten und an alle möglichen linken Organisationen verschickten Flugblatt bedankte. Eine Leichenschau von Ox Y. Moron.
  • Kennst Du ihre Namen?
    Diese Frage stellte in großen Lettern ein Plakat auf dem Werbeaufsteller vor der Frau Korte, das im vorletzten Jahr etwa sechs Monate lang dort hing. Gefragt wurde nach den Namen der Opfer des Porajmos, der während des Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma. Darunter waren Silhouetten von Personen zu sehen, deren Körper bei näherer Betrachtung aus Daten und Fakten bestanden, die die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten darstellen. Unbekannte legten Blumen und Kerzen vor dem Aufsteller ab, kurz nachdem das Plakat angebracht wurde. So entstand ein vorübergehender Ort des Gedenkens, der in Erfurt bis dahin nicht existierte. In der Stadt erinnert nichts an die Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma. Klaus über ein oft vergessenes Verbrechen.
  • Linke Fragen an die Klimagerechtigkeit oder: Hilfe, Hippies!?
    „Klima Aktion Thüringen“ ist ein Zusammenschluss von Menschen, die auf lokaler Ebene im Bereich Klimagerechtigkeit aktiv sind und gemeinsam an Aktionen und Klimacamps teilnehmen. Sie plädieren für eine starke Bewegung, die soziale und ökologische Fragen zusammen denkt. Dafür stellen sie den Ursprung der Klimagerechtigkeitsbewegung in den USA vor, umreißen aktuelle Ziele und Strategien und laden zur Beteiligung ein.
  • Der Mistgabel-Angriff und die Wutbürger_innen
    Am 25. Juli 2018 wurde vor dem Erfurter Landgericht gegen Patrick Siegl aus Olbersleben, Landkreis Sömmerda verhandelt. Dieser griff einen antifaschistischen Maler mittels einer Mistgabel an und verletzte ihn. Sofian berichtet von der Verhandlung, die geprägt war von Herumschreien des Angeklagten, dessen Übergriff auf eine Zeugin sowie ein pöbelndes Publikum aus AfD-Mitgliedern und einem rechten Bereitschaftspolizisten.
  • Intersektionalität – Eine Politik der Sprechakte?
    Hermine Danger verwehrt sich einer Politik der Sprechakte, wie sie häufig Vertreter*innen der Intersektionalität praktizieren. Das Benennen bzw. Aussprechen bestimmter Worte wird schon einer Handlung gleichgesetzt. Sie ist nicht gegen eine intersektionale Analyse von Unterdrückungsmechanismen, sondern gegen eine Symbolpolitik, die sich Intersektionalität auf die Fahne schreibt.
  • Dem Morgenrot entgegen
    Schon vor 70 Jahren bestand »die fast unlösbare Aufgabe darin, sich weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht dumm machen zu lassen«. Anatol und Jesaja aus der Redaktion sprachen mit drei weiteren Genoss_innen über die Frage, wie man in deprimierenden Zeiten klarkommt, ohne zu resignieren oder zynisch zu werden.
  • Repressionsschnipsel
  • Die Aluhut-Chroniken XIII – Das goldene Audiokabel

Lirabell #17

cover17

Immer wieder werden welche von uns gefragt, wo denn die neue Lirabelle
bleibt. Und wie es mit der in Ausgabe 14 verkündeten Spaltung steht. Ob
es stimmt, dass wir deswegen so unregelmäßig erscheinen, weil die Hälfte
der Redaktion gutbezahlte, aber arbeitsreiche Stellen im Apparat der
neuen Landesregierung und als Fußballprofi angetreten hat. Und ob die
Lirabelle eigentlich eine Firmenhymne hat.
Zumindest auf die erste Fragt („Wann kommt denn mal wieder eine
Lirabelle?“) können wir klar mit einer Gegenfrage antworten: Wann kommt
denn mal wieder eine Zuschrift? Okay, wir haben relativ feste
Autor_innen, die einigermaßen regelmäßig (wenn auch mit einem sehr
entspannten Verhältnis zu Terminabsprachen) Texte einreichen. Aber
darüber hinaus kommt wenig bei uns an — obwohl eigentlich viele Themen
in der Luft liegen:
Was ist z.B. mit der Auseinandersetzung mit Mietfragen, die gerade in
Erfurt läuft? Worum ging es bei den Studierendenprotesten im Januar, was
läuft bei den Arbeitskämpfen an der Uni Jena? Mit was beschäftigt sich
die linke Sozialarbeiter_innenvernetzung, die sich gerade in Erfurt/Jena
trifft? Und was ist mit euren kleinen Kämpfen im Alltag? Hat jemand
gestreikt, sich gegen einen Macker zur Wehr gesetzt oder der Lehrkraft
einen nassen Schwamm auf den Stuhl gelegt? Hat denn nicht wenigstens
jemand eine tolle neue Platte entdeckt oder ein schönes Graffity
gefunden und fotografiert?
Wenn doch, trau Dich, was zu schreiben. Über Einsendungen — auch
anonyme — würden wir uns sehr freuen und Ihr müsstet nicht wieder
monatelang auf eine neue Ausgabe warten.

Die Redaktion

PS: Wir beißen nicht. Zumindest meistens.

  • News
  • FIT* FOR ACTION – ein Kungressbericht
    Am Frauen*kampftagsbündnis kommt seit 2015 keine*r mehr vorbei – von Februar bis März finden in mehreren Thüringer Städten Veranstaltungen verschiedener Formate statt, feministisch Bewegte diskutieren und tauschen Erfahrungen aus. In diesem Jahr organisierte das Bündnis nun erstmals einen eintägigen Kongress in Erfurt, der diese Möglichkeiten intensivieren sollte unter dem Motto FIT* FOR ACTION – Feministischer Kongress Thüringen #1 – Du interessierst dich für Feminismus und linke Politik? – Wir auch!“ Franzie schildert ihre Eindrücke vom Kongress.
  • Verpasste Gelegenheiten
    In Thüringens AfD-Hochburg Arnstadt hat die Rechtspartei das sicher geglaubte Bürgermeisteramt bei der Kommunalwahl im April hergeschenkt. Der Partei gelang es nicht einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Ox Y. Moron berichtet aus Erfurts liebenswertestem Vorort.
  • Über das Verhältnis von staatlicher Abschottung, Rassismus und Migration
    Der Infoladen Sabotnik hat 2015 Thesen zum Verhältnis von staatlicher Abschottung, Rassismus und Migration formuliert und auf einer Veranstaltung diskutiert. Seitdem ist einiges geschehen. Der Zyklus sichtbarer Kämpfe von Geflüchteten (Märsche und Besetzungen) ist vorbei, mehrere Asylrechtsverschärfungen sind durchgesetzt, im Bundestag und auf der Straße hat der Rassismus gegen Geflüchtete neue Dimensionen angenommen. Die Thesen erscheinen in weiten Teilen trotzdem noch erstaunlich frisch, lediglich These 7 und 8 haben wir nach einer erneuten Diskussion im März 2018 stärker verändert.
  • Bücherrezensionen
    Karl Meyerbeer hat trotz antirassistischer und antideutscher Alltagsorientierung alle Privilegien, die mit einem weiß/deutschen Hintergrund verbunden sind und rezensiert zwei antirassistische Bücher von Autoren, die von Rassismus betroffen sind.
  • Johnny
    Eine Geschichte, erzählt von der Dadaistischen Jugendkoordination – Bundesweite Organisaton.
  • Repressonsschnipsel
  • News zum Prozess gegen drei Genossen aus Gotha
    Von November 2017 bis Mai 2018 fanden mehrere Verhandlungen gegen die drei Gothaer Genossen statt, ohne dass der Prozess dabei zu einem Abschluss gekommen wäre. Die Soligruppe Free the three begleitete den Prozess und fasste die fünf Verhandlungstage zusammen.
  • Die Aluhut-Chroniken XII – Carpe Diem, öffne dein Herz

Lirabelle #16

Cover16

Das Erscheinen der letzten Ausgabe der Lirabelle liegt nun schon eine Weile zurück. So ist das, wenn der institutionelle Druck von außen wegfällt: Da braucht eine druckfrische Ausgabe der Lirabelle schonmal ein halbes Jahr in der Produktion. Zwar war das nicht geplant, doch ermöglicht uns die Freiheit des Verlegens nun selbst zu entscheiden, wann eine Ausgabe fertig wird. In einer linksradikalen Kleinst-Redaktion dauern die Prozesse länger, was auch einige unserer Autor*innen bitterlich erfahren mussten: Entschuldigt – Prozessoptimierung und Effizienz sind nicht unsere Stärken! Da Arbeitsbedingungen aber für uns ein relevantes Thema sind, führen wir in die aktuelle Ausgabe ein Interview zu den Möglichkeiten und Grenzen der Betriebsratsarbeit.

Mit dem Sommer liegen auch eine Reihe von Ereignissen hinter uns, wie eben das G20-Spektakel und der schlagkräftigen Machtdemonstration der Organe für innere Sicherheit, sowie drei große Nazimusikevents in Themar (Südthüringen). Zu letzterem findet ihr eine Analyse im Heft. Zu ersterem erreichte uns ebenfalls eine Einsendung, die eine subjektive Deutungen der Geschehnisse vornimmt. Diese findet ihr nicht in der Ausgabe, da wir uns gegen deren Abdruck entschieden haben. Gleichwohl halten wir eine nachhaltige Auseinandersetzung mit den Ereignissen in Hamburg für sinnvoll und freuen uns immer über die Einsendung von Texten (dies auch ein Appell!). Weil wir euch diesen Text nicht gänzlich vorenthalten wollen, wird er auf hier unserem Blog veröffentlicht.

Für einen weiteren Paukenschlag in jüngerer Vergangenheit sorgten die Wähler*innen der AfD vor allem in Sachsen und Thüringen: Wenn es nach den Ostdeutschen ginge, wäre die AfD nicht „nur“ mit 12% im Parlament vertreten. Wozu das führen könnte, zeigt der von CDU und AfD gemeinsam ermöglichte Beschluss des Landtages Sachsen-Anhalt, eine Kommission zur Untersuchung des „Linksextremismus“ einzusetzen. Die Stimmung auf den Straßen ist rau – jetzt wissen es alle, nur sind nicht „alle“ eben diesen Straßen ausgesetzt.
Fortwährend unterwegs auf diesen Straßen mit offenen Augen und Ohren, nicht verlegen um einen unbequemen Kommentar und Analyse war unser Genosse Thofu. Von ihm mussten wir uns im August ganz unerwartet verabschieden. Wir sind traurig, einen von uns „Randständigen“ verloren zu haben. Einen persönlichen Nachruf findet ihr, anderen Texten dieser Ausgabe vorangestellt.

Durchhalten und Weitermachen,
die Redaktion

Lirabelle #15

Cover15

Der 1. Mai steht vor der Tür, das heißt, Nazis in Gera, Halle, Erfurt oder sonst wo hinterher rennen oder – wenn möglich – mal gepflegt die freie Zeit genießen. Wir drücken die Daumen für Sonnenbrand statt kalter Füße. In jedem Fall habt ihr die neue Lirabelle dabei.
Vielleicht seid ihr bei der Eröffnung da gewesen – unser aktuelles Cover zeigt es euch spätestens an: Es gibt wieder ein Veto in Erfurt! Yeah! Ab sofort gibt es in der Magdeburger Allee 180 wieder regelmäßige Öffnungszeiten, ihr findet sie bei den Terminen Seite 62. Im Infoladen kann wieder ausgiebig in aktuellen Zeitschriften und der Bibliothek gestöbert werden, das Archiv für linke Bewegungsgeschichte in Thüringen wartet auf Neugierige.
In dieser vor euch liegenden Ausgabe gibt es mehrere Antworten auf Texte, die in den vergangenen Lirabellen erschienen sind. (Alte Ausgaben findet ihr an verschiedenen Orten – siehe Seite 63.) Besonders hinweisen möchten wir auf einen Erfahrungsbericht zur Lohnarbeit, einerseits, weil es natürlich wichtig ist, dieses Lohnarbeiten zu reflektieren und zu kritisieren, andererseits weil es nun mal die Lebensrealität von Millionen von Menschen ist, die sich etwas anderes gar nicht vorstellen oder sich Alternativen nicht leisten können. Zur unendlichen Geschichte deutscher Gerichtsprozesse wird auch wieder ein Bericht beigesteuert: Neues zum Ballstädt-Prozess.
Um diese ganze Tristesse etwas aufzuhübschen, findet ihr viele Fotos von der Veto-Eröffnungsfeierlichkeit, die, wie man sehen kann, bunt gestaltet und besucht war. Was für ein Fest! Hierbei gleich eine Bitte an euch: Für die nächsten Ausgaben wünschen wir uns Einsendungen für den Mittelteil. Wenn ihr also in euren Städten passende Graffiti, Stencil oder Street-Art findet, schickt uns Fotos davon. Wenn ihr darüberhinaus etwas beitragen wollt, schreibt uns. Wir freuen uns über Antworten, neue Artikel und über Bilder.
Seit #14 erscheint die Lirabelle ohne staatliche Förderung. Diese Ausgabe wird unter anderem unterstützt vom Club Communism, deren Logo sich erfreulicher Weise fortan dort befindet, wo früher die der anderen Förderer waren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Unterstützer*innen, die nicht genannt werden wollen.

Bis bald und viel Spaß mit #15,
die Redaktion der Lirabelle

  • News
  • Interview: „Für die Akzeptanz verschiedenster nicht-heteronormativer Lebensweisen“
    Die AG QueErfurt setzt sich für queere Sichtbarkeit und Akzeptanz verschiedenster nicht-heteronormativer Lebensweisen ein. Die Lirabelle sprach mit Siân und Norman von der Gruppe.
  • Von nationalen Punks und einem Denkmal für NS-Mörder in Suhl
    In Suhl errichtete eine NS-verharmlosende Einheitsfront von der CDU bis zur Linkspartei ein Denkmal für NS-Aktivisten und ein ehemals alternatives Zentrum schafft sich ab. Ox Y. Moron berichtet von zwei Entwicklungen in der Thüringer Kleinstadt, die auf den ersten Blick miteinander gar nichts zu tun haben mögen.
  • Der Burgfrieden von Ballstädt
    Drei Jahre nach dem Überfall auf eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt und nach mittlerweile 38 Verhandlungstagen am Erfurter Landgericht neigt sich das Verfahren gegen die 15 Neonazis seinem Ende entgegen. Weite Teile des Prozesses waren geprägt durch eine gewisse Routine aus Erinnerungsverweigerung, unzähligen Anträgen der Verteidigung, sowie einem (Schau)Kampf des Landgerichtes mit dem Thüringer Verfassungsschutz. Die Angeklagten selbst wirken meist eher desinteressiert und gelangweilt. Nur sehr selten spielen sie im Prozess eine aktive Rolle. Ein Bericht des Kleingartenverein Tristesse.
  • next level – Eine kritische Veranstaltungsreihe
    Das „next level“-Orga Team schreibt über politische Umgebung und die Organisierung einer Veranstaltungsreihe in Weimar als Gegenkonzept.
  • Unterschiede im Ganzen
    In Jena wird über Antisemitismus geredet. Simon Rubaschow versucht dabei, die zugrundeliegenden Vorstellungen von Antisemitismus und seiner Kritik ins Verhältnis zu setzen. Der Autor ist Mitglied im Club Communism.
  • Und auf einmal bist du ein Prolet…
    Eigentlich wollte Minna Takver einen Artikel über innerlinke Debattenkulturen schreiben, aber der Einstieg in das sogenannte Arbeitsleben machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen an dieser Stelle: ein reflektierender Erfahrungsbericht ihrer ersten Zeit als Lohnarbeitende. Die Autorin ist Mitglied des Club Communism.
  • Wenn eins wahr ist, dann, dass Anarchist_innen nicht die Wahrheit haben – Eine Beschreibung anarchistischer Kritiken
    Im folgenden Text versucht Jens Störfried aufzuzeigen, was seiner Ansicht und Erfahrung nach Ansätze anarchistischer Kritiken auszeichnet. Er hält es für wichtig, über die jeweiligen Standpunkte von denen aus die Kritik geäußert wird zu reflektieren und dementsprechend anderen zuzugestehen, dass sie aus vernünftigen Gründen zu anderen Ansichten gelangen können. Dies schließt ein, den eigenen Behauptungen gegenüber selbstkritisch zu sein und sie als strategische Setzungen zu betrachten anstatt hohle Phrasen zu dreschen. Das führt aber nicht zu liberalem Toleranzdenken, Beliebigkeit oder Handlungsunfähigkeit.
  • Noch einmal zu Ermächtigung – als Praktiken zur partiellen Emanzipation
    Mit so etwas wie… nun ja, Erleichterung, las Mona Alona den Artikel von Emily Page in der letzten Ausgabe der Lirabelle. Emily schrieb einen „persönlichen Text“, was einerseits an sich gut bzw. auflockernd befunden wird, andererseits auch ein angemessenes Gegengewicht zum Text von Simon Rubaschow (Lirabelle #12) darstellt, den sie kritisiert. Die folgenden Überlegungen setzen sich damit auseinander, worauf aufbauend ein eigenes Verständnis von Ermächtigung skizziert wird.
  • Plädoyer gegen das Rauchen in linken Räumen
    Ein Beitrag von K. Eine nervige Realität ist das Rauchen in linken Räumen, deshalb hier eine Antwort auf den Artikel in der vorletzten Lirabelle (#13) „Ein Plädoyer für‘s Rauchen“ (sic!) von D. Selbige_r versteht es ausgezeichnet, eine Diskursverschiebung vorzunehmen, indem sie_r fünf Seiten über Rauchen schreibt ohne diese Problematik auch nur zu streifen. Das soll nun nachgeholt werden.*
  • Von Astronomy Domine zu On Dark Silent Off
    Progressive Rock ist Ende der 1960er-Jahre entstanden, als linke Studenten die Einflüsse ihrer bürgerlichen Bildungsbeflissenheit in Konzeptalben mit ewig langen Liedern gegossen haben. Kalle und Markus pflegen auch heute noch durch Download oder Kaufhausklau ihre gut sortieren Diskographien, gehen auf bestuhlte Konzerte und ziehen eine Linie von den frühen Pink Floyd zur aktuellen Avantgarde-Band Radian.
  • Die Aluhut-Chroniken X: Florit macht dum
  • Repressionsschnipsel

Lirabelle #14

Cover14

Wie ihr vielleicht schon am Fehlen der Logos im Editorial gemerkt habt, erscheint die Lirabelle nun schon eine ganze Weile ohne staatliche Förderung.
Genau darzulegen, wie es dazu gekommen ist, ist an dieser Stelle nicht möglich. Erwähnt sei aber, dass verschiedene Akteure einen Beitrag dazu geleistet haben, an erster Stelle wir selbst: Trotz Förderung haben wir nie ein Blatt vor den Mund genommen und auch von Anfang an damit gerechnet, dass irgendwann Schluss mit der finanziellen Unterstützung sein wird. Einen weiteren Anteil hat gewissermaßen ein Kollege. Sebastian Haak, Thüringen-Korrespondent des Neuen Deutschland und Autor in verschiedenen Thüringer Regionalzeitschriften, hat sich im September im Freien Wort über die wüsten Beschimpfungen gegen den Landesvater Bodo Ramelow in der Lirabelle ereifert. Natürlich ohne uns zu fragen, der Tenor seines denunziatorischen Artikels ist ja schließlich, wie es sein kann, dass vermeintlich Linke wie wir im Antifaschismus mitmischen. Dankbar aufgegriffen hat diese Zuarbeit die AfD in einer parlamentarischen Anfrage nach der Förderung von Druckerzeugnissen durch das Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit. Auch mit dem Ende der Förderung zu tun hatte ein PDL-geführtes Ministerium.
Wir werden oft gefragt, ob man in Thüringen was davon merkt, dass Rot-Rot-Grün an der Macht ist. Die Antwort ist ein entschiedenes „Ja“. Denn die alte, schwarz-rote Landesregierung hat zähneknirschend eingesehen, dass man ein ungeliebtes Spektrum aushalten muss, wenn man im braunen Herzen Deutschlands wenigstens halbwegs glaubwürdig gegen Nazis und Rassisten eintreten will. Jetzt, wo eine schwache rot-rot-grüne Landesregierung wie ein Kaninchen auf die Schlange des Rechtspopulismus starrt, kann ein ND-Journalist in Zusammenarbeit mit der AfD erfolgreich einen Skandal daraus machen, dass es tatsächlich Leute gibt, die sich erdreisten, nicht nur gegen offene Nazis, sondern auch gegen den Staat und seine Organe zu stänkern.
Wir danken allen Kooperationspartner_innen, die die Lirabelle bis hierhin unterstützt haben. Wir machen selbstverständlich weiter, in etwas veränderter Zusammensetzung, derzeit ohne Postadresse und als nun aufrechte Vertreter_innen des Untergrundes mit einer Spaltung: Die Redaktion der „Lirabellum“ hat uns den intergalaktischen Krieg erklärt. Willkommen auf der Erde! Allen Leser*innen viel Spaß mit der 14. Ausgabe,

die Redaktion der Lirabelle 14

  • News
  • Interview „… eine Gesellschaft ohne Rassismus und Ausgrenzung“
    Von Mitte September bis Mitte Dezember fand in Erfurt die Veranstaltungsreihe „Willkommen in Kanakistan“ statt. Dabei waren İdil Baydar mit ihrer Bühnenfigur Jilet Ayşe, die Ingeborg-Bachman-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo, Mutlu Ergün-Hamaz und viele weitere Künstler*innen und Intellektuelle. Die Lirabelle sprach mit Herrn T. und Frau T., die als VeranstalterInnen der Reihe eine (post-)migrantische Perspektive sichtbar machen wollen.
  • Teilhabe und Sichtbarkeit für Alle
    In allen deutschen Städten und Provinzen sieht man neuerdings Menschen, deren Präsenz davon Zeugnis ablegt, dass sie im Migrationsregime die wichtigsten Player sind. Wie man diese Beobachtung aus einer Perspektive der Autonomie der Migration begreifen kann und was daraus perspektivisch folgt, beschreibt Çağrı Kahveci.
  • Die Falken auf Feldforschung bei der Antifa
    Am 12. November fand, organisiert vom Antifa-Bündnis Gotha unter dem Motto „Volkstrauertag abschaffen“, eine Demonstration in Erfurt statt, bei der mittels Redebeiträgen am Beispiel des Volkstrauertages eine Kritik der deutschen Gedenkpolitik geleistet wurde. Die Falken aus Erfurt, die eingeladen wurden einen Redebeitrag zu halten, stellten in ihrem etwa 20minütigen Kurzreferat nicht nur unzweifelhaft klar, wer „den Längsten“ hat, sondern erhoben auch eine Reihe von mit Verachtung vorgebrachte Vorwürfe, mit denen sich Dori und Ox Y. Moron an dieser Stelle in angemessen pöbelig polemischer Art auseinandersetzen werden.
  • Die ex-linken Gast-Rechten aus Arnstadt
    Als im Juni 2015 die CDU in Eisenach gemeinsam mit der NPD – und auf deren Antrag – für die Abwahl der linken Bürgermeisterin stimmte, war der mediale Aufschrei angesichts der Zusammenarbeit von „Demokraten“ mit Faschisten groß. Was in Arnstadt seit dem Jahr 2012 passiert, ist vielfach dramatischer und findet ohne jegliche überregional-öffentliche Wahrnehmung statt. Aus Arnstadt berichtet Nikolai Bucharin.
  • Sexismus gegen Rechts
    Eine blonde Frau mit langen Zöpfen, die im tief ausgeschnittenen Dirndl mit Zahnpastalächeln sechs Maßkrüge Bier anbietet. Das Lächeln ist gekünstelt, was man deutlich sieht, wenn man genauer hinschaut und z.B. die Hälfte des Gesichts abdeckt. Es ist Knochen- und Kopfarbeit, stundenlang schwere Getränke zu tragen und die Fassade nicht fallen zu lassen, egal wie ekelhaft die männliche Kundschaft nach dem fünften Bier auch wird. „Kein Bier für Nazis“ steht in Frakturschrift neben der beschriebenen Kellnerin. Auf einem Bierdeckel, der seit einiger Zeit in Erfurter Kneipen liegt. Karl Meyerbeer hat Leute aus dem Kreis der Initiator_innen nach ihrer Motivation gefragt.
  • Revolution & Kopfarbeit
    Anfang Juni 2016 fand in der Nähe von Berlin das Frauen*-Theorie-Wochenende „Revolution & Kopfarbeit“ statt. Ein Wochenende lang setzten sich ca. 40 Teilnehmerinnen – Frauen, die bei den Falken und/oder in anderen linken Zusammenhängen organisiert sind – mit dem Verhältnis von Geschlecht und linker Theoriearbeit auseinander und besuchten verschiedene Workshops. Organisiert wurde die Veranstaltung von Genossinnen der Thüringer Falken und Einzelpersonen mit Unterstützung der Mädchen- und Frauenpolitischen Kommission der SJD – Die Falken. Was die Idee dahinter war und wie das Wochenende verlief, umreißt Lisa aus dem Vorbereitungskreis.
  • KüfA* in Erfurt: Suppen-, WG-, Armen- oder politische Küche!?
    Einige waren schon einmal da, andere haben schon mal von gehört, wieder andere können sich eine Woche ohne KüfA* gar nicht vorstellen. Aber was ist das eigentlich? Sitzen da nur irgendwelche Leute zusammen und kochen kostengünstig für sich? Und warum gibt es sie eigentlich schon so lange? Im folgenden Interview mit Klara KüfA* findet ihr den Versuch, Sinn und Zweck der Gruppe auf den Grund zu gehen.
  • Empower_me(a)nt something.
    Emily Page zeigt auf, warum Empowerment wichtig ist und widersprcht damit der Position des Textes „Aber ich habe mich nicht“ aus der Lirabelle #12.
  • Punk in der Thüringer Provinz – Teil 2: Punk und Eisenach im Schatten der Wartburg
    Auf dem Weg durch das Thüringer Provinz machen die Leute von Thüringenpunk Beobachtungen und Erfahrungen, die sie für die Leser*innenschaft der Lirabelle zugänglich machen. Im zweiten Teil der Reihe ‚Punk in der Thüringer Provinz‘ geht es um Eisenach und den Überlebenskampf der subkulturellen antifaschistischen Szene zwischen Perspektivlosigkeit, kleineren Punkrockshows und Nazistress.
  • Integrationsverweigerung im Hörsaal
    Die Gesellschaft für analytische Philosophie fragt: „Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen?“ Karl Meyerbeer hat den gleichnamigen Sammelband gelesen und ist mit den Antworten nicht zufrieden: Kein einziger Beitrag beantwortet die Frage, wie viele Flüchtlinge die Gesellschaft für analytische Philosophie aufnehmen soll.
  • Kindergedicht #2
    Von Hermann Heilner.
  • Aluhut-Chroniken IX – Schlafen mit Aluhut
  • Repressionsschnipsel

Lirabelle #13

Lirabelle#13

Liebe Leser*innen,

passend zum Beginn des für dieses Jahr verspäteten Sommers kommt die Sommerausgabe der Lirabelle, nachdem wir Gewitter, Dauerregen und grauen Himmel überstanden haben. Nicht, dass wir etwas gegen nass triefende Deutschlandfähnchen und betröpelt aussehende Leute hätten, die sich als Deutschland verkleiden, doch nichtsdestotrotz fetzt Sonnenschein ohne Gewitter und Unwetter schon auch. So aber bleibt mehr Zeit und Muße für die genüssliche Lektüre der Lirabelle No. 13.
Für diese Ausgabe haben wir uns bemüht mehr kulturelle Beiträge einzufangen, trotz der jämmerlichen Realität. Die Lokalzeitungen der letzten Wochen melden: Rassismus in Thüringen verdoppelt, aktuell sind 441 Nazis weggekommen (meint, sie sind untergetaucht und entziehen sich einem Haftbefehl), zum Tag der Bundeswehr in Erfurt ein großes Familienfest mit Klettern auf Kriegsgerät unter dem schnittigen Motto „Panzer statt Riesenrad“ auf dem Domplatz…
Ach, zum Kotzen. Jedoch bringt es auch nix, jammernd zuhause zu sitzen. Raus auf die Straße bringt dann doch was – nämlich Neues zu Tage: Bodo Ramelow unterstützt ungewollt die AfD, die sich eh immer als Opfer fühlt, und vergleicht antifaschistischen Protest mit Nazi-Methoden. Mehr dazu im Artikel „Querfront gegen die Antifa“. Wer trotzdem noch antifaschistisch bleiben will, sollte sich schon jetzt mit der eigenen Karriereplanung auseinandersetzen, einen passenden Artikel findet ihr in dieser Ausgabe. Im Interview zeigt eine Sozialarbeiterin die Widersprüche und Widrigkeiten des Tätigseins in einer Geflüchtetenunterkunft auf: „Gut organisiert war nur die Registrierung“. Eine Möglichkeit anders zu wirtschaften, können Kollektive sein. Das Interview „Bildet Banden!“ zeigt Perspektiven von Kollektivbetrieben. Weiterhin findet ihr einen Artikel zum Prokrastinieren „Einen Titel hab‘ ich noch nicht.“, zu Essen das „Manifest der Roten Völlerei“, zu Sciencefiction „Ein Raumschiff voll Kritik“ und Thüringenpunk berichtet uns exklusiv über einen Ausflug ins Thüringische Niemandsland und was ihnen in Altenburg begegnete. Das Bild im Mittelteil zeigt eine Transparentaktion anlässliche des 1. Mai 2016 in der Erfurter Raiffeisenstraße. Vielen Dank an Lionel C. Bendtner für die Aufnahme!
In dieser dreizehnten Ausgabe ist einiges anders: Die Aluhut-Chroniken setzen aus, um der drohenden „13“ zu entkommen. Die Rubrik „Mitmachen und Vernetzen“ wird derzeit überarbeitet. Wir hatten die Idee, mit dieser Ausgabe mehr zur Zerstreuung und zum Müßiggang beizutragen. Wie immer freuen wir uns über Rückmeldungen und Artikel, gern auch in Reaktion auf schon Bestehende. Meckert weniger im Stillen, schreibt mehr Beiträge!
Mit diesem elterlichen Appell viel Freude beim Lesen und Anschauen und einen schönen Sommer,

das Redaktionskollektiv der Lirabelle

  • News
  • Querfront gegen die Antifa
    In Thüringen bildete sich in Auseinandersetzung um eine antifaschistische Demonstration eine so nie dagewesene Querfront von „Linken“ und Protofaschisten gegen die Antifa. Der Anführer dieser unheiligen Allianz? Bodo Ramelow. Ein Bericht von Ox Y. Moron.
  • „Gut organisiert war nur die Registrierung“
    Die Lage von Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften zeigt auf besonders erschreckende Weise die Krise der Reproduktion: Gegessen wird, was vom Amt kommt. Bei Krankheit muss man darauf hoffen, dass ein Arzt im Lager ist. Privatsphäre gibt es keine. Im Lager werden selbst die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse nicht erfüllt und die Menschen darüber hinaus von den Möglichkeiten der Selbstsorge abgeschnitten. Karl Meyerbeer hat für das Thüringer Netzwerk Care-Revolution mit Katrin gesprochen, die als Flüchtlingssozialarbeiterin arbeitet.
  • Zur Lage in Idomeni und an Europas Außengrenzen
    … wurde und wird schon (zu?) viel von allerlei (mir) fremden Medien und Aktivist*innen gesagt, geschrieben, erklärt, kommentiert, bewertet und analysiert. X fehlen die Worte. Daher schickt sie folgende Bild-Nachrichten von den Menschen aus dem inzwischen geräumten Camp von Idomeni.
  • Interview: Bildet Banden!
    Kollektivbetriebe versuchen, innerhalb des kapitalistischen Rahmens anders zu wirtschaften. Die Lirabelle sprach mit Mitgliedern des Baustellenkollektiv Contrust, des sogenannten Bildungskollektivs und des Datenkollektivs darüber, wie das funktionieren kann und an welche Grenzen die Kollektivist@s stoßen.
  • Ein Plädoyer für‘s Rauchen
    Nicht selten müssen sich Raucher für ihr Laster rechtfertigen. Rauchen sei schließlich gesundheitsgefährdend und irrational. Doch genau darin liegt ein widerständiges Moment, meint Dori. Die Autorin raucht gerne, viel, gerne viel und (nicht nur) überall da, wo es noch erlaubt ist.
  • Rezension: Herzl Reloaded
    Jeder & Jede, der oder die sich mit Israel in irgendeiner Form beschäftigt, hat wahrscheinlich seinen Namen schon einmal gehört bzw. gelesen: Theodor Herzl. Das wohl berühmteste politische Manifest zur Gründung Israels, Der Judenstaat, erschien 1896 als Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage, wie es im Untertitel auch heißt. Es dauerte indes gut 50 weitere Jahre bis Israel gegründet wurde. Herzl war allerdings nicht genuin Politiker, sondern Literat und so verwundert es nicht, dass sein Roman Altneuland die Vision des Judenstaates versuchte, konkret auszumalen. 2016 ließen Natan Sznaider und Doron Rabinovici nun ihre Reflexion über Herzls vermeintlich verwirklichten Traum beim Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag herausgeben. Max Unkraut, aktives Mitglied der Sozialistischen Jugend – Die Falken, rezensiert in Folgendem den Titel Herzl reloaded.
  • Testbericht: Engagement und Karriere
    Die außerparlamentarische Linke ist einer der führenden Anbieter zeitgemäß präsentierter Inhalte mit Standorten in mehr als 74 Ländern. Als Vorbereitung für das Berufsleben bietet sie attraktive Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen und wichtige Kompetenzen zu erlernen. Der Rat, sich für Karrierezwecke z.B. beim Flüchtlingsrat zu engagieren (Lirabelle 12), ist insofern richtig. Aber Engagement muss wohlüberlegt sein. Wer sich zu früh festlegt, landet schnell auf einer mittelmäßig entlohnten und zudem unsicheren Projektstelle. Außerdem bieten auch die Autonomen, die Antifa oder der marxistische Lesekreis Karrierechancen. Gerade eine Kombination verschiedener Tätigkeiten kann zu einem exzellentes Sprungbrett werden. Um bei der Auswahl zu helfen, berichtet Lasse Hirsch von einem Kamingespräch mit der Personalabteilung der Radikalen Linken.
  • Prokrastinieren: Einen Titel hab‘ ich noch nicht
    Sicherlich haben viele Unentschlossene bereits einmal mit dem Gedanken gespielt, einen Text in der Lirabelle oder etwaigen anderen Publikationen zu veröffentlichen und sich letztlich doch dagegen entschieden, weil man sich das nicht zutraut, nicht weiß, worüber man schreiben soll oder schlichtweg gerade keine Zeit dafür hat. Doch auch wenn man ein Thema, den nötigen Mut und ein bisschen Zeit hat, fällt der Anfang oft schwer. T.b.a. zeigt aus eigener Perspektive, wie das aussehen kann.
  • Ein Raumschiff voller Kritik
    Science Fiction zeigt die Welt, so wie sie sein könnte. Oder? Pascal Späth und Karl Meyerbeer über ein Genre, das als Kleine-Jungs-Traum von heldenhaften Heldenmännern, glitzernden Superraumschiffen und bösartigen außerirdischen Monstern begann.
  • Manifest der Roten Völlerei
    Einmal im Monat findet im [kany], dem Ladenlokal der Falken Erfurt, die Rote Völlerei statt. Was sich dahinter verbirgt, könnt ihr im Folgenden nachlesen. Außerdem gibt es einen kurzen Einblick in die Speisekarte mit einem Rezept unter dem Motto Sommer, Sozalismus, Schweinebauchbraten.
  • Punk in der Thüringer Provinz – Teil 1: Altenburg und Rote Zora
    Auf dem Weg durch die Thüringer Provinz machen die Leute von Thüringenpunk Beobachtungen und Erfahrungen, die sie für die Leser*innenschaft der Lirabelle erstmalig zugänglich machen. Ihr findet hier eine gekürzte Version des Berichts über Altenburg und die Rote Zora. Punk in der Thüringer Provinz – Teil 1.

Lirabelle #12

Cover #12

Editorial

Wer nicht das erste Mal die Lirabelle in den Händen hält, weiß dass die Ausgaben nicht unter einem Schwerpunkt stehen, wie das in anderen Publikationen oft der Fall ist. Entsprechend versammeln sich hier Texte, die unterschiedliche Themen nebeneinander, manchmal miteinander verhandeln und sich ab und an auch widersprechen. Aber nicht nur den Inhalt betreffend, sondern auch was die Form angeht, ist die Publikation relativ offen gehalten. So gibt es Texte, bei denen man den akademischen Hintergrund der Autor*innen klar heraus liest, andere üben sich im freien Assoziieren, schildern und reflektieren Erfahrungen auf subjektiver Ebene, ohne dass damit deren Anspruch auf Objektivität gemindert wäre.
Wenn aber von verschiedenen Formen der Auseinandersetzung mit Inhalten die Rede ist, so meint das meist eben Textformen. Auch da wo Kunst Thema ist, ist sie das in der Regel in Form von Rezensionen, wird, dem Medium der Sprache geschuldet, also über sie geschrieben. Die, im Sinne der Trennung von Wissenschaft und Kunst, eher auf Seiten der Kunst zu verortende Lyrik war bis dato noch nicht vertreten. Um so mehr freuen wir uns, erstmalig ein Gedicht abdrucken zu können, das, handelt es sich nämlich um eine Kindergedicht, ebenso den Kreis an angesprochenen Lesenden erweitert.
Darüber hinaus wird in der aktuellen Ausgabe nach einer emanzipatorischen Form des Schimpfens gefragt, Polemik als angemessene Form der Kritik bestimmt, Formen der möglichen Selbstermächtigung aufgezeigt, herausgestellt was eben keine solche Form der Selbstermächtigung ist bzw. sein kann u.v.m.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
die Lirabelle-Redaktion

  • News
  • Buen Vivir
    La Cuchara über ein südamerikanisches Konzept, dass die Möglichkeiten eines gelingenden Lebens unter zerstörerischen Bedingungen auslotet.
  • Ballstädt-Verfahren: Dümmer geht’s immer – Bullen vs. Nazis
    Die ersten Verhandlungstage des Ballstädt-Prozesses seit dessen Beginn im Dezember 2015 sind gelaufen. 15 Neonazis müssen sich nach einem brutalen Überfall auf die Kirmesgesellschaft in Ballstädt im Februar 2014 verantworten. Wir, Kleingartenverein Tristesse e.V., geben euch einen kleinen Einblick in diesen doch sehr speziellen Gerichtsprozess. Sowohl unsere Erwartungen an Entertainment wurden erfüllt, wie auch unsere Befürchtungen die Verteidigung betreffend sind weitestgehend eingetreten. Wir empfehlen euch aber ausdrücklich einen eigenen Besuch.
  • Abschieben mit Links
    Ox Y. Moron kritisiert die staatspolitischen Ambitionen und den Verrat an der Menschheit durch Thüringer Linke, die in Regierungsverantwortung das Abschieberegime der Vorgängerregierungen fortsetzen.
  • Parsley, sage, rosemary and thyme
    Die Frage von Geburtenkontrolle und Abtreibung war für die Feminist_innen der 60er und 70er ein wichtiges Thema. Obgleich viele Gesetzgebungen und Regelungen im Gesundheitssystem immer noch sexistisch sind und einkommensschwache Menschen benachteiligen, ist das Thema für viele – aus verschiedensten Gründen – in den Hintergrund getreten. Weshalb es für eine kommunistische und anti-sexistische Praxis weiterhin wichtig sein kann und muss, über die technisch-medizinische Seite der Körper-Aneigung zu sprechen, versucht Maxi N. Conrady am Beispiel der Anti-Baby-Pille zu entfalten. Die Autorin ist Mitglied im Club Communism.
  • Irgendwas mit nichtmonogam…
    Seit fast zwei Jahren gibt es in Erfurt das Poly-Palaver-Picknick, bei dem sich Frauen und Transpersonen, die nichtmonogam leben oder sich dafür interessieren, in lockerer Atmosphäre über ihre Liebes- und Lebensweise austauschen können. Kalle hat mit den Organisatorinnen Krista und Ayşe gesprochen.
  • Aber ich habe mich nicht.
    Die Hoffnung auf Räume solidarischer Kritik und gemeinsamem Hinterfragens hat Simon Rubaschow noch nicht aufgegeben. Daher wirft er einen kritischen Blick auf das Konzept des ‚Empowerments’. Der Autor ist Mitglied im Club Communism.
  • Gute Nacht Gedicht für Kinder
    von Hermann Heilner
  • Emanzipatorisch beleidigen?! – Die Kunst der Erniedrigung
    Lulu Ronja setzt sich damit auseinander wie Schimpfen funktionieren könnte. Dabei enthält dieser Artikel Wörter, die viele Diskriminierungen reproduzieren.
  • Elemente der Polemik
    Der Artikel befasst sich mehr als minder abstrakt mit der Idee einer Kritischen Ästhetik der Polemik. Die streitbare Kunstform ist z.B. bekannt aus den Texten der Zeitschrift Bahamas, aus Schriften Wolfgang Pohrts und geradezu perfektioniert im Werke Karl Kraus‘ zu finden. Auf Grund ihres beleidigenden Impetus‘ erregt sie oftmals bei Leserinnen & Lesern Anstoß und wird daher abgelehnt. Gegen dieses erste Gefühl der Ablehnung, aber mit dem Bewusstsein, dass durch Erklärung etwas von ihrem Zauber verloren geht, soll im Folgenden die Polemik als sachlich angemessene Form der Kritik verteidigt werden. Der Autor ist aktives Mitglied der Sozialistischen Jugend – die Falken. Von Max Unkraut.
  • Solidarität geht nur gemeinsam
    In der Lirabelle wird häufig über Repression berichtet. Wichtig ist das Thema allemal, leider nicht so wahnsinnig beliebt und bekannt. Viel zu oft bleiben die Betroffenen von Repression damit allein. Das wollen wir als Rote Hilfe Ortsgruppe Erfurt ändern und haben hier einen kleinen Einblick zum Sinn und zur Notwendigkeit von Antirepressionsarbeit und im Speziellen von Soli- oder Unterstützungsgruppen zusammengestellt, teilweise findet ihr in diesem Text Statements von Soligruppen, die bereits in der Lirabelle zu lesen waren.
  • Das ist keine Kunst. Wir sind eine Gang.
    Viele haben sie schon gesehen, gehört und mit ihnen gefeiert: AbstinenZx lassen es mit „In dieser Heimat kein zuhaus“ ordentlich krachen. Warum sie mit ihrer Musik ins Mark treffen, es dabei nie um Kunst geht, sondern um uns, will Franzie zeigen.
  • Die Aluhut-Chroniken VIII – Wunderheilmittel

Lirabelle #11

Cover#11

Editorial

Es heißt, die fast unlösbare Aufgabe bestehe darin, sich weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht dumm machen zu lassen.
Am 1.12. berichtet eine Thüringer Lokalzeitung, dass die Mieten immer teurer werden und ein Mann, der vor der Zwangsräumung stand, von der Polizei erschossen wurde – nachdem er einen Polizisten an der Hand verletzt hatte. Am 16.12. mussten wir in Erfurt ohnmächtig zusehen, wie drei verängstigte Kinder mitten in der Nacht von bewaffneten Beamten aus dem Schlaf gerissen, in ein Polizeifahrzeug verbracht und dann deportiert wurden. Sie waren nur drei von 103, die am diesem Tag nach Serbien abgeschoben wurden. Serbien ist ein sicherer Drittstaat, obwohl Minderheiten dort systematisch von staatlichen Stellen verfolgt werden. Vielleicht besteht die Logik der ganzen Geschichte darin, dass man auch in Deutschland bei mindestens 800 Angriffen auf Geflüchtete und deren Unterkünfte im Jahr 2015 nicht ernsthaft davon sprechen kann, dass Geflüchtete hier sicher sind? Heißt dieses Aufrechnen schon, sich dumm zu machen? Wir hoffen nicht und suchen weiter nach Spuren, die einen Weg in eine bessere Welt gangbar machen können.
Der Infoladen Sabotnik und die Gruppe Pekari diskutieren in dieser Ausgabe darüber, wie man sich gemeinsam in der Position der Ohnmacht schlau machen kann. Mona Alona diskutiert, ob linke Großevents nur Ohnmacht kompensieren oder auch einen tatsächlichen emanzipatorischen Gehalt haben. Und dass die Verhältnisse von Macht und Ohnmacht Wahn gebären, machen nicht nur die Aluhut-Chroniken deutlich. Aber dass Ohnmacht auch Wut hervorruft, zeigt ein neues Zine aus Jena und eine Platte der Punkband Kellerasseln, die wir rezensiert haben.
Daran möchten wir gerne anknüpfen und nehmen uns für 2016 vor, uns weder dumm zu machen, noch uns mit Macht und Ohnmacht abzufinden. Irgendwann müssen ja bessere Zeiten kommen.

  • News
  • Alternative Studieneinführungstage
    In Jena und in Erfurt haben linke Gruppen eine Veranstaltungsreihe zum Semesterbeginn organisiert. Die Lirabelle-Redaktion sprach mit Aktivist_innen von Pekari (Jena) und dem Infoladen Sabotnik (Erfurt).
  • Mitmenschlich
    Während der Druck auf der Straße durch die organisierten Thüringer (Proto-)Faschisten steigt, geht die Thüringer Polizei gegen Antifas vor und die Zivilgesellschaft dreht auf dem Erfurter Domplatz ein Feel-Good-Movie. Von Ox Y. Moron.
  • Vorhang zu
    So, nun ist’s vorbei, das schöne Tischlerinnentreffen – für Leser*Innen, die das Wort das erste Mal hören: wir sind gestandene Handwerksfrauen, egal, ob nun seit Geburt oder später durch eigene Entscheidung zur Frau geworden, die sich seit einem Vierteljahrhundert treffen, um sich über Berufsalltag auszutauschen, sich gegenseitig zu stärken, zu vernetzen, eine gute Zeit zu haben – eine Auswertung der Organisatorinnen.
  • „Teile und herrsche“ – eine bewährte deutsche Tugend
    Wie die kolonialrassistische Praxis des „Teile und Herrsche“-Prinzips sich bis heute in der deutschen Gesellschaft und in den deutschen Behörden durchzieht. Und wie neokoloniale Praktiken unter dem Vorwand des „Helfens“ hier und in anderen Ländern, die von Deutschen bereist werden, jeden Tag umgesetzt werden. Von Lila Unkraut.
  • Bericht von den feministischen Radiotagen in Weimar
    Anna Wegricht hat die ersten feministischen Radiotage mitorganisiert.
  • Großevents – der Linken liebstes Kind
    Mona Alona widmet sich in ihrem Text der Frage nach der Motivation an linken Großevents teilzunehmen, indem sie versucht, ihre eigenen Beweggründen an ausgewählten Aktionen teilzunehmen, zu ergründen.
  • Das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung als Gefahr der Normierung und Lähmung
    Von fast Allen unbemerkt hat im Oktober nach dem Bundestag auch der Bundesrat das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung durchgewunken. Damit müssen Telefonnummern und IP-Adressen, Dauer/Zeit von Telefongesprächen und Internetnutzung, Standortdaten (wann hat sich das Telefon wo wie lange aufgehalten) und wer wem SMS geschrieben hat vier bzw. zehn Wochen lang bei den Telekommunikationsanbietern gespeichert werden; Zugriff durch staatliche Behörden muss garantiert sein. Leony Schröder über die politische und soziale Bedeutung eines Rundum-Überwachungspakets.
  • Anarchismus mit Fußnoten
    Vor Blogsport und Facebook, vor Myspace und Geocities und sogar vor CompuServe und AoL kamen die amtlichen Informationen vom Nachrichtenmann in der Tagesschau und einer überschaubaren Menge von Zeitungen, die das politische Spektrum der im Bundestag vertretenen Parteien abdeckten, dazu die verhasste BILD. Die radikale Linke setzte angesichts dessen auf Gegeninformation. Zeckige Heftchen in kleiner Auflage wurden im Westen über den Kopierer gezogen oder in der Uni-Druckerei gedruckt, im Osten mit Wachsmatritzen hektografiert und unter ungleich schwierigeren Bedingungen hergestellt. Autonome Demos waren behelmt und martialisch und eben eine solche Demo ist auf dem Titelbild des „Anarcho-Infoblatt Jena“ (AIB) abgebildet. Jemand freut sich über ein neues Zeckenheftchen aus Jena.
  • Mittelmeerromantik
    Karl Meyerbeer hat sich eine Schallplatte der Kellerasseln angehört und angesehen.
  • Repressionsschnipsel
  • Die Aluhut-Chroniken VII – Terror unterm Aluhut